Alfdorf

ZF Friedrichshafen: Der Betriebsrat kämpft um jeden Platz

ZF Betriebsrat
Der Betriebsrat ist bereit, für jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen! Von unten: Daniel Sauerbeck, Andrea Sicker (IG Metall), Wolfgang Betz, Heike Hägele, Michael Munz und Manfred Thiele. Foto: Privat © Privat

In Alfdorf geht die Angst vor Arbeitslosigkeit und Existenzverlust um. Wie eine Bombe war Ende Mai die Ankündigung der Geschäftsführung des Autozulieferers ZF Friedrichshafen eingeschlagen, in dem Konzern in den kommenden fünf Jahren zwischen 12 000 und 15 000 Arbeitsplätze abzubauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Davon betroffen ist auch das Tochterunternehmen TRW Automotive GmbH in Alfdorf, in dem 1900 Menschen ihr Auskommen finden. Am dortigen Standort hat ZF vor noch nicht einmal zwei Jahren ein neues Logistikzentrum eröffnet, in das der Konzern 14 Millionen Euro investiert hat.

Diese Ankündigung per E-Mail mitten in der Zeit der coronabedingten Kurzarbeit, so der Alfdorfer stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Daniel Sauerbeck, stelle einen „Schlag ins Gesicht der Belegschaft“ dar. Sie werde sich dagegen wehren, unter Führung ihres Betriebsrats, mit tatkräftiger Unterstützung der IG Metall und unter Einsatz „aller uns in Deutschland zur Verfügung stehender gesetzlicher und tariflicher Möglichkeiten“.

Die Krisenbewältigung dürfe bei ZF nicht auf Kosten der Arbeitnehmer vonstattengehen. Die hoch qualifizierten Alfdorfer müssten „an Bord gehalten werden“, anstatt sie kurzfristig freizusetzen, nur um dem Unternehmen Geld zu sparen. Eine Blitzumfrage der Gewerkschaft habe ergeben, dass sich 90 Prozent der in Alfdorf Beschäftigten Sorgen um die eigenen Arbeitsplätze und die ihrer Kollegen machen. Sie seien aber auch bereit, für deren Erhalt zu kämpfen. Noch lägen keine konkreten Zahlen für Alfdorf vor, doch gehe man davon aus, dass nicht nur die Produktion mit 600 Beschäftigten, sondern auch die 1200 Arbeitnehmer der Bereiche Verwaltung, Forschung und Entwicklung betroffen seien. „Die Nerven liegen blank“, so die Einschätzung Sauerbecks, der auch Mitglied des Gesamtbetriebsrats ist und im Aufsichtsrat von ZF die Arbeitnehmerseite vertritt.

Mehr als sechzig Arbeitnehmer aus Leihfirmen und mit befristeten Verträgen, die nicht verlängert wurden, seien bereits in den vergangenen Monaten in Alfdorf von diesem Stellenabbau betroffen, ergänzte Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Betz. Seiner Schätzung nach müsse in den kommenden ein, zwei Jahren mit dem Verlust von 80 bis 120 Arbeitsplätzen gerechnet werden. Mit einer aussagekräftigen Abendaktion unter „Coronabedingungen“ wolle man nun seine Kampfbereitschaft unterstreichen.

Eine Kernbotschaft des Betriebsrats mit dem Beamer an einer Wand

In Zusammenarbeit mit der IG Metall projizierte der Betriebsrat am Donnerstagabend mit Beamern die Kernbotschaften an die Wände des Alfdorfer Verwaltungsgebäudes. Ein Großteil der Belegschaft befinde sich seit 27. März in Kurzarbeit oder im Home-Office. Zunächst wurde die Arbeitszeit um bis zu 70 Prozent gekürzt, zurzeit liege die Kürzung in der Produktion bei 50 Prozent, bei Forschung und Entwicklung bei 40 Prozent. Da sich der Einzugsbereich des Alfdorfer Standortes von Ulm und Schwäbisch Hall bis hinter Stuttgart erstrecke, habe man sich zu dieser neuen, kreativen Form des Widerstands und Protestes entschlossen, anstatt die Kolleginnen und Kollegen zu einer Demonstration mit Abstandsregeln und Maskenpflicht zusammenzurufen. „Wir behalten uns weitere Eskalationsmöglichkeiten vor“, so Betz, der für das kommende Jahr auch Streikmaßnahmen nicht ausschloss. „Wir sind sicher, alle Beschäftigten sind dazu bereit“, so seine Einschätzung. Ziel sei, betriebsbedingte Kündigungen auf alle Fälle auszuschließen. Der angestrebte „Generationswechsel“ in der Belegschaft solle durch Altersteilzeit und Aufhebungsverträge erreicht werden. Ein wichtiges Signal für den Standort sei, dass die Unternehmensleitung zugesagt habe, das Ausbildungsniveau im Unternehmen zu halten.

Auch im kommenden Jahr rechne man mit 90 Auszubildenden und Studenten. Die Automobilindustrie befinde sich schließlich mitten in einer Transformationsphase, die den Alfdorfer Arbeitnehmern Flexibilität und Qualifizierung abfordere und die auch 2021 noch nicht abgeschlossen sei. Seit 2017, so Betz, pendelten sich die Verkaufszahlzahlen in der Automobilindustrie nach Jahren des starken Wachstums ein. Für 2020 rechne man nur noch mit 70 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit, 25 Millionen weniger als im Vorjahr. In dieser Transformationsphase habe die weltweite coronabedingte Rezession zusätzlich wie ein „Brandbeschleuniger“ gewirkt. Schwierige Zeiten müssten gemeinsam gestaltet werden, forderte Andrea Sicker, die kommissarische erste Bevollmächtigte der IG Metall, und wer von den Arbeitnehmern einen Beitrag zur Überwindung der Krise in Form von Einsparungen bei Weihnachts- ,Urlaubs- und tariflichem Zusatzgeld erwarte, müsse im Gegenzug auch betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. „Wir kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz!“, versicherte sie.

In Alfdorf geht die Angst vor Arbeitslosigkeit und Existenzverlust um. Wie eine Bombe war Ende Mai die Ankündigung der Geschäftsführung des Autozulieferers ZF Friedrichshafen eingeschlagen, in dem Konzern in den kommenden fünf Jahren zwischen 12 000 und 15 000 Arbeitsplätze abzubauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Davon betroffen ist auch das Tochterunternehmen TRW Automotive GmbH in Alfdorf, in dem 1900 Menschen ihr Auskommen finden. Am dortigen Standort hat ZF vor noch nicht einmal

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