Alfdorf

Wohin kommt der Supermarkt?

Supermarkt Symbolbild_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Alfdorf. Einzelhandel ist wichtig für das Leben in einer Gemeinde. Wohin soll die Entwicklung in Alfdorf gehen? Darauf suchen derzeit Verwaltung und Gemeinderat eine Antwort. Am Montagabend wurden im Gemeinderat mehrere Varianaten dazu vorgestellt. Drei sind in der engeren Wahl. Entschieden ist aber noch nichts. Vielmehr ist eine Informationsveranstaltung für die Bürger geplant. Dort können dann Wünsche und Anregungen eingebracht werden.

In der Debatte kristallisierte sich aber alsbald heraus, in welche Richtung die Entwicklung aus Sicht der Gemeinde gehen soll. Im Osten der Gemeinde soll ein neuer Supermarkt mit Vollsortiment entstehen. In diesem Fall würde der Rewe-Markt im Westen des Ortes wegfallen. Er ist nicht mehr zeitgemäß und müsste ohnehin durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Wichtig ist der Kommune, dass der Penny-Markt in Pfahlbronn als Discountermarkt erhalten bleibt.

Standort im Osten war schon einmal beschlossen

Der Standort im Osten war schon vor längerem als Standort für einen Lebensmittelmarkt auserkoren worden, allerdings für einen Discounter mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. In den Verhandlungen mit den verschiedenen Betreibern hat sich aber nun herausgestellt, dass 800 Quadratmeter den Investoren einfach zu wenig sind. Die Wunschfläche für den Verkauf liegt bei 1200 bis 1400 Quadratmetern. Dafür reicht aber die baurechtliche Genehmigung nicht. Die Gemeinde musste deshalb mit der Region neu verhandeln, die nun vorgelegten alternativen Standorte sind das Ergebnis der Gespräche.

Laut Gemeindeverwaltung gibt es schon seit längerem Interesse von Seiten des Einzelhandels, die Standorte zu erweitern, zu verbessern oder ganz neu zu bauen. In Alfdorf bestehen neben örtlichen Handwerksbetrieben (Metzgereien, Bäckereien, Hofläden) zwei Lebensmittelbetriebe: in Alfdorf der Rewe-Markt als Vollversorger mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, in Pfahlbronn der Penny-Markt als Discounter mit rund 600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Gemeinde wünscht sich eine Verbesserung des Angebots, zumal die beiden bestehenden Supermärkte in Größe und Ausstattung nicht mehr zeitgemäß sind. Im Entwurf des Flächennutzungsplans 2015 bis 2030 ist für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes im Osten eine Fläche von rund 0,6 Hektar ausgewiesen.

Überlegungen zu alternativen Standorten

Nach Beratungen mit Vertretern des Regierungspräsidiums und des Verbands Region Stuttgart wurden zunächst mögliche Alternativstandorte für einen weiteren Lebensmittelmarkt gesucht. Dabei wurde insbesondere auf das Integrationsgebot hingewiesen, wonach Einkaufsmöglichkeiten sich möglichst in der Nähe zur Wohnbebauung an einem „integrierten Standort“ befinden sollten.

Die Alternativstandorte A 3 und A 5 sind relativ dicht an der bestehenden Wohnbebauung, werden jedoch voraussichtlich von interessierten Firmen nicht angenommen, weil sie nicht an der wichtigen Verkehrsachse, der Landesstraße, liegen. Insbesondere der Standort A 5 wäre auch für das innerörtliche Verkehrsaufkommen in der Oberen Schlossstraße und der Farbgasse kritisch zu sehen. Außerdem ist der Standort auch nicht oder wenig integriert.

Für einige Standorte Zielabweichungsverfahren notwendig

Der Alternativstandort A 4 (ausgewiesen teilweise als Gemeinbedarfsfläche im gültigen Flächennutzungsplan) liegt zwar dicht an der Landesstraße und nahe an bestehenden Wohngebieten, jedoch auch sehr nahe an den bereits vorhandenen Einzelhandelsstandorten, so dass die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs besteht.

Der Alternativstandort A 1 entspricht der bisherigen Planung im Entwurf des Flächennutzungsplanes. Der Alternativstandort A 2 wurde bei den Gesprächen mit Regionalverband und Regierungspräsidium vorgeschlagen, befindet sich jedoch in einem regionalen Grünzug. Zudem sind die Standorte A 1 und A 2 nicht integriert (liegen außerhalb der zu versorgenden Wohnbereiche), was ebenfalls eine Zielabweichung darstellt. Die Raumordnungsbehörden haben jedoch ihre Zustimmung signalisiert, das dadurch erforderliche Zielabweichungsverfahren positiv zu begleiten. Das Zielabweichungsverfahren ist nötig, wenn die Planung einer Gemeinde von den Vorgaben der Region abweicht.


Die Debatte im Gemeinderat

Bei zwei Enthaltungen hat der Gemeinderat am Montagabend die Vorgehensweise der Gemeindeverwaltung in Sachen Standort für den neuen Supermarkt mit großer Mehrheit gebilligt. Doch bis es so weit war, gab es eine kleine Debatte im Gremium mit vielen Meinungsäußerungen und Verständnisfragen.

„Zurück auf den Anfang“, kommentierte CDU-Gemeinderat Horst Metzger den Neustart der Gemeinde bei diesem Thema, denn der Standort im Osten sei schon einmal beschlossen gewesen. Der Standort A 1 hinter dem Sportplatz macht aus Sicht von Metzger am meisten Sinn.

Gemeinderat Martin Köngeter (Freie Wähler) warnt vor einer Ansiedlung zu dicht an der Wohnbebauung. „Dann gibt es Probleme mit den Nachbarn.“

Stefan Ehrhardt (FW) wies auf bereits bestehende Einkaufszentren in Welzheim, Mutlangen und Lorch hin. Alfdorf hinke der Entwicklung hinterher.

Doch der Vergleich ist laut Bürgermeister Michael Segan nicht passend. Alfdorf ist ein Kleinzentrum, die genannten Kommunen seien Unterzentren. Im Kleinzentrum sind nur Märkte bis 800 Quadratmetern zulässig. Größere Märkte benötigen eine Sondergenehmigung.

Rainer Bulling (FW) kritisierte die Vorgaben der Region, die seien längst überholt und nicht mehr zeitgemäß. Auch die Forderung, möglich dicht an der Bebauung die Märkte anzusiedeln, gehe an der Realität vorbei. „Wer geht heute noch mit dem Handwägele einkaufen?“

Für den Standort A 1 gibt es auf Sicht von Wolfgang Hipp (CDU-Liste) klare Argumente. „Wir sollten uns nicht verzetteln und für die Bürgerinfo-Veranstaltung eine grobe Richtung vorgeben.“

Hans Dieter Folter (FW) erinnerte daran, dass Alfdorf eine Einpendler-Gemeinde sei. Auch dies spreche für einen großen Supermarkt mit Vollsortiment im Osten der Gemeinde.