Backnang

SPD-Bundestagsabgeordneter Christian Lange kandidiert nicht mehr für den Bundestag

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Christian Lange, SPD, kandidiert 2021 nicht mehr für den Bundestag. © Benjamin Büttner

Überraschende Personalie bei der SPD: Christian Lange, Justizstaatssekretär und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Backnang/Gmünd, wird bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr kandidieren. In einer Pressemitteilung erklärt Lange, 56: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, und doch steht sie schon seit langem fest.“ Er werde im Wahljahr 2021 „auf 23 Jahre als Mitglied des Bundestags zurückblicken, das waren sechs Bundestagswahlen, sechs Wahlkämpfe und sechs Wahlperioden.“ Nach dieser langen und intensiven Zeit wolle er das verbleibende letzte Arbeitsjahrzehnt nutzen, um noch etwas Neues zu beginnen.

Seit 1998 ist lange im Bundestag – ein Hinterbänkler war er gewiss nicht: Von 2002 bis 2013 war er Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag, von 2007 bis 2013 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion; und seit 2013 ist er als Parlamentarischer Staatssekretär auch Mitglied der Bundesregierung.

Drei Jahrzente in der politischen Verantwortung

Lange, geboren in Saarlouis, machte sein Abitur 1983 in Waiblingen und studierte Jura an der Uni Tübingen. Er leistete danach bis 1991 seinen Zivildienst und begann anschließend sein Referendariat, das er 1993 mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen abschloss. In die SPD trat Lange schon als Schüler ein, 1982. Von 1989 bis 1999 war er Mitglied des Kreistages Rems-Murr und des Ortschaftsrats Hegnach. „Das heißt, ich stehe seit drei Jahrzehnten politisch in Verantwortung.“

Lange zählte nicht zum linken SPD-Flügel und stand zum Beispiel der Politik Gerhard Schröders sicherlich näher als sein damaliger MdB-Kollege aus dem Wahlkreis Waiblingen, Hermann Scheer, der sich in kleiner Runde gerne sarkastisch über den wirtschaftsnahen „Genossen der Bosse“ äußerte. Während sich der Freigeist und Energiewende-Visionär Scheer indes eher nicht so intensiv in die tägliche Kompromiss-Arbeit einbinden ließ, verkörperte Lange den Typus des kompetenten Umsetzers im Politgetriebe der Großen Koalition.

„Ich hoffe und wünsche mir“, schreibt Lange in der Pressemitteilung, „dass Sozialdemokraten endlich wieder aufrecht durchs Leben gehen, dass wir endlich zu den großen Erfolgen, die nur durch unsere Politik, durch unser Engagement, aber auch durch mühsame Kompromisse erreicht wurden, offensiv und selbstbewusst stehen und diese stärker für uns reklamieren. Denn eines ist klar: Immer wenn die SPD in unserem Land in Verantwortung war, hat sie das Leben der Menschen besser und gerechter gemacht und niemanden zurückgelassen.“

Vom Ausstieg aus der Atomkraft bis zur Ehe für Alle: Lange legt seine Bilanz vor

Zum Beleg macht Lange eine Bilanz seiner Bundestagszeit auf: „Vieles, was heute als selbstverständlich wahrgenommen und sogar oft auch eingefordert wird, war damals fast unvorstellbar.“ Die Liste der Erfolge sei lang: Kitaplätze, Ganztagesbetreuung, Ganztagesschulen, Ausstieg aus der Atomenergie, Aussetzung der Wehrpflicht, Ehe für Alle, gesetzlicher Mindestlohn, Energiewende, Elterngeld, Frauenquote, Bafög- und Kindergelderhöhungen, Grundrente. „Bis zur Coronakrise hatten wir in weiten Teilen unseres Landes fast Vollbeschäftigung, statt über Arbeitslosigkeit diskutierten wir über Fachkräftemangel – obwohl weltweit viele Länder von wirtschaftlichen Krisen betroffen waren.“ Und „jetzt schmieden wir das größte Konjunkturpaket aller Zeiten. Dank der Schuldenbremse und der ,roten Null’ von Olaf Scholz können wir uns das nun leisten.“

Lange erinnert auch an Veränderungen im Wahlkreis Backnang/Gmünd: In Schwäbisch Gmünd wurde unter SPD-Regierungsverantwortung die teuerste Ortsumgehung Deutschlands gebaut, „seitdem boomt diese wunderschöne Stadt.“ Die B14 wurde weiter ausgebaut, „der Anschluss Backnang steht unmittelbar bevor“. Und „in beiden Wahlkreisteilen gehören Kita- oder Ganztagesbetreuungsangebote zum Alltag an unseren Schulen – das war 1998 unvorstellbar!“