Berglen

Bürgermeisterwahl in Berglen: Katja Weidlich voll im Wahlkampfmodus

Katja Weidlich
Ganz in der Nähe liegt der Pferdehof. Katja Weidlich war früher mal Reiterin mit Leistungssportniveau. © Joachim Mogck

„Es ist superruhig hier“, so Katja Weidlich auf die Frage, warum sie für den Spaziergang mit ihr als Startpunkt die Milchschäferei am Rande von Birkenweißbuch vorgeschlagen hat, „Spielplatz, Gestüt, Landwirtschaft, alles so schön beieinander.“ In der Milchschäferei, die mittlerweile den Betrieb aufgegeben hat, habe die Familie öfters eingekauft. Der älteste Sohn habe hier das Reiten gelernt. Was nicht von ungefähr kommt, denn die Mama hat selbst einst die Reiterei sogar als Leistungssport betrieben, vor allem Springreiten, aber auch Dressur und Westernreiten. Mit der Familie gab es später Wanderreiten, also Urlaub mit Pferd und Kutsche, nachdem auch der Gatte reiten gelernt hatte.

Als Sport ging es dann aber nicht mehr. „Dafür bin ich beruflich viel zu viel unterwegs, ich bin ja oft die ganze Woche nicht daheim.“ Und wenn sie daheim ist, geht die Familie vor. Für den Ausgleich sorge die ohnehin, „dafür brauche ich nicht extra Sport machen, aber ich bin eh sehr ausgeglichen, in mir ruhend“.

Wenn man wolle, könne man spazieren gehen, das als Ausgleich ansehen, auch mit den Jungs, die da sehr wohl gerne mitmachten: „Die müssen ja raus, ich sag’ immer dazu: Kinder lüften.“ Die Buben seien ja ohnehin „total mobil“: mit den Bikes, den Longboards und und und. Das Schöne an Berglen sei, dass das eben überall gefahrlos möglich sei und dass man es für viele Freizeitaktivitäten überhaupt nicht verlassen müsse. Es gebe ja eigentlich alles hier, das sei ein unglaublicher Luxus.

Die Familie wohnt in Steinach, ein Sohn besucht das Kinderhaus dort, zwei andere die Grundschule dort, der vierte, noch Baby, wird beides wohl noch. Die „Kindergarten-Schule-Situation“ sei ihr also wohlbekannt, betont Katja Weidlich auf dem Weg zum Zaiss-Hof, „und das wird ja in den nächsten mindestens acht Jahren auch noch so bleiben“, ergänzt sie mit Blick auf die Altersstaffelung ihrer Jungen.

Voll im Wahlkampfmodus, es geht Schlag auf Schlag bei ihr

Immer mehr tut sich das Landschaftspanorama auf, Augen hat sie dafür allerdings nicht, war vielleicht schon „zu“ oft hier, sie läuft dafür im Wahlkampfmodus heiß. Es geht Schlag auf Schlag bei ihr. Also, das Gebäude der Schule in Steinach, das könne endlich mal einen neuen Anstrich vertragen. Das sei ein typisches Beispiel, wie über dem Bauen von Neuem die Pflege des Bestehenden vernachlässigt worden sei. Was hält sie denn von dem „neuen“ Pausenhof dort? Da sei viel zu klein gedacht worden. Es brauche eine Alternative, die mehr Platz für die Kinder schaffe, und zwar sowohl für die Schüler als auch für die Kleinen im gegenüberliegenden Kinderhaus. Dessen Außenfläche sei viel zu klein für diese Anzahl von Kindern: „Die müssen dort ja sogar Zeitfenster planen, wann welche Gruppe draußen sein darf.“

Sie hat schon einen Plan, der auch das Problem der querenden Straße lösen könnte, meint Katja Weidlich. Sie stellt sich eine andere Verkehrssituation mit der Zu- und der Abfahrt über benachbarte Einbahnstraßen für das Quartier vor, bei dem der Bus auch nicht mehr von der Durchgangsstraße in die enge Straße zwischen Schule und Kinderhaus abbiegen, dort eine Schleife drehen müsste. Das würde den „Durchfluss verringern“ und klar, es bräuchte einen neuen Standort für die Haltestelle, eben vorne. „Wir brauchen pragmatische Lösungen.“ Für die sei sie genau die Richtige: „Ich bin eine Problemlöserin.“

Am Hochbehälter ist sie begeistert über die Komfortliege davor

Der neue Hochbehälter Galgenberg kommt in den Blick, den ihr Mann als Wasserwart nur zu gut kennt. Wieder hat sie keinen Blick für die grandiose Aussicht, sie lenkt den ihren und den ihres Begleiters lieber und begeistert auf die neue, knallblaue Mehrpersonenkomfortliege, die der Bauhof dort aufgestellt hat: „Was für eine schöne, innovative Idee! Hier sind so viele Fußgänger tagsüber unterwegs. Das meine ich mit geringer Aufwand, viel Effekt.“

Klar, dass ihr Mann bereits für die Gemeinde arbeite, schade nicht gerade. So kenne sie den einen oder anderen Kollegen und auch Gemeinderat schon. Dies, mit ihr im Amt, wäre „eine Kombination, die könnte richtig was rocken. Gemeinsam nach Lösungen zu suchen, das ist meine Herangehensweise.“ Bei diesem „Sendungsbewusstsein“ geht das Berlinerische mit ihr durch, das sie sich aus ihrer Jugendzeit offenbar bewahrt hat. Ach so, und damit sie’s nicht vergisst, also bei der „Wertschätzung“ für jeden einzelnen Mitarbeiter der Verwaltung bis zur Putzfrau, da sehe sie auch noch „Luft nach oben“.

Auf die große Resonanz hin hat sie doch noch plakatiert

Nachdem die Resonanz auf die Bekanntgabe ihrer Kandidatur groß gewesen sei, sie viel Ermunterung, Zuspruch bekommen habe – „das hätte ich nie erwartet" –, hat sie sich doch dazu entschlossen, Flyer zu verteilen und zu plakatieren, berichtet Katja Weidlich. Erinnerung in ihrem Überschwang: Vor sechs Jahren, als sie herzogen, da hätten sie gar nicht gewusst, auf welches Festle sie zuerst gehen soll. „Ständig war irgendwo etwas los. Das ist großartig, das macht doch die Kultur von Berglen aus.“ Sie weiß, dass es hier einst lauter eigenständige Gemeinden gab, hat noch von den Animositäten der unmittelbaren Nachbarn, wie zum Beispiel zwischen den Steinachern und den Hößlinswartern, gehört. „Mein Glück als Bewerberin ist doch, dass ich ja nicht von hier bin, von auswärts komme, all diese Vorbehalte nie gespürt, nie erlebt habe.“

Apropos Teilorte, also ein Anliegen von ihr ist, dass auch Berglen einen Wochenmarkt hat. Sie könne sich einen rollierenden vorstellen, so dass alle mal drankämen. Fällt ein Stichwort, hakt sie sofort ein, geht eine bereits gefüllte Schublade bei ihr auf. Sie selbst meint zu ihrer Quirligkeit: „Ja, so bin ich halt, ich geb’ immer Vollgas, das ist aber kein Stress für mich, das bin ich, so bin ich nun mal.“ Und was mögliche Vorbehalte gegenüber ihr in Richtung „fehlende Erfahrung in der Verwaltung“ angehe: Da gebe es so viele Parallelen zu ihrem Job, so anders seien die Anforderungen da auch nicht, wenn sie es als Pflegedienstleiterin mit Angehörigen, mit Mitarbeitern, mit Vorgesetzten und und und zu tun habe: „Auch da müssen Sie immer die Grätsche machen, das alles händeln können. Das ist mein Alltag.“ Sie lacht: Dafür die beste Voraussetzung sei, kleine Kinder zu haben. Sie ist derzeit in Elternzeit, dafür seit drei Wochen, wie sie sagt, „on tour“, habe eigentlich gedacht, dass ihr das schwerer falle, als es tatsächlich sei. Es sei aber auch allgemein eine spannende Zeit: „Was wird nach Corona sein, alles wie vorher, oder bleibt von dem, was sich in der Pandemie entwickelt? Da gibt es ja nicht nur Negatives.“

Vorschlag: Einmal im Jahr eine Ausbildungsmesse in Berglen

Mittlerweile habe sie auch mit ortsansässigen Betrieben gesprochen – und so erfahren, dass es in Berglen unglaublich viele Auszubildende gebe. „Bloß, das wissen die meisten überhaupt nicht. Warum also nicht jährlich hier eine Ausbildungsmesse veranstalten?“ Sie wisse, dass die jungen Leute eigentlich in Berglen bleiben wollen. Das sehe man daran, dass viele nach dem Studium oder der Ausbildung wieder dorthin zurückkehrten, so Katja Weidlich – ehe aus ihr die nächste Idee heraussprudelt. Zeit für den Rückweg.

„Es ist superruhig hier“, so Katja Weidlich auf die Frage, warum sie für den Spaziergang mit ihr als Startpunkt die Milchschäferei am Rande von Birkenweißbuch vorgeschlagen hat, „Spielplatz, Gestüt, Landwirtschaft, alles so schön beieinander.“ In der Milchschäferei, die mittlerweile den Betrieb aufgegeben hat, habe die Familie öfters eingekauft. Der älteste Sohn habe hier das Reiten gelernt. Was nicht von ungefähr kommt, denn die Mama hat selbst einst die Reiterei sogar als Leistungssport

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