Berglen

Ärger über „massakrierte“ Bäume: Ein Stücklesbesitzer in Streich nimmt die Mistel-Aktion ins Visier

Ärger Mistel aktion
Bei dem Anblick wird Grözinger zum Wutbürger der anderen Art. © Benjamin Büttner

Von wegen im idyllischen Streich ist die Welt noch in Ordnung. Im Höhenflecken hängt der Haussegen schief. Es gibt Zoff wegen der dortigen Mistelaktion. Ein Grundstücksbesitzer erhebt schwere Vorwürfe. Der Initiator und Organisator der Aktion ist nicht minder genervt davon.

Der Kritiker ist Dieter Grözinger. Es ist angesichts der Heftigkeit seiner Attacke bemerkenswert, dass er erst gar keinen Wert auf Anonymität legt. Der Streit sei eh schon lange im Flecken, die Beteiligten seien ohnehin dort allen bekannt, und schlimmer, als es bereits sei, könne es für ihn gar nicht mehr werden, sagt er dazu. „An und für sich“ finde er die Aktion durchaus gut, betont Grözinger vorab. Dass versucht werde, Misteln von befallenen Bäumen zu entfernen, sei ja in Ordnung. Ihn störe aber die „Art und Weise“, wie das in Streich geschehen ist, wie dort die Aktion durchgeführt worden sei. Dass die Helfer ohne Schutzausrüstung, wie eigentlich vorgeschrieben, mit Motorsägen gearbeitet haben, was in Youtube-Videos von den Einsätzen geradezu dokumentiert sei, sei da noch Nebensache. Er erwähnt es gleichwohl.

Das Ganze sei von vornherein falsch angegangen worden, bemängelt Grözinger, nach dem Motto „wer nicht widerspricht, bei dem wird es gemacht“. Das sei unzulässig, es sei vorgeschrieben, dass es mindestens eine mündliche, besser noch schriftliche Zustimmung der betreffenden Stücklesbesitzer brauche. Es gebe nur eine Ausnahme, in der davon abgewichen werden dürfe: Feuerbrandbefall, bei dem gebe es dazu eine Satzung, die das erlaube. Er habe nie eine Zustimmung dazu gegeben, dass seine Stückle betreten werden dürfen, dass an seinen Bäumen dort Misteln entfernt werden dürfen. Weil er nämlich dafür selbst sorge. Trotzdem sei es geschehen.

Er argwöhnt, dass Neid im Spiel ist

Da spiele aber noch „anderes“ eine Rolle, sei Neid im Spiel, argwöhnt Grözinger, der insbesondere den Projektleiter in Streich im Verdacht hat. Umso mehr ärgere ihn, wie die Mistelbekämpfung bei ihm erfolgt sei. Zwei seiner Bäume seien regelrecht massakriert worden, weit übers erforderliche Maß hinaus. Hauptäste seien direkt am Stamm abgetrennt worden, so dass die Bäume nun wertlos seien, rausgemacht werden müssten. „Das hat doch mit dem Sinn dieser Aktion nichts mehr zu tun. Da wurde regelrecht abgeholzt.“ Grözinger spricht von „mutwilliger Sachbeschädigung“.

Noch etwas anderes bringt ihn auf die Palme: Die abgetrennten Äste und Zweige seien monatelang liegen geblieben, obwohl versprochen worden sei, dass sie abtransportiert und anschließend gehäckselt werden. Wenn es so sei, dann könne man es auch gleich lassen, findet Grözinger, weil die Mistelsamen vom Schnittgut in dieser Zeit über Vögel in der Gegend verbreitet werden, damit also das Ganze eigentlich für die Katz sei. Mittlerweile habe er das selbst erledigt, um endlich wieder auf seinen Stückle mähen zu können.

„Mutwillige Sachbeschädigung“, aber keine Anzeige bislang

Ein weiterer Streitpunkt: die ihm angebotene, aus seiner Sicht deutlich zu geringe, Entschädigung. Außerdem sei da „ohne jede Haftung“ agiert worden, er bekomme keine Verantwortlichen zu greifen. Auch die Gemeinde habe sich da aus der Verantwortung gezogen. Grözinger räumt allerdings ein, dass er mit dem Organisator der Mistelaktion im Raum Winnenden, Diethard Fohr, vor Ort war, sich mit ihm den Anlass für den Zoff gemeinsam angeschaut hat. Das Angebot, das ihm dabei gemacht wurde, sei aber überhaupt nicht angemessen. Hat er denn nicht gewusst, dass die Aktion stattfindet? Doch, aber er habe eben gedacht, nicht auf seinen Stückle, weil die ja gepflegt seien, so Grözinger, außerdem habe er ja mündlich widersprochen. Erneut kommt er hier auf den Projektleiter zu sprechen: „Der hätte selbst auf seinen eigenen Stückle genug zu tun.“ Hat er Anzeige erstattet, wenn er schon von Sachbeschädigung spricht? Nein, er habe gehofft, dass es im Guten gehe. Es gehe ihm auch nicht um „Rache“, versichert Grözinger: „Ich bin einfach sauer, dass meine überwiegend gepflegten Bäume geschnitten wurden. Das war überflüssig. Wenn es hätte sein müssen, dann hätte ich es ja selbst gemacht.“

Er sei nicht auf Rache aus, es gebe einen Vergeltungsschlag gegen ihn

Grözinger betreibt Landwirtschaft im Nebenerwerb, Obst- und Ackerbau (Kartoffeln), ist zu 100 Prozent Selbstvermarkter, die Familie hatte in früherer Generation auch noch Viehhaltung. Er bewirtschaftet rund drei Hektar in Intensivanbau. Dass er sich mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit wohl keine (neuen) Freunde in Streich macht, ist ihm bewusst. Dort herrsche eh kein Frieden, er sei „relativ entspannt“, was da auf ihn zukommen könnte. Er spricht von einem „Vergeltungsschlag“, gegen ihn, wohlgemerkt. Er wisse außerdem, dass bei bestimmten Stücklesbesitzern Ausnahmen gemacht worden seien, dort nicht geschnitten wurde, obwohl auch dort Bäume Misteln haben. Das gehe nicht an: „Wenn, dann bei allen.“ Der Mistelbefall seiner Bäume habe aber niemals so einen „Kahlschlag“ gerechtfertigt: „Da wurde der Bogen überspannt.“ Die Rechtslage sei eindeutig: „Die hätten nicht ohne Einverständnis meine Grundstücke betreten dürfen.“

Zur angebotenen Entschädigung: „Wir sind doch nicht auf dem Basar“

Falls es „weitere Aktivitäten“ geben sollte, behalte er sich vor, doch noch Strafanzeige zu erstatten. Er habe mittlerweile ein Betretungsverbot ausgesprochen. Zur ihm angebotenen, von ihm als nicht ausreichend zurückgewiesenen Entschädigung sagt Grözinger: „Wir sind doch nicht auf dem Basar. Es geht um den Ausfall bei mir und meine Kosten, beides habe ich nachgewiesen.“ Sein öffentlicher Protest nun solle „wachrütteln“, dazu führen, dass die andere Seite zu ihrer Verantwortung stehe.

Von wegen im idyllischen Streich ist die Welt noch in Ordnung. Im Höhenflecken hängt der Haussegen schief. Es gibt Zoff wegen der dortigen Mistelaktion. Ein Grundstücksbesitzer erhebt schwere Vorwürfe. Der Initiator und Organisator der Aktion ist nicht minder genervt davon.

Der Kritiker ist Dieter Grözinger. Es ist angesichts der Heftigkeit seiner Attacke bemerkenswert, dass er erst gar keinen Wert auf Anonymität legt. Der Streit sei eh schon lange im Flecken, die Beteiligten seien

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