Backnang

Partei kleistert Backnang mit Organspendeausweisen zu

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Die Plakate hängen in der Innenstadt und am Backnanger Bahnhof. © Ramona Adolf
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Statt Abreißzetteln gibt es hier Organspendeausweise.

Backnang.
Der Vorstoß einer Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hätte eine kleine Revolution bedeuten können: Waren Organentnahmen bisher nur bei einem ausdrücklichen Ja zulässig, sollte es künftig umgekehrt sein. Alle Menschen wären erst einmal Organspender. Wer das nicht möchte, müsste ausdrücklich Nein sagen. Vergangene Woche ist dieser Vorstoß im Bundestag mit 292 zu 379 Stimmen gescheitert. Stattdessen wurde eine sogenannte "moderate Reform" bei Organspenden beschlossen. Die Bundesbürger sollen nun lediglich häufiger auf eine Entscheidung zur Organspende hingewiesen werden, zum Beispiel dann, wenn sie sich einen neuen Ausweis abholen. Für die meisten Bürger bedeutet das: ein Hinweis, alle zehn Jahre.

Diese zehn Jahre dauern dem Backnanger Ortsverband der "Partei" offenbar zu lang. Der lokale Ableger der Satirepartei sucht deshalb in ganz Backnang mit Plakaten nach Organspendern. Statt der üblichen Abreißzettel mit Telefonnummern kleben an den Plakaten Organspendeausweise zum Mitnehmen.

Laut der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) hat es 2018 in Deutschland 955 Organspender gegeben. Auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen aber etwa 9 500 Menschen. Etwa 84 Prozent aller Menschen in Deutschland stünden einer Organspende positiv gegenüber, heißt es auf den Plakaten der "Partei". Nur 39 Prozent hätten aber einen Organspendeausweis, weshalb die "Partei" diesen direkt zum Mitnehmen anbietet. Marco Schlich, der erste Vorsitzende des Ortsverbandes Backnanger Bucht, schreibt zu der Aktion: "Wenn die Regierung nicht mehr weiterkommt, muss die Partei einspringen. Wieder einmal."