Berglen

Berglen: Kalk für den Wald

Waldkalkung
Das Material wurde bei Welzheim vor zwei Jahren mit dem Hubschrauber ausgebracht, so wird es auch in Berglen geschehen. © Gabriel Habermann

Vier Flächen im Gemeindewald lässt das Forstamt kalken, um der Versauerung des Bodens und dem damit einhergehenden Mangel an Nährstoffen entgegenzuwirken. Der Boden ist sozusagen der Motor für das Wachstum und den Stoffkreislauf der Wälder, Standort, Nährstoff- und Wasserlieferant der Pflanzen dort und auf der anderen Seite ein Puffer, Filter gegen äußere „Stoffeinträge“. Kann er diese Funktion aber nicht erfüllen, weil zu viel Säure in ihn gelangt, dort abgelagert ist, wird er „krank“ und die Pflanzen auf ihm können nicht mehr gesund wachsen.

Übernutzung über Jahrhunderte hinweg

Um das auszugleichen, sei eine Kalkung sinnvoll, so Philipp Dölker vom Forstamt des Rems-Murr-Kreises in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Ursache des Nährstoffmangels und der Bodenversauerung sei die „Übernutzung“ über Jahrhunderte hinweg, aber auch der „saure Regen“ infolge des Schadstoffausstoßes. Wenn Nährstoff durch diesen ausgewaschen werde, führe dies zu „Bodenverarmung“, weniger Leben im Boden und damit weniger Humusumsatz. Mit der Kalkung werde der pH-Wert wieder erhöht (auf ein neutrales Niveau), so dass der Boden seine Funktion wieder erfüllen könne: mehr Nährstoffe für die Pflanzen und in der Folge eine Vitalisierung der Bäume, was auch unter dem Aspekt des Klimawandels wichtig sei. Es gehe nicht um eine „Düngung“ des Bodens, um den Wald besser bewirtschaften zu können, so Dölker.

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Wald zu kalken: in befahrbarem Gelände und, sofern vorhanden, auf bestehenden Rückegassen, in Beständen ohne viel Verjüngung, mittels eines auf einem Unimog montierten Gebläses oder in steilem, schwer zugänglichem Gelände und bei viel Verjüngung mit Hubschrauber. Das hat den Vorteil, dass der Kalk in einem Zug auf viel Fläche ausgebracht und sehr fein verteilt werden kann. Nachteil bei einem Helikoptereinsatz sind die höheren Kosten. Allerdings ist geplant, die Waldkalkungen im Herbst landesweit auszuschreiben (um niedrigere Preise zu bekommen), durch das Regierungspräsidium Freiburg. Die Ermittlung und Auswahl geeigneter Flächen erfolgt anhand von Auswertungen der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg, in Abstimmung mit den Kreis-Forstämtern und dort wiederum mit den Revierleitern, weil die eben die besten Ortskenntnisse haben.

Die Kalkung in Berglen soll im Spätsommer des nächsten Jahres erfolgen, ausschließlich mittels Hubschrauber. Diese Methode werde vor allem im Schwarzwald angewandt und habe sich dort bewährt, so Dölker. Zur oft zu hörenden Kritik, das ausgebrachte Material verteile sich meist im ganzen Gelände, auch dort, wo es aus Naturschutzgründen nicht hingehöre, sei zu sagen, dass bei dieser Methode das Material erdfeucht, nicht staubtrocken sei. Auch im Winnender Stadtwald wurde vor rund zwei Jahren mit dem Hubschrauber gekalkt.

Gemeinde muss geringen Anteil selbst tragen

Geplant ist die Kalkung auf vier Flächen mit insgesamt rund 200 Hektar. Der Gemeindewald Berglen hat insgesamt rund 480 Hektar. Es braucht für die Helikopter-Kalkung genügend große, zusammenhängende Flächen. Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei etwa 110.000 Euro (netto). Das Land fördert mit 90 Prozent, der Eigenanteil der Gemeinde beträgt demnach rund 11.000 Euro. Organisieren und durchführen wird die Kalkung das Forstamt. Ausgebracht wird Kalk mit Holzasche, 4,4 Tonnen je Hektar, insgesamt damit 880 Tonnen (was etwa 35 Lkw-Ladungen entspricht), verteilt über fünf Tage. Gleichzeitig wird in weiteren Gemeindewäldern im Kreis gekalkt (unter anderem in Waiblingen, Plüderhausen und Schorndorf).

Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat führte Dölker aus, dass die Kalkung etwa 30 Jahre „halten“ werde, dann müsse aufgefrischt werden. Revierförster Harald Grass betonte, die vier Flächen seien sorgfältig ausgewählt worden. Viele der anderen Flächen schieden aus verschiedenen Gründen aus. 20 Hektar mindestens müssten es jeweils sein, darunter wäre das Ganze nicht wirtschaftlich. „In Berglen gibt es nur zwei Distrikte, die so groß sind. Selbst im Welzheimer Wald wird das nur selten erreicht.“

Der Gemeinderat hat der Maßnahme einstimmig zugestimmt.

Vier Flächen im Gemeindewald lässt das Forstamt kalken, um der Versauerung des Bodens und dem damit einhergehenden Mangel an Nährstoffen entgegenzuwirken. Der Boden ist sozusagen der Motor für das Wachstum und den Stoffkreislauf der Wälder, Standort, Nährstoff- und Wasserlieferant der Pflanzen dort und auf der anderen Seite ein Puffer, Filter gegen äußere „Stoffeinträge“. Kann er diese Funktion aber nicht erfüllen, weil zu viel Säure in ihn gelangt, dort abgelagert ist, wird er „krank“ und

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