Berglen

Bauplätze für 51 Häuser am Steinacher Ortsrand

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Blick aus der Luft auf Erlenhof und Steinach aus dem Jahr 2015. © Joachim Mogck

Berglen. Die Gemeinde nutzt mit dem Neubaugebiet Pfeiferfeld in Steinach eine Ausnahmeregelung im Baugesetzbuch, um Wohnraum zu schaffen. Bis Jahresende 2019 gilt: Kleinere Baugebiete können im beschleunigten Verfahren auch im Außenbereich eines Orts entwickelt werden. Gemeinderäte und Zuhörer fragten kritisch nach, doch bei nur einer Gegenstimme von Ullrich Kraus startet nun das Verfahren.
„Klimawandel und Insektensterben - ist die Ausweisung dieses Gebiets mit 4,65 Hektar noch zeitgemäß?“, fragte ein Zuhörer zu Beginn der Sitzung. Bürgermeister Maximilian Friedrich machte ihm deutlich, dass die Gemeinde seiner Meinung nach die Pflicht dazu habe. Noch dieses Jahr müsse sie absehbar drei Familien unterbringen, die ihre Wohnung verlieren. „Leute, die länger hier ansässig, berufstätig, aus der Mitte der Gesellschaft sind“, betonte er. Der „akute, extreme Wohnraummangel“ zeige sich außerdem am Gebiet Hohenrain in Hößlinswart. Für die 27 Grundstücke gibt es 110 Vormerkungen, „davon 50 aus Berglen“. Die Erschließung beginnt am 9. Oktober.

Bürger können ab sofort ihre Stellungnahmen einreichen

Den Startschuss fürs Gebiet Pfeiferfeld in Steinach hat der alte Gemeinderat schon im Mai 2018 gegeben. Seitdem kaufte die Gemeinde alle erforderlichen Grundstücke auf und ließ einen städtebaulichen Entwurf machen, den im Mai 2019 ebenfalls noch der alte Gemeinderat guthieß. Am Dienstag nun war der Plan erstmals öffentlich und im neuen Gemeinderat vorgestellt worden. Mit ihm startet die Gemeinde nun das Bebauungsplanverfahren, ab sofort können Bürger ihre Stellungnahme dazu abgeben. Darauf wies Bürgermeister Friedrich auch den kritischen Bürger hin. Erst nach deren Abwägung und dem Satzungsbeschluss, der bis Ende 2021 erfolgen sollte, geht es an die Erschließung des Baugebiets.

SPD wünscht sich kleineres Gebiet und mehr Mehrfamilienhäuser

Gemeinderätin Dr. Susanne Reichart (SPD-OL) lobte, dass Mehrfamilienhäuser zum Gebiet gehören, hakte aber auch nach, ob es nicht noch mehr werden könnten. „Dann hätte man das Gebiet insgesamt vielleicht kleiner halten können.“ Das konnte Bürgermeister Friedrich so nicht bestätigen: „Es gibt viele Rückerwerber unter den vorherigen Grundstücksbesitzern.“ Sie haben ihre Wiese an die Gemeinde verkauft und wollen einen Bauplatz haben, da passt nicht jedem eine Wohnung. Über eine Sozialquote in den Mehrfamilienhäusern könne man aber nachdenken. Am liebsten mit einem Bauträger-Partner, die Gemeinde will nicht Bauherrin sein. „Ja, da haben wir viel Nachholbedarf“, sagte Susanne Reichart.

Bauamtsleiter Reiner Rabenstein sagte, nicht in jedes Berglener Baugebiet passten Mehrfamilienhäuser. „Im Stöckenhof wäre es fehl am Platz gewesen. Wir sind ja immer noch eine dörfliche Gemeinde.“ Gleichwohl sieht Bürgermeister Friedrich den Bedarf an Wohnungen: „Viele wollen sich im Alter verkleinern und machen dann ja auch ihre Häuser für andere frei.“

Gemeinderat Oliver Klenk (FBB) sagte, auch nachdem Gemeinderat Stefan Simpfendörfer (SPD-OL) nochmals die Größe des Gebiets moniert hatte: „Der alte Gemeinderat hat sich durchaus Gedanken gemacht. Ein Gebiet sollte nicht zu groß sein, sich aber auch mit Erwerb und Erschließung für die Bürger rechnen. Die Gebiete im Außenbereich waren ein Kompromiss, um die Wohnungsnot zu lindern. Die Ausnahmeregelung endet nun.“ Er ist sicher, dass in Berglen nun das Tempo verlangsamt wird. „Ich bin auch kein Freund davon, Berglen zuzubauen. Wir alle wollen den ländlichen Raum erhalten.“


Sozialquote für einige der Wohnungen?

Das Gebiet Pfeiferfeld ist 4,65 Hektar groß. Entlang der Luisenstraße, der Kreisstraße zwischen Busbahnhof Erlenhof und Schorndorf, bleibt ein 1,2  Hektar großer Grünstreifen als Biotop, Ausgleichs- und Regenwasseraufnahmefläche komplett grün.

Von der Luisenstraße aus führt eine neue Erschließungsstraße hangaufwärts ins Neubaugebiet, die Tannenstraße wird nicht mit neuem Verkehr belastet.

Die neue Straße bildet einen Ring, Stichstraßen schließen an die Pinien- und die Kiefernstraße an, wobei noch überlegt wird, ob Durchgang/Durchfahrt mit Pfosten versperrt und nur Fußgängern und Fahrradfahrern erlaubt sein werden.

Am Eingang des Baugebiets befinden sich auf einer Seite der Straße, zum Altbestand Tannenstraße hin, Einfamilien- und Doppelhäuser, auf der anderen Seite drei Mehrfamilienhäuser. Diese drei bieten insgesamt Platz für etwa 34 Wohnungen.

„In einem Mehrfamilienhaus könnten wir komplett eine Sozialquote haben, im zweiten ein Drittel der Wohnungen mit Sozialquote und im dritten werden Eigentumswohnungen verkauft.“ Bürgermeister Maximilian Friedrich über das mögliche Modell der Sozialförderung.