Berglen

Bürgermeisterwahl in Berglen: Wie geht Wahlkampf in der Pandemie?

BM Wahl Berglen
Vier Kandidaten um das Bürgermeisteramt in Berglen setzen unter anderem auf Wahlplakate. © Haberman/Medienwerkstatt

Am 4. Juli wählen die Berglener einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin. Bisher haben die Kandidaten für die Nachfolge von Maximilian Friedrich einen anderen, ungewöhnlicheren Wahlkampf hinter sich. Grund dafür ist natürlich die Pandemie. War es bei Wahlen sonst immer irgendwie möglich, in lockerer Atmosphäre mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel auf Festen, müssen sich die Kandidaten in diesem Jahr andere Angebote einfallen lassen. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Herangehensweisen.

Niederberger: Tacheles am Gartenzaun

Was Öffentlichkeitsarbeit betrifft, ist Holger Niederberger ein Profi. Schließlich arbeitet er in Weinstadt als Pressesprecher, war zuvor bei der Zeitung und im Fernsehgeschäft aktiv. „Dass ich jetzt vor der Kamera stehe und nicht mehr dahinter, das ist aber tatsächlich eine neue Situation für mich“, berichtet er am Telefon. „Plötzlich hängen hier Plakate mit meinem Gesicht drauf. Das hatte ich bisher so noch nicht“, weiß der 44-Jährige. In der vergangenen Woche hat er seine Wahlplakate in den Berglen verteilt, etwas mehr als 40 Stück. „Dabei bin ich immer wieder angesprochen worden“, erzählt Niederberger. Wahlkampf beim Kampf mit den Plakaten sozusagen.

Auch im Internet ist er präsent. Was die sozialen Medien angeht, ist er vor allem auf Facebook aktiv. „Instagram ist ein Gebiet, auf dem ich selbst noch dazulernen muss“, sagt er lachend. Als einziger Kandidat hat er eine eigene Homepage. „Das ist meiner Meinung nach in der Zeit, in der wir leben, elementar. Das hätte ich im Übrigen auch ohne Pandemie gemacht“, weiß er. Selbst spricht er von einer „digitalen Visitenkarte“. Man könne sich dort einen Überblick verschaffen, finde eine Kontaktadresse oder könne gleich einen Termin mit ihm vereinbaren. „Das wird auch ganz gut angenommen“, berichtet er. Im Gegensatz zu den Videoanrufen, mit denen Niederberger anfangs geplant hatte. „Da gab es überhaupt keine Resonanz drauf“, erzählt er. Woran das liege, sei schwer zu sagen. „Wahrscheinlich wollen die Leute lieber persönlich ins Gespräch kommen, auch wenn das nur mit Abstand und einer kleinen Personenanzahl möglich ist.“ Beschweren will Niederberger sich nicht. „Im vergangenen Jahr wäre es schwieriger gewesen, jetzt ist ja wieder einiges gelockert.“ Möglicherweise komme es ihm sogar entgegen, denn man könne wirklich mit allen ins Gespräch kommen. „Wenn man vor 100 Leuten spricht, dann sind es immer nur ein paar wenige, mit denen man sich direkt unterhält“, so der 44-Jährige.

Wenn am 4. Juli die ersten Stimmzettel in der Wahlurne landen, dann will Niederberger in allen Teilorten gewesen sein. Hin und wieder sei auch mal „Tacheles am Gartenzaun“ gesprochen worden. Gut funktionieren würden Telefonsprechstunden, die er durchführt. Manche Telefonate seien schnell vorbei. „Eine Person wollte bloß wissen, ob ich gläubig bin. Manchen geht es vielleicht auch nur mal darum, die Stimme zu hören oder mich kennenzulernen“, vermutet Niederberger.

Weidlich: „Ohne Schnickschnack“

Katja Weidlich setzt voll auf Einzelkontakt. „Mit Terminvereinbarung und auf Distanz“, erzählt auch sie am Telefon. Auf ihren Wahlplakaten, die überall in den Berglen hängen, steht ihre Telefonnummer. Empfindet sie es unter den Umständen der Pandemie als schwierig, mit den Berglenern ins Gespräch zu kommen? „Überhaupt nicht“, antwortet sie. Schließlich wohne sie bereits seit sechs Jahren in der Gemeinde. „Durch die Kinder habe ich Kontakt zu anderen Eltern, zu Sportvereinen. Aber auch mit Unternehmern habe ich mich unterhalten“, berichtet sie. Aufgefallen sei ihr, dass die Leute bei klassischen Werbeveranstaltungen mit einem Stand skeptisch seien. „Da sind die Menschen noch vorsichtig. Auf der anderen Seite kommen die Einzeltermine jedoch sehr gut an. Ich spüre einen Zwiespalt. Die Leute haben auf der einen Seite eine Sehnsucht nach Gesprächen, auf der anderen Seite aber auch noch Angst vor dem Virus“, erzählt Weidlich.

Wichtig sei es ihr, sich nicht zu verbiegen, sondern so rüberzukommen, wie sie wirklich tickt. „Es ist mein erster Wahlkampf. Und ich bin mir bewusst, dass zum Beispiel Videos, die ich auf Facebook stelle, nicht perfekt sind.“ Sie habe da keinen Profi, der das für sie erledige, führe Wahlkampf „ohne Schnickschnack“. „Entweder meine Art spricht die Berglener an, oder nicht. Ich bin niemand böse, dem das nicht zusagt“, versichert Katja Weidlich. Auf Facebook ist sie aktiv, postet regelmäßig Videos und Fotos. Und sonst? „Ich versuche, einen Mittelweg zu finden, möchte den Leuten nicht auf die Nerven gehen, aber dennoch Gesprächsbereitschaft zeigen“, so Katja Weidlich. Termine mit Bürgern dauern meist mehr als zwei Stunden. „Das ist wirklich abgefahren“, findet sie.

Werner: Flugblätter und Gespräche

„Natürlich ist der Wahlkampf unter Pandemiebedingungen ein anderer“, sagt Kandidat Ulrich Werner und richtet seinen Blick zum Beispiel auf Feste, die momentan nicht stattfinden. „Da wäre jetzt einiges angestanden, wo man in lockerer Atmosphäre mit den Menschen ins Gespräch kommen kann. Das fehlt natürlich“, bedauert er. Deshalb sei man jetzt eben auf andere Medien angewiesen. Das Internet? „Meinen Schwerpunkt habe ich auf einen Wahlkampf vor Ort gelegt“, antwortet Werner. So habe er Flugblätter verteilt oder Gespräche über den Gartenzaun mit Bürgerinnen und Bürgern geführt. Auch mit Gremien habe er sich unterhalten, stehe mit Vereinen im Kontakt. „Plakatiert habe ich natürlich auch, Anzeigen im Amtsblatt der Gemeinde geschaltet. Social Media sollte man natürlich nicht außer Acht lassen, aber es gibt auch andere Wege.“ Man dürfe nicht vergessen, dass in Berglen auch ältere Menschen leben, die womöglich gar keinen Zugriff auf die sozialen Medien haben.

Reymann: Unterhaltungen im Freien

Termine für interessierte Bürger hat Joachim Reymann, Kandidat von der Partei „die Basis“, bisher noch nicht angeboten. „Ich plane das aber vor dem zweiten Wahlgang“, versichert er am Telefon. Jenen zweiten Gang zur Wahlurne gibt es jedoch nur, wenn keiner der Kandidaten im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreicht. Bisher sei bei ihm im Wahlkampf alles gut gelaufen, er sei schon mit einigen Berglenern ins Gespräch gekommen. „Das fand dann aufgrund der Pandemie alles draußen statt.“

Zeitlich sei für ihn das Ganze nicht ganz so einfach, schließlich müsse er nebenher auch noch seinen Beruf als Ökonomiecoach ausüben. Und wie sieht es bei ihm mit einem Internetauftritt aus? „Facebook und Instagram sind nicht meine Domänen. Da bin ich auch privat nicht“, antwortet Reymann. Auf der Homepage seiner Partei finde sich allerdings eine eigene Unterseite, mit allen Infos zu seiner Person.

Am 4. Juli wählen die Berglener einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin. Bisher haben die Kandidaten für die Nachfolge von Maximilian Friedrich einen anderen, ungewöhnlicheren Wahlkampf hinter sich. Grund dafür ist natürlich die Pandemie. War es bei Wahlen sonst immer irgendwie möglich, in lockerer Atmosphäre mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel auf Festen, müssen sich die Kandidaten in diesem Jahr andere Angebote einfallen lassen. Dabei haben sie

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