Berglen

Berglen: Bald Premiere der neuen Komödie der "Berglesdradsch"-Theatergruppe

Laienspielschar Berglesdradsch
Mona (Birgit Wellnitz) schenkt ihrer einstigen Schulfreundin Britta (Beate Blessing) und deren Gatten Arnie Weissenegger (Frieder Hermann) kräftig ein, auch Lügen. © ALEXANDRA PALMIZI

Corona hat auch, ja gerade, im Kulturbetrieb, unter den Kulturschaffenden, Spuren hinterlassen. Eine gute Nachricht: Der „Berglesdradsch“, die Rettersburger Laienspielgruppe, hat die Pandemie überlebt.

Als die im Frühjahr 2020 ausbrach, hatten die Berglener Hobbytheaterspieler eine Woche vorher die letzte Aufführung der Saison, kamen also gerade noch durch, heil davon. Im Herbst 2021 sollten die Proben wieder anlaufen, mit der Zuversicht, dass es weitergehen könnte, da kam prompt die Absage, und die Saison im Frühjahr 2022 war „gelaufen“. Aber sie überbrückten die Zwangspause, nutzten die Gelegenheit, um die Bühne im Vereinsheim der Eintracht komplett zu erneuern und auch mal auszumisten, sich also handwerklich zu betätigen.

Aufgeben war nie eine Option

Im vergangenen Herbst begannen die Proben fürs neue Stück. Mittlerweile haben sie die Premiere im Blickfeld – und durchaus noch ein bisschen was zu tun. Aber was ist mit dem Ensemble, der Besetzung – Nachfrage während einer Probe, nicht mehr lange vor der ersten Aufführung? Ja, also einige von ihnen pausieren und es gibt ein paar Neuzugänge, die aber bereits Bühnenerfahrung haben. Damit Entwarnung, sie sind weiterhin spielfähig. Dass sie weitermachen, sei eh klar gewesen, einhelliger Tenor. Denn sonst hätten sie ja doch wohl kaum den Aufwand für die neue Bühne samt Vorhang nun, betrieben, sich angetan, oder? Anders gesagt: Aufgeben war nie eine Option. Freilich, der Neustart nach so langer Pause war, na ja, etwas holprig. Sie seien schon etwas „rostig“ geworden, die Routine habe gefehlt. Und natürlich hätten auch sie ja noch weiter Corona-Kranke gehabt, immer wieder Ausfälle verkraften müssen.

Als Herr und Frau Doktor verreist sind, nutzt die Haushaltshilfe die Gelegenheit

Ihre neues Stück, natürlich wieder eine Mundartkomödie, laut Ankündigung „ein heiterer Schwank“ in drei Akten von Bernd Gombold, heißt „Au Backe“. Richtig geraten, es spielt im „Zahnarztmilieu“. Aber eigentlich sollten der Herr Doktor und seine Gattin, die es bitterernst nimmt mit ihrem Titel „Frau Doktor“, gar nicht da sein. Ihre Putzfrau und Haushaltshilfe nutzt die Gelegenheit der golfurlaubbedingten Abwesenheit zum Rollentausch, Täuschungsmanöver gegenüber ihrer einstigen Schulfreundin, die es mittlerweile nach Amerika verschlagen hat und nun mit ihrem Mann, einen Filmproduzenten aus Hollywood, auf Besuch in der Heimat ist.

Birgit Wellnitz spielt die „gute Seele“ des Hauses, die sonst leiden muss unter ihrer arroganten Chefin, es nun aber faustdick hinter den Ohren hat, zum Schmunzeln und Amüsieren – genauso wie Beate Blessing ihre Freundin Britta gibt, vom Gatten ständig Daisy genannt und wie sein Schoßhündchen behandelt. Der aber ist der „Kracher“ in dem Stück: Arnie Weissenegger. Klarer Fall, wer hierzu die Vorlage liefert. Das amischwäbische Kauderwelsch, mit dem Frieder Hermann in dieser Paraderolle glänzt, ist zum Ergötzen. Da wird Oxford mit „Kuhdorf“ übersetzt, Champagner (ob’s wirklich welcher ist?) mit „Puffbrause“ und na klar, Zahnarzt heißt „Zahnschlosser“. Ja, und er benimmt sich auch, wie man sich das von einem Ami“ halt so vorstellt: wie der „echte Arnie“ himself früher als „Terminator“ und Barbar Conan.

Nicht nur einmal muss ihn sein platinblondes und marilynverschnitthaftes Anhängsel auffordern, gefälligst die Füße vom Tisch zu nehmen, „wir sind hier nicht in den Staaten“. Ständig ist mehr Schein als Sein, Potemkinsches Dorf sozusagen in Schwaben. Seine bessere Hälfte will die Chance des Sprungs über den Großen Teich zu einem „großen Kundendienst“ nutzen, aber nicht an dem Cadillac, von dem er sich ständig gestreift fühlt, sondern an sich selbst, „das volle Programm“ wie sie sagt, also Komplettrestaurierung.

„Berglesdradscher“ treten ohne Regisseur an

Bizarr wird’s, als Herr (gespielt von Herbert Schwarz) und Frau Doktor (Corinna Foehl) unerwartet früh zurückkommen, in die mühsam aufgebaute Traumwelt von Mona platzen und er sich doch tatsächlich von dem wasserstofftoupierten, aufgebrezelten Wesen einwickeln lässt, die ganz scharf ist auf diese „Sahneschnitte“ von einem Mannsbild. Ja doch, es wird auch Haut gezeigt. So viel sei vorab verraten: Der „Body“ des Dentisten ist durchaus vorzeigbar. Es könnte also sein, dass bei den Aufführungen der eine oder andere, nur schwer unterdrückbare, sehnsüchtige Seufzer aus dem weiblichen Publikumsanteil zu vernehmen ist. Noch eine überraschende Volte: Die kapriziöse Frau Doktor wird auf einmal wachsweich, ja sie glüht wie ein Starlet beim Casting, als ihr Mister Hollywood cool bis lässig eine Rolle in Aussicht stellt, als Ersatz für die leibhaftige Julia Roberts.

Apropos Premiere: Bis dahin sollte auch der eine oder andere „Rumpler“, Versprecher, Stolperer behoben sein, den es noch gibt, damit die beiden Souffleusen Anette Wahl und Sabine Käser nicht zu viel Arbeit haben. So viel Gerechtigkeit muss sein, das sollte stets auch mitbedacht werden: Die „Berglesdradscher“, alle ja Amateure, haben den Mut, ohne einen Regisseur anzutreten, dessen Arbeit übernehmen sie selbst, genauso wie das Bühnenbild, die Requisiten und die Kostüme.

Corona hat auch, ja gerade, im Kulturbetrieb, unter den Kulturschaffenden, Spuren hinterlassen. Eine gute Nachricht: Der „Berglesdradsch“, die Rettersburger Laienspielgruppe, hat die Pandemie überlebt.

Als die im Frühjahr 2020 ausbrach, hatten die Berglener Hobbytheaterspieler eine Woche vorher die letzte Aufführung der Saison, kamen also gerade noch durch, heil davon. Im Herbst 2021 sollten die Proben wieder anlaufen, mit der Zuversicht, dass es weitergehen könnte, da kam prompt die

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