Alfdorf

Ukrainische Flüchtlinge laden die Alfdorfer zu einem Dankefest ein

Alfdorf Ukraine
Mit Schrannen in den ukrainischen Nationalfarben: Unser Bild zeigt einige der ukrainischen Flüchtlinge, die sich für das Dankefest engagieren, und einen Teil der Mitglieder des Vereins „Füreinander Alfdorf“. © Gabriel Habermann

„Wir wollen Danke sagen. Jeder hat uns so viel geholfen“, sagt Olena Pesotska. Davon erzählen die ukrainischen Flüchtlinge im Garten von Werner Brauer, dem Ersten Vorstand des Vereins „Füreinander Alfdorf“. Hier, mit Blick ins Grüne des idyllischen Alfdorfer Gartens, bei freundlicher Gastlichkeit und aufmerksamer Anteilnahme, scheint der Gedanke an Krieg weit weg. Und doch, für diese Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine hat er ihr ganzes Leben verändert. Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen und haben in Alfdorf einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Und viel Unterstützung erfahren. Davon erzählen sie mit rührender Dankbarkeit, in Deutsch und Englisch, mit dem Übersetzungsprogramm auf dem Handy.

Und sie möchten den Alfdorfern nicht nur mit Worten danken. Eine Speisekarte und ein Plakat liegen auf dem Tisch. Die ukrainischen Flüchtlinge laden auf Sonntag, 4. September, im Rahmen des Straßenfests zu einem Dankefest für die Einwohner von Alfdorf ein.

„Als Zeichen unserer großen Dankbarkeit und Hochachtung laden wir Sie herzlich zum Mittagessen ein“, ist auf dem Plakat zu lesen.

Ukrainischer Borschtsch, ein immaterielles Kulturerbe

Die Speisekarte verkündet bereits, welche ukrainischen Köstlichkeiten für diesen Anlass zubereitet werden: Borschtsch zum Beispiel. „Die Unesco hat den ukrainischen Borschtsch in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen“, verrät die Speisekarte weiter. Das macht natürlich neugierig. Tetiana Vlasenko zählt auf, welche Zutaten man dafür braucht: Kohl, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Rote Bete, Hähnchenfleisch, Tomaten, Petersilie, Dill. „Meine Tochter und ich kochen traditionelle ukrainische Gerichte“, erzählt die sympathische 39-Jährige von ihrem Alltag. Das verbinde mit der Heimat. Doch sie hat auch schwäbische Gerichte schätzen gelernt, wie etwa Spätzle und Maultaschen.

Golubtzi, ein traditionelles ukrainisches Gericht, Kohlrouladen, gefüllt mit gehacktem Reis und Fleisch, geschmort in Tomatensoße, werden zudem angeboten. Ebenso wie Banush, ein Brei aus Maisgrütze, gekocht in Sauerrahm und Milch, serviert mit Grieben und Käse. Die anderen Spezialitäten wecken ebenso die Lust, sie zu probieren.

Modern interpretierte ukrainische Volkslieder auf der Bühne im Schlosspark

Wer das möchte, kann am Sonntag im Stephanushaus einen kulinarischen Eindruck von der Ukraine bekommen. Auch ein Film über die Ukraine wird gezeigt, nicht über den Krieg, sondern über das Land selbst. Modern interpretierte ukrainische Volkslieder kann man darüber hinaus am Sonntag auf der Bühne im Schlosspark erleben. So bringen die ukrainischen Organisatoren des Dankefests den Besuchern ihre Heimat und Kultur näher.

Natürlich, vom Krieg kann jeder der leidgeprüften Menschen hier am Tisch erzählen. Tetiana Vlasenko etwa lebte in ihrer Heimat in der Region Cherson, bevor sie vor dem Krieg flüchtete. Ruhig und gefasst erzählt sie, wie sie ihre Heimat verlassen mussten, von 33 Tagen des Ausharrens in Saporischschja, von Sirenen und dem Keller der Schule, der Fahrt über die polnische Grenze und der Ankunft in Deutschland bei Freunden, wo sie ein provisorisches Zuhause fanden. Von freundlichen und sensiblen Menschen spricht Tetiana Vlasenko in dem Zusammenhang. „Ich möchte mich jedes Mal bei solchen Menschen bedanken.“

Natürlich denkt sie viel an ihre Heimat

Im April kam sie mit ihrer Tochter und der Katze nach Alfdorf. Es gefällt ihr hier. Natürlich denkt sie viel an ihre Heimat, an die Menschen dort und an den Teil der Familie, der noch in der Ukraine ist.

Beim Dankefest für die Alfdorfer Bürger hilft Tetiana Vlasenko mit, ebenso wie Andrej, der mit seiner Familie aus einem Dorf in der Nähe von Luhansk geflüchtet ist, eine Woche nach Kriegsbeginn. Bis sie tatsächlich das Land verlassen konnten, mussten sie viele Kilometer fahren, denn das Militär hatte sie zurückgebracht, erzählt er. Zwei Wochen waren sie in der Ukraine unterwegs, die elfköpfige Familie lebte in einem Bus. „Es war sehr schwierig für uns.“ Inzwischen wohnt die Familie in Alfdorf, ist in einem Haus untergekommen und gut versorgt.

Das Herz in der Ukraine, doch hier eine zweite Heimat gefunden

Auch Olena Pesotska engagiert sich für das Dankefest am Sonntag. Sie lebt mit ihrem 81-jährigen Vater in Alfdorf. In ihrer Heimat wohnte sie im Stadtzentrum von Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Das Viertel wurde bombardiert. Über Lwiw im Westen des Landes, sie verließen die Stadt, die am nächsten Tag bombardiert wurde, gelang die Flucht über Polen nach Stuttgart. Dort kamen sie kurz bei einem Freund des Vaters unter. Nun wohnen Tochter, Vater und der zehnjährige Mops der Familie in Alfdorf.

Ihr Herz ist in der Ukraine, sagt Olena Pesotska, doch auch, dass sie hier eine zweite Heimat gefunden hat. „Es gibt so viel Hilfe für uns.“

Andrea Kolckmann engagiert sich für „Füreinander Alfdorf“ und bestätigt die Erfahrung aus ihrer Perspektive. Sie berichtet von vielen helfenden Händen im Ort für die Menschen aus der Ukraine, von sofortiger und direkter Unterstützung, die bis heute anhalte, von Spenden, Aufmerksamkeit und offenen Ohren, von Taschen voll Sachspenden, mit etwa Kleidung und Haushaltsartikeln, und sehr großer Hilfsbereitschaft. „Das ist eine so tolle Erfahrung.“

„Wir wollen Danke sagen. Jeder hat uns so viel geholfen“, sagt Olena Pesotska. Davon erzählen die ukrainischen Flüchtlinge im Garten von Werner Brauer, dem Ersten Vorstand des Vereins „Füreinander Alfdorf“. Hier, mit Blick ins Grüne des idyllischen Alfdorfer Gartens, bei freundlicher Gastlichkeit und aufmerksamer Anteilnahme, scheint der Gedanke an Krieg weit weg. Und doch, für diese Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine hat er ihr ganzes Leben verändert. Sie mussten aus ihrer Heimat

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