Berglen

Bürgermeisterwahl in Berglen: Ulrich Werner muss nicht "everybody’s Darling" sein

Ulrich Werner
Ulrich Werner am Ortsende von Ödernhardt, dem von ihm vorgeschlagenen Startpunkt. © Gabriel Habermann

Treffpunkt und Start am Ende der Ulrichstraße, wenn man so will, der Hauptstraße in Ödernhardt, die aber eben keine Durchgangsstraße ist, was die Ödernhardter sicher nicht bedauern: So lautet der Vorschlag von Ulrich Werner für den Spaziergang mit ihm. Warum? Das Backhäuschen und der Blick von der Hangkante rüber nach Oppelsbohm, den dortigen Ortskern mit der Mauritiuskirche, und weit darüber hinaus, begeistern Werner. Als es losgeht, erinnert er sich an Spaziergänge einst in Berglen, vor allem von Oppelsbohm „über die Felder“ nach Rettersburg.

Wie läuft sein Wahlkampf? Also, inzwischen habe er selbst entworfene Plakate aufgehängt, Flyer verteilt, mit Gemeinderäten gesprochen, auch mit dem einen oder anderen Bürger, das Feedback sei ermunternd. Ein bisschen Sorge bereitet ihm der wohl hohe Anteil an Briefwählern, er hofft, dass sich nicht zu viele lange vorher festgelegt haben. Werner tritt nicht auf als einer, der nach seinem Amtsantritt alles umkrempeln würde, wollte, hält das offensichtlich nicht für erforderlich. Die Gemeinde sei ja intakt, verfüge über eine gute Infrastruktur, vieles sei schon da. Bei allem Neuen werde immer nach der „ökologischen Verträglichkeit“ zu fragen sein.

Darüber nur zu reden, das anzukündigen, sei leicht, „Worte sind wohlfeil“, entscheidend sei doch aber, ob man Klimapolitik ganz konkret, vor Ort, in Berglen umsetze. Dazu brauche es Diskurs und Konsens. Seiner Einschätzung nach arbeite der Gemeinderat sehr gut, seien die Richtigen dort vertreten, würden die richtigen Entscheidungen dort getroffen. Was hält er dann von Bürgerbeteiligung, direkter Demokratie? Ja, durchaus, „aber nur bei gravierenden Fragen.“ Zum Beispiel? „Also etwa, wenn es um Standorte für Windkrafträder ginge.“ Was ganz anderes, selbstverständlich sei, jederzeit, unabhängig von offiziellen Sprechstunden, „ein offenes Ohr“ zu haben als Bürgermeister.

Interessenkonflikte: Entscheidend sei, wie man „Nein“ sagt

Auch das sagt sich doch einfach, in der Realität aber treffen Interessen hart aufeinander, davon kann ihm jeder Bürgermeister, auch die Berglener Vorgänger Schnabel, Schille und Friedrich, mehr als ein Lied singen, was dann? Werner lacht, ja, das stimme, aber gute Ergebnisse erzeuge man eben auch durch Reibung. „Entscheidend, ist dann, wie man ,Nein“ sagt. Sicher, man kann nicht everybody’s Darling sein.“ Kommunalpolitik ist kein Wunschkonzert. Dass das Geld auch bei einer Kommune nie wirklich ausreiche, wisse er durchaus, da sei halt „Priorisieren“ nötig, zu wissen und zu entscheiden, was muss sein, was kann zurückstehen. Beispiel: der geplante Spielplatz im Neubaugebiet Hanfäcker in Rettersburg. Natürlich sei das dort nicht schön, natürlich tue das weh: „Aber es ist nun mal so, man kann nicht das große Füllhorn ausschütten, wenn die Einnahmen begrenzt sind.“

Einmal auf den Grimming, das war ein Traum, und den hat er sich erfüllt

Mittendrin nimmt Werner, mittlerweile im schattigen Waldstück Richtung Birkenweißbuch angelangt, das heftige Vogelzwitschern dort wahr. „Ist das nicht herrlich?“ Ja, die Natur, die Berge und die Seen, am besten beides zusammen, auch da aber gelte es, manchen Kompromiss zu schließen, mit seiner Partnerin, die es eher ans Meer ziehe. Wandern, das sei sein Ding, nicht den ganzen Tag in der Sonne liegen.

Er erzählt, dass er vor etwa zwei Jahren auf dem Grimming war, ein freistehendes Gebirgsmassiv in der Steiermark, 1500 Höhenmeter rauf, 1500 Höhenmeter runter, an einem Tag, „nicht für jedermann etwas, die Einheimischen sagen ,sehr selektiv’ dazu“, in Begleitung eines Einheimischen als Bergführer, mit dem er schon seit vielen Jahren befreundet ist. Am Abend, zurück, sei er wirklich am Limit gewesen. „Das war sehr herausfordernd, ich war stolz wie Bolle, dass ich das doch noch geschafft habe. Einmal da hoch, das war einer meiner Träume fürs Leben. Wenn man da unten davorsteht, da bekommt man schon Ehrfurcht.“ Aber gut, eigentlich sei er ja eher der Typ Bergwanderer, kein Bergkletterer: „Was mich deshalb auch mal reizen würde, wäre so eine Alpenüberquerung, von Füssen aus bis möglichst Meran.“

Zurück nach Berglen, ja auch nicht gerade Flachland, Tiefebene. Wo sieht er noch Defizite? Nach dem, was er gehört habe, gebe es durchaus noch weiße Flecken ohne stabile, leistungsfähige Internetverbindung. Bei Gewerbeansiedlungen sei das ein klarer Standortnachteil, wenn zum Beispiel ein Betrieb seine Pläne, technischen Zeichnungen deshalb nicht verschicken könnte. Aber er sagt doch ohnehin, dass er Berglen nicht als Gewerbe- oder gar Industriestandort ansehe? Ja, es solle aus seiner Sicht nicht groß in diese Richtung erweitert werden, dazu stehe er, erwidert Werner.

Auch in der Heilbronner Zeit Verbindung ins Remstal gehalten

Auf dem Rückweg kommt erneut der Panoramablick auf Oppelsbohm ins Sichtfenster: „Da geht einem das Herz auf. Niemals käme man doch hier auf die Idee, dass Stuttgart gar nicht weit weg ist“, ruft Werner geradezu aus. Er habe auch in seiner Heilbronner Zeit, als er dort arbeitete, nie die Verbindungen nach Fellbach, ins Remstal abreißen lassen. Berglen sei ihm aus dieser Zeit immer mit seinen Streuobstwiesen vor Augen gestanden. Werner berichtet, dass er mit Schulfreunden aus der elften Klasse nach wie vor jedes Jahr am Vatertag im Rems-Murr-Kreis auf Tour geht. Mit seinen vielen ausgeschilderten Wanderrouten könnte Berglen ihnen da wohl bis zur Rente dienen. Und die einheimischen Lokale hätten sicher auch nichts dagegen.

Treffpunkt und Start am Ende der Ulrichstraße, wenn man so will, der Hauptstraße in Ödernhardt, die aber eben keine Durchgangsstraße ist, was die Ödernhardter sicher nicht bedauern: So lautet der Vorschlag von Ulrich Werner für den Spaziergang mit ihm. Warum? Das Backhäuschen und der Blick von der Hangkante rüber nach Oppelsbohm, den dortigen Ortskern mit der Mauritiuskirche, und weit darüber hinaus, begeistern Werner. Als es losgeht, erinnert er sich an Spaziergänge einst in Berglen, vor

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