Berglen

Angetrunken durch Berglen gerollert - Amtsrichter verurteilt 20-Jährigen

Motorroller
Hupend sind die beiden Rollerfahrer einer Autofahrerin hinterher - als zwei Polizisten sie kontrollieren wollen, fliehen sie. © Pixabay

Das Verbot, einen Monat lang ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen, dazu eine Geldbuße in Höhe von 750 Euro, sinnigerweise zu zahlen an die Kreisverkehrswacht, sowie die Übernahme der Verfahrenskosten, so lautete das Urteil, das Armin Blattner einem jungen Mann auferlegte, der wegen Urkundenfälschung und des vorsätzlichen Führens eines Fahrzeugs ohne die dafür notwendige Pflichtversicherung vor ihm stand - nicht zum ersten Mal, wie der Richter konstatierte.

Polizisten, privat unterwegs, fällt die nächtliche Spritztour auf

In zweifacher Hinsicht ausgesprochenes Pech habe der junge Mann gehabt, meinte Blattner, dass die nächtliche Spritztour, die der Angeklagte und ein Kumpel am 16. August mit ihren Rollern unternommen hatten, zum Gegenstand dieser mündlichen Verhandlung im Waiblinger Amtsgericht wurde: Zum einen, weil sie nicht damit hätten rechnen können, dass nach Mitternacht auf den leeren Straßen in den Berglen noch zwei Polizeibeamte privat unterwegs waren, die sich aufgrund des Geschehens dann selbst in den Dienst versetzten und zur Tat schritten, und zum anderen dadurch, dass es dem Sünder dann noch nicht einmal gelungen sei, bei der nächtlichen Verfolgungsjagd in vertrautem heimischen Terrain das Polizistenpaar abzuschütteln und abzutauchen.

Ein Roller ohne Kennzeichen, einer mit falschem Nummernschild

Als allzu fadenscheinig erwies sich dann auch noch der Versuch des Angeklagten, sich dem Richter gegenüber damit herauszureden, dass er zusammen mit seinem Kumpel in der Werkstatt an ihren Rollern herumgeschraubt und diese lediglich hinaus auf die Straße geschoben hätten, als auch schon das Auto mit den beiden Polizisten neben ihnen gehalten hätte. Auf die Frage des Richters, wozu, wenn nicht zum Fahren, er dann ein Kennzeichen von einem anderen Kraftrad abgeschraubt und an sein eigenes montiert habe, um so vorzutäuschen, dass es ordnungsgemäß angemeldet und versichert sei, räumte der Ertappte kleinlaut ein, dies sei wohl eine „blöde Aktion ein paar Tage zuvor“ gewesen.

Sie und ihr Kollege seien in dieser Nacht in einem Privatfahrzeug in den Berglen unterwegs gewesen, berichtete die Beamtin über das Geschehen im Zeugenstand. Plötzlich hätten sie vor sich einen weißen Corsa gesehen, der von zwei dicht auffahrenden und hupenden Rollern verfolgt wurde.

Junger Opelfahrerin hupend dicht aufgefahren

Einer der Roller habe kein Kennzeichen gehabt. Als der Pkw nach einiger Zeit schließlich auf freier Strecke anhielt, seien die Roller ebenfalls stehen geblieben. Sie und ihr Kollege hätten sich daraufhin in den Dienst versetzt, die Beamten des Winnender Polizeireviers alarmiert und selbst angehalten. Daraufhin hätten die beiden Rollerfahrer sofort die Flucht ergriffen und versucht, in der Nacht unterzutauchen.

Sie hätten zunächst die entnervt und aufgelöst wirkende junge Frau, die am Steuer des Pkw saß, gebeten, sich auf dem Winnender Revier zu melden, und sich anschließend auf die Suche nach den Rollerfahrern gemacht. Und wirklich hätten sie diese dann aufgestöbert, als sie aus einem Wohngebiet heraus auf einen unbeleuchteten Feldweg abbiegen wollten. Es sei ihnen gelungen, den Roller mit Kennzeichen zu stoppen. Dessen Fahrer hätten sie dann bis zum Eintreffen der Kollegen des Winnender Reviers festgehalten und diesen übergeben. Sie und ihr Kollege hätten den Rollerfahrer eindeutig wiedererkannt, versicherte die Zeugin auf Nachfrage. Dass der Roller tatsächlich gefahren und nicht nur geschoben worden war, konnte man zweifelsfrei daran erkennen, dass der Auspuff warm war.

Die Winnender Kollegen nahmen den jungen Mann dann zur Identifizierung mit aufs Revier, ein Alkoholtest ergab eine Atemluftkonzentration von 0,41 mg pro Liter - dies entspricht 0,8 Promille. Auf dem Revier stellte man dann auch fest, dass Fahrzeug und das daran montierte Kennzeichen nicht zusammengehörten.

Dass der Angeklagte bei alldem mit einem blauen Auge davongekommen sei und mit diesem Urteil nicht schlecht fahre, gab ihm der Richter zum Abschied mit auf den Weg. So waren sich Jugendgerichtshilfe, Staatsanwaltschaft und Gericht darin einig, für die Beurteilung der Taten Jugendstrafrecht anzuwenden, und hätte sich die bedrängte Fahrerin des Corsas tatsächlich noch auf dem Winnender Revier gemeldet und Anzeige erstattet, dann wäre wohl auch noch eine Anzeige wegen Nötigung dazugekommen. Und sowieso, merkte Blattner an, „wenn man was gekippt hat, dann hält man sich grundsätzlich von Lenkrädern und -stangen ganz weit fern“. Der Angeklagte solle sich das Urteil als Warnung nehmen, er werde bald 21, und wenn er dann bei derartigen Unternehmen erwischt werde, koste es ihn „richtig Geld“.

Das Verbot, einen Monat lang ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen, dazu eine Geldbuße in Höhe von 750 Euro, sinnigerweise zu zahlen an die Kreisverkehrswacht, sowie die Übernahme der Verfahrenskosten, so lautete das Urteil, das Armin Blattner einem jungen Mann auferlegte, der wegen Urkundenfälschung und des vorsätzlichen Führens eines Fahrzeugs ohne die dafür notwendige Pflichtversicherung vor ihm stand - nicht zum ersten Mal, wie der Richter konstatierte.

Polizisten, privat

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