Berglen

Bürgermobil in Berglen soll bald starten: Wer kann es nutzen, wer fährt?

BürBürgermobil
Ein Bürgermobil gibt es unter anderem bereits in Rudersberg. © Gabriel Habermann

Mit dem „Bürgermobil“ soll es nun, endlich, klappen. Das Vorhaben war ein Thema im Bürgermeister-Wahlkampf im vergangenen Jahr, angeschoben hatte es aber zuvor schon vor allem die SPD. Der Wille der Verwaltung, es umzusetzen, sei sehr wohl schon seit längerem vorhanden, auch das Geld dafür, und mittlerweile sei dafür ein Konzept entwickelt, versichert Bürgermeister Holger Niederberger. Wie bei vielem habe auch hier bisher die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die jüngste Entwicklung um die Kreissparkassenfiliale in Oppelsbohm, künftig nur noch eine SB-Station, habe erneut vor Augen geführt, dass es einen Bedarf dafür gebe, über Berglen hinaus mobil zu sein und dabei, formuliert es Niederberger salopp, „besser die alte C-Klasse in der Garage stehen zu lassen“. Die Frage sei eben „wie machen wir es?“ Es gebe ja Vorbilder andernorts, Stichwort „Seniorentaxi“, aber aus den Erfahrungen dort müsse man eben lernen. Für die Nutzung des Berglener Bürgermobils soll es kein Mindestalter geben, keine Altersbeschränkung.

Das Zweite: Es wird kein „Bus“. Heißt, es gibt keine bestimmten, festgelegten Haltestellen wie beim Linienbus des ÖPNV. Es wird aber auch natürlich kein „Taxi“. Weite Fahrten wie zum Stuttgarter Flughafen oder nach Schwäbisch Gmünd schließt Niederberger aus. Der Einsatzradius könnte aus seiner Sicht bis nach Winnenden beziehungsweise Schorndorf reichen, eventuell auch noch bis Backnang oder Waiblingen. Aber das sei noch genauer zu definieren. Der Schwerpunkt der Fahrten, die „Zieldestinationen“, solle auf jeden Fall aber innerhalb Berglens liegen. Weder dem Linienbus noch gewerblichen Taxis solle das Angebot Konkurrenz machen.

Einsatzbereich nicht bis nach Stuttgart oder Gmünd

Das Bürgermobil wird nicht nur dort fahren, wo die Buslinien verlaufen und natürlich auch außerhalb von der Linientaktung. Taxifahrten damit nach Cannstatt zum Beispiel oder gar bis nach Stuttgart rein, schließt Niederberger aus; „Das soll ja hier, vor Ort, bald wieder verfügbar sein.“ Er geht davon aus, dass das Ziel meist Oppelsbohm sein wird und daher das Angebot vor allem Bürgern in den weiter entfernten Teilorten entgegenkommt. Das Prinzip soll sein „daheim abholen und wieder dorthin zurückbringen“.

Zur Größe, Kapazität des Fahrzeugs, geht Niederberger davon aus, dass es mehr als drei Passagiere aufnehmen können sollte, sinnvoll wäre aus seiner Sicht etwas in der VW-Bus- oder Vito-Klasse, also ein Neunsitzer. Und wenn machbar mit E-Antrieb (oder Hybrid). Die Verwaltung prüfe derzeit entsprechende Angebote beziehungsweise hole welche ein. Das Fahrzeug solle zudem „so barrierefrei wie möglich sein“. Wobei Niederberger aber gleich den Transport von E-Rollstühlen ausschließt. Ein Rollator oder ein handbetriebener Rollstuhl dagegen sollte mitgenommen werden können. Das Bürgermobil solle allerdings auch kein Krankentransport sein. „Wie gesagt: Es soll für alle Altersstufen da sein, wie der Name ,Bürgermobil' schon besagt.“

Fahrten zum Einkaufen vor Ort, zum Arzt, zum Physio, in die beiden Kliniken

Fahrten zum Friseur, zum Einkaufen vor Ort, zur Apotheke, zum Arzt, zum Physio, zur Bank, zum Café vor Ort, zu den beiden Kliniken in Winnenden und Schorndorf, so stellt sich Niederberger die „Einsätze“ in etwa vor. Er kommt noch mal auf den etwas „dahinterliegenden“ Sinn des Angebots zurück, der ihm auch wichtig ist: Dass nämlich private Fahrzeuge dann öfters daheim stehenbleiben können, Leute gemeinsam fahren und damit auch keinen Stellplatz während ihrer Besorgung brauchen. „Das könnte also die Parkplatzsituation in Oppelsbohm entspannen.“ Und es würde Ausstoß von CO2 einsparen. Zumal Niederberger davon ausgeht, dass dann sich so manche Familie fragen wird, ob das Zweitauto noch notwendig ist.

Das Fahrzeug wird sich als Werbeträger für örtliche Betriebe eignen

Das Bürgermobil soll fahren, zum Einsatz kommen, jeweils auf Anforderung, Terminvereinbarung per Anruf soll die Regel sein, wobei es generell jeweils eine Vorlaufzeit brauche. Generell heißt: Ausnahmen sind nicht ausgeschlossen. Noch ziemlich offen sieht Niederberger die Frage der Organisation. Das müsse nicht unbedingt die Verwaltung machen, vielleicht gründe sich ja auch ein Verein dafür. Außerdem werde er mit den Krankenpflegevereinen mal reden. Ob die Gemeinde die Anschaffungskosten (Leasen?) tragen wird, auch das müsse erst noch entschieden werden, vom Gemeinderat. Die Betriebskosten, davon geht Niederberger aus, werde sie auf jeden Fall übernehmen. Er geht davon aus, dass wie anderorts, das Gefährt sich als Werbeträger eignen wird, also auch Geld hereinkommt zur Finanzierung der Kosten über örtliche Betriebe.

Noch eine Frage: Wer fährt? Auf den Aufruf, wer Zeit und Interesse hat, möge sich melden, habe die Verwaltung guten Rücklauf bekommen, sechs Personen hätten sich inzwischen gemeldet, so Niederberger. Man brauche aber auch Helfer für die Annahme und Koordinierung der Termine. Am 12. Oktober, 17 Uhr, soll es ein Treffen von allen, die bei dem Projekt mithelfen wollen, im Rathaus geben.

Um den Bedarf macht sich Niederberger keine Sorgen, er verweist auf Erfahrungen andernorts. Wenn erst mal das Angebot da sei, dann komme auch die Nachfrage dafür. Es werde ohnehin erst einen Probelauf geben. Start soll im ersten Quartal kommenden Jahres sein, was angesichts des fortgeschrittenen Jahres 2022 und der noch offenen Fragen ein ziemlich „sportliches“ Ziel ist. Aber vielleicht braucht es das auch, als „Anschub“.

Nichts dagegen einzuwenden, wenn sich ein Verein dafür gründet

Unter den noch offenen Fragen ist auch die nach einer Aufwandsentschädigung für die Fahrer und anderen Helfer. Das hänge eben auch vom Organisationskonstrukt ab, so Niederberger. Daran hänge wiederum die Frage der Abrechnung der Kosten: „Vielleicht kann das eben auch ein Verein machen. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen einzuwenden, wenn sich dafür einer gründet.“ Eine „Eigenbeteiligung“ der Fahrgäste stellt er sich allenfalls über ein „Kässle“ im Fahrzeug vor, „mehr oder weniger symbolische“ ein oder zwei Euro jeweils. Von einer wirklichen Kostendeckung spricht Niederberger da sicher nicht.

Mit dem „Bürgermobil“ soll es nun, endlich, klappen. Das Vorhaben war ein Thema im Bürgermeister-Wahlkampf im vergangenen Jahr, angeschoben hatte es aber zuvor schon vor allem die SPD. Der Wille der Verwaltung, es umzusetzen, sei sehr wohl schon seit längerem vorhanden, auch das Geld dafür, und mittlerweile sei dafür ein Konzept entwickelt, versichert Bürgermeister Holger Niederberger. Wie bei vielem habe auch hier bisher die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung

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