Berglen

Berglen braucht zusätzliche Betreuungsplätze: weitere Kita in Oppelsbohm

Kita Oppelsbohm
Der ehemalige Hausmeisterpavillon wird für den Neubau abgerissen. © Gabriel Habermann

Die Gemeinde muss und wird weitere Kinderbetreuungsplätze schaffen, auch eine Folge der Neubaugebiete. Drei weitere Gruppen mit rund 60 Plätzen für Kinder über drei Jahre müssen her, das ergibt sich aus der Bedarfsplanung. Mindestens eine neue Gruppe braucht es bereits im Frühjahr 2024, die beiden anderen 2025. Diese Gruppen sollen verlängerte Öffnungszeiten haben.

Die Verwaltung geht davon aus, dass diese neuen Betreuungsplätze wegen der hohen Kinderzahlen auf Dauer gebraucht werden. Sie hat deshalb vorgeschlagen und der Gemeinderat hat dem zugestimmt, dass es keine weiteren Interimslösungen (zum Beispiel Containeranlage) geben soll. Diese würden zwar den Bedarf abdecken, seien aber langfristig ungeeignet, entsprächen nicht dem Standard der Gemeinde bei neuen Betreuungsplätzen und seien auf lange Sicht auch nicht günstiger.

Die Verwaltung hat in der jüngsten Sitzung drei Maßnahmen vorgeschlagen: den Neubau einer dreigruppigen Kita auf dem Areal des bisherigen Hausmeisterpavillons zwischen der neuen Sporthalle und dem Kindergarten Rappelkiste in Oppelsbohm, die Einrichtung eines Naturkindergartens und den Ausbau des Angebots bei der Kindertagespflege.

Der Standort für den Neubau ist seit 2020 beschlossen. Damals ging es allerdings noch um eine Kita mit nur zwei Gruppen. Es sollte eine Kombination aus Massivbau (unten) und Holzständer (oben) werden. Die Architekten- und Fachplanerleistungen wurden bereits beauftragt. Der entscheidende Baubeschluss wurde allerdings nicht gefasst, unter den Vorbehalt der Finanzierbarkeit gestellt. Der Bau- und Umweltausschuss sah aber ein halbes Jahre später keine Notwendigkeit für den Neubau und gab gegenüber dem Gemeinderat keine Empfehlung für diesen ab. Damit wurde auch kein Einvernehmen zum erforderlichen Bauantrag erteilt, es wurde kein Bauantrag beim Landratsamt eingereicht und das Projekt somit auch planerisch nicht weiter verfolgt.

Drei Gruppen auf zwei Geschossen

Mit der aktuellen Bedarfsplanung, der Fortschreibung der Zahlen, hat sich die Lage allerdings deutlich geändert. Die bereits beauftragte Architektin Ursel Ackermann hat daraufhin ihre bisherige Planung erweitert. Nach wie vor ist ein zweigeschossiger Hybridbau mit Flachdach vorgesehen. Das untere Geschoss in Massivbauweise wird durch die Hanglage teilweise verdeckt sein. An der Südwestseite solle es über einen barrierefreien Eingang von der Kreisstraße aus erreichbar sein. Dort soll eine Gruppe betreut werden. Das obere Geschoss mit Eingang auf der Nordwestseite, in Holzständerbauweise, soll sowohl aus Richtung der Parkplätze der Nachbarschaftsschule als auch mittels einer Rampe von der Kreisstraße aus ebenfalls barrierefrei erreichbar sein. Dort sollen zwei Gruppen betreut werden.

 Zwischen dem Gebäude und der Straße ist ein Außenbereich mit Spielgeräten vorgesehen, der von zwei Gruppen genutzt werden soll. Nördlich des Gebäudes ist für die dritte Gruppe ein weiterer, separater Außenbereich geplant. Außer den Gruppenräumen braucht es in beiden Stockwerken Sanitär- und Mehrzweckräume. Im Obergeschoss sind außerdem ein Büro, ein Aufenthaltsraum mit Küchenbereich für die Erzieherinnen vorgesehen. Zwischen den Geschossen ist ein Treppenhaus geplant. Sollte das Gebäude später anders genutzt werden, könnte dort nachträglich ein Aufzug eingebaut werden. Wie überhaupt auch eine Nachnutzung in die Planungsüberlegungen eingeflossen ist und die Raumplanung mit der Kitafachberatung abgestimmt worden ist (zum Beispiel auf Wunsch der Erzieherinnen auch ein Schlafraum für eine Gruppe). Eine Seite soll komplett verglast werden, zwei Foyers oben sind mit Oberlicht geplant, eine Fußbodenheizung mit Wärmepumpe, Klimatisierung, natürliche Beschattung durch einen Gebäudevorsprung, natürliche Nachtdurchlüftung, die Fassaden in Anlehnung an die Halle nebenan, die zwei Freiflächen mit zusammen 560 Quadratmetern (100 mehr als erforderlich).

Kostenschätzung liegt bei rund vier Millionen Euro

Die veränderte Planung, sprich Erweiterung, hat freilich ihren Preis, sprich bedeutet zusätzliche Kosten, und zwar nicht zu knapp, auch wegen seitdem stark gestiegener Preise bei Rohstoffen, Energie und Baustoffen. Lag die Kostenberechnung für eine zweigruppige Einrichtung (ohne Außenanlagen, Ausstattung und Mobiliar) bei 1,72 Millionen Euro, so geht Ursel Ackermann nun von rund vier Millionen Euro aus, die Unwägbarkeiten und damit mögliche Mehrkosten aus den Ergebnissen einer Baugrunduntersuchung (Überreste der alten, abgerissenen Halle im rückwärtigen Bereich, sprich Problem Gründung) wie schon bei der vorherigen Planung allerdings noch nicht eingerechnet.

 Die Verwaltung betonte in der Sitzung, um sicherzustellen, dass die neue Kita bis zum Frühjahr 2024 in Betrieb gehen kann, müsse wegen der Dauer des Baugenehmigungsverfahrens, der Ausschreibung der Bauleistungen und der Bauzeit von etwa einem Jahr nun, sprich noch in dieser Sitzung, der Baubeschluss gefasst werden. Unmittelbar im Anschluss müsse das bestehende Gebäude auf dem Areal abgerissen werden, damit baldmöglichst die Baugrunduntersuchung folgen könne.

Bürgermeister Holger Niederberger erinnerte für den Baubeschluss werbend an die Beschlüsse für die Neubaugebiete. Mit dem Neubau könnten zudem die bisherigen Interimslösungen nach und nach aufgegeben werden. Falls die Kinderzahlen denn doch irgendwann mal wieder zurückgehen sollten, werde das Gebäude multifunktional nutzbar sein. Auch der „Campus“-Gedanke (also die Nähe der Schule, der Halle und des benachbarten Kindergartens) sei reizvoll. So wie der Neubau geplant sei, werde er die nächsten 20 Jahre auf jeden Fall stehen. Eine neue Kita mit moderner Ausstattung sei auch ein Anreiz für neues Erzieherinnenpersonal, um nach Berglen zu kommen. Armin Haller, BWV, gewann der bisherigen „Verschiebung“ des Neubaus Positives ab: Man müsse froh sein, dass nicht zweigruppig gebaut wurde, „das wäre also nämlich schon wieder zu wenig“. Was die Verteuerung angehe, könne er nur sagen: „Billiger kriegen wir es nicht mehr, also lasst uns in den sauren Apfel beißen.“ Der Gemeinderat folgte denn auch diesen beiden Appellen einstimmig.

Naturkindergarten für Ü-3-Kinder mit vorerst 20 Plätzen

Ebenso wie bei einem weiteren Ausbauvorhaben bei den Betreuungsplätzen: Ein Naturkindergarten mit einer Gruppe für Ü-3-Kinder (20 Plätze) soll eingerichtet werden. Einen solchen gibt es in Leutenbach und Schwaikheim plant einen, tut sich allerdings seit Jahren schwer damit, einen (von den Behörden) als geeignet befundenden Standort zu finden. Das wiederum wird auch die große Aufgabe in Berglen sein. Dort gibt es bereits einen Waldkindergarten, der, wenn man so will, ja auch ein Naturkindergarten ist. Dieser lässt sich aber laut Trägerverein nicht erweitern, was theoretisch auch eine Möglichkeit gewesen wäre.

Aber noch mal zum Standort: Die Fläche dafür sollte möglichst bereits im Besitz der Gemeinde sein, sie sollte geeignet sein, um darauf eine beheizbare Schutzhütte zu errichten (oder einen beheizbaren Bauwagen dort aufzustellen). Der Forst muss sein Okay dazu geben und der Standort sollte gut erreichbar sein (nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erzieherinnen und Eltern, es sollte also einen Anfahrtsweg dorthin geben und eine Möglichkeit, am Treffpunkt zu parken).

Der große Vorteil eines Naturkindergartens, aus Sicht der Gemeinde, ist der gleiche wie beim Waldkindergarten: Er ist viel günstiger, die Investitions- und Unterhaltungskosten sind mangels festem Gebäude deutlich niedriger. Ein Bauwagen kostet derzeit laut Verwaltung etwa 80.000 Euro. Etwas höher sind die Personalkosten, weil für die Höchstzahl von 20 Kindern (reguläre Gruppe 25) zwei Fachkräfte während der gesamten Öffnungszeit erforderlich sind (1,9 in einer regulären Gruppe).

Allerdings braucht selbst ein Naturkindergarten für die Umsetzung rund ein Jahr, das Ziel sei also, spätestes 2024 auch damit in Betrieb zu gehen, so Niederberger. Die Nachfrage sei offenbar so groß, dass der Naturkindergarten keine Konkurrenz für den Waldkindergarten werde, diesem nichts wegnehme, sondern ihn ergänze, versicherte der Bürgermeister. Bei Bedarf und entsprechender Nachfrage solle das Angebot auf zwei Gruppen ausgeweitet werden könne. Auch hier hat der Gemeinderat zugestimmt.

Ausbau der Kooperation mit dem Tageselternverein

Ebenso wie bei der dritten Möglichkeit, zu weiteren Betreuungsplätzen zu kommen: dem Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Tageselternverein Winnenden und Umgebung, insbesondere für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Hier wird die Verwaltung prüfen beziehungsweise nach geeigneten Räumen suchen. Elf Kinder aus Berglen werden dort oder in benachbarten Gemeinden derzeit von Tageseltern betreut. Dort gibt es allerdings, aus verschiedenen Gründen, ein massives Personalproblem.

Er kenne diese Form der Kinderbetreuung aus der Zeit seiner Familie in Berlin selbst, bei den beiden Mädchen habe es so sehr gut funktioniert, so Niederberger. Der Vorteil dabei sei aus seiner Sicht, dass sehr individuell auf die Bedürfnisse der betreffenden Eltern eingegangen werden könne. Auch das könne aber nur eine Ergänzung sein, kein Ersatz für das, wozu die Gemeinde verpflichtet sei, betonte er.

Schließlich stimmte der Gemeinderat der Empfehlung zu, dass alle bestehenden Kita-Einrichtungen mittel- bis langfristig weiterbetrieben werden. Sofern Plätze nicht mehr benötigt werden und einzelne Gruppen geschlossen werden könnten, wird er anhand künftiger Bedarfsplanungen darüber entscheiden.

Die Gemeinde muss und wird weitere Kinderbetreuungsplätze schaffen, auch eine Folge der Neubaugebiete. Drei weitere Gruppen mit rund 60 Plätzen für Kinder über drei Jahre müssen her, das ergibt sich aus der Bedarfsplanung. Mindestens eine neue Gruppe braucht es bereits im Frühjahr 2024, die beiden anderen 2025. Diese Gruppen sollen verlängerte Öffnungszeiten haben.

Die Verwaltung geht davon aus, dass diese neuen Betreuungsplätze wegen der hohen Kinderzahlen auf Dauer gebraucht werden.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper