Berglen

Berglen: Kinder bereiten beim Ferienprogramm Veggie-Burger zu

Klimavesper
Sabine Meurer von der Energieagentur (und nicht nur sie) achtet auf die richtige Dosierung mit Hafermilch. © Gabriel Habermann

Linsen-Bratlinge und vegane Burger stehen auf dem Speiseplan. Aber die werden den zehn Kindern, davon die Hälfte Buben, im Saal des Bürgerhauses in Rettersburg nicht einfach fertig serviert. Der Nachwuchs bereitet sein Menü im Rahmen des Ferienprogramms selbst zu. Er soll schließlich was beim „Klimavesper“, das die Energieagentur Rems-Murr organisiert, lernen, für sich, und das dann auch in die Familien „weitertragen“, so die Hoffnung.

Der Aktion kommt die voll ausgestattete Küche des Bürgerhauses zugute. Der Saal daneben ist so groß, dass trotz einer voll gedeckten Tafel für zwölf Esser, inklusive Sabine Meurer und ihrer Helferin, noch reichlich Platz wäre zum Rumtoben. Wäre, wenn die Kids nicht vollauf beschäftigt wären. Es wuselt und wimmelt in der Küche. Mittendrin schnippelt ein Junge in aller Seelenruhe Karotten zu kleinen Würfeln. Der Umgang mit einem Messer ist ihm offensichtlich nicht fremd. Keine Angst, sich zu schneiden? Ach, das ist ihm schon mal passiert, was soll’s.

Tränende Augen: Sie schwören, nie wieder Zwiebeln zu schneiden

Das Gleiche ist schon mit Zwiebeln und Knoblauch geschehen, und Kräuter sind gehackt worden von zwei Mädchen. Das sei für den Belag, erklären sie dem naseweisen Kiebitz von der Zeitung. Bei den Zwiebeln hätten ihnen die Augen „voll gebrannt“. Sie mussten weinen? Nö, das auch wieder nicht, „nur fast“. Aber sie schwören, „nie wieder im Leben“ Zwiebeln zu schneiden. Gut, man wird sehen, sprechen wir in ein paar Jahren noch mal drüber. Vielleicht hilft ja auch der Trick, den ihnen ein Junge verrät: beim Zwiebelschneiden einfach die Taucherbrille aufsetzen. Nebenan werden die Brötchen für die Burger selbst gemacht, aus Dinkelvollkornmehl. Zum Bestreichen wird Hafermilch statt Kuhmilch verwendet, als Soße Sojajoghurt und Agavensirup. Ein Mädchen rührt hochkonzentriert und routiniert den Hefeteig für die Brötchen mit einem Quirl. Der Teig ist noch ziemlich zäh, aber sie lässt da nicht locker.

Die Kinder sind voll bei der Sache, die Buben nicht weniger als die Mädels. Von wegen „viele Köche verderben den Brei“, es muss nur jemand den Überblick behalten, genau anweisen, wer was zu tun hat. Die angehenden Köche sind zwischen acht und zehn Jahre alt, alle gehen noch auf die Nachbarschaftsschule in Oppelsbohm, einige wechseln allerdings nach den Ferien in die fünfte Klasse ans Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden. Darunter sind auch Zwillinge, die aufgeweckten Mädchen erzählen lebhaft, dass sie auch sonst schwer beschäftigt sind: Trompeten in der Bläserklasse, Turnen in Leutenbach und Tennis in Birkmannsweiler, und, na klar, überall ganz vornedran, da bleibt nicht viel „Freizeit“, wobei, darunter zu leiden scheinen sie nicht, im Gegenteil.

Mit Blick aufs Bürgerhaus könnte man sagen: Endlich mal was los in der Bude, so oft kommt es nicht vor, dass der Nachwuchs es belebt. Nun wird’s Zeit für „knallharte Recherche“. Was halten sie denn, vorab, von dem Vegan-Burger? Na ja, immerhin, die Soße rieche sehr gut. Und daheim? „Lieber nicht.“ Wer ist/isst denn überhaupt von euch vegetarisch oder gar vegan? Äh, ehm, also ehrlich gesagt, keine(r). Halt, doch, die Spinatkartoffeln von ihrer Mama seien sehr lecker, meint ein Mädchen. Und wer isst die bei euch in der Familie? Na, eben sie und die Mama. Ein rhetorischer Wettbewerb setzt ein: Bei wem gibt’s zu Hause den besten Kartoffelsalat der Welt? Au, da gibt’s aber viele Bewerber um den Titel. Offenbar ist Berglen die Kartoffelsalat-Welthauptstadt. Mal macht den der Papa, mal die Mama, mal die Oma, mal der Opa. Sie sind übrigens keineswegs alle aus Rettersburg, manche kommen aus Oppelsbohm, der/die eine oder andere aus Steinach, Bretzenacker, einer sogar aus Vorderweißbuch, einige sind mit dem Fahrrad gekommen. Die aus Steinach finden es schade, dass sie nach den Ferien für die vierte Klasse, nach Oppelsbohm wechseln müssen.

Aber warum das Ganze? Sabine Meurer nimmt sich für die Antworten eine kleine Auszeit in der Küche, die Kollegin passt ja dort auf. Sie hat sich, nebenbei, zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit bei der Energieagentur zum Ernährungscoach weitergebildet. Normalerweise geht sie an Schulen, spricht dort über den Klimawandel und die Möglichkeiten, Energie zu sparen, oder schaut sich (zu hohe) Stromverbräuche und ihre Ursachen genauer an. Beim „Klimavesper“ gehe es darum, dem Nachwuchs nachhaltige Ernährung nahezubringen. Sie gibt auch „Klimakochkurse“ für Erwachsene mit der gleichen Zielrichtung. Das Problem sei: Für die Produktion von tierischen Produkten werde (zu) viel umweltbelastendes CO2 ausgestoßen, Fleischwaren seien nun mal eher klimaschädlich. Und noch etwas spreche für Pflanzliches: Es sei gesünder.

Die Kinder bekommen die Reste und die Rezepte mit nach Hause

Für ihre Kurse kauft sie saisonale, regionale Produkte und, soweit möglich, „bio“ sowie „unverpackt“ ein. Was nicht vor Ort „verputzt“ wird, dürfen die Kinder nachher mit nach Hause nehmen: „Es soll nichts weggeschmissen werden.“ Ja, sie hoffe schon, dass die Kinder dann auch daheim erzählen, was sie hier erlebt haben, eben dass es eine gesunde und umweltfreundliche Alternative gebe zu herkömmlichen Fleisch-Burgern. Sie bekommen das Rezept dafür und auch das für die Linsen-Bratlinge mit. Ihre bisherige Erfahrung aus Rückmeldungen sei, dass es den allermeisten schmecke, wobei da wohl auch eine Rolle spiele, dass die Kinder selbst gekocht haben, das räumt sie schmunzelnd ein. „Die gehen da ganz unbedarft ran, probieren alles, machen mit.“ Ja, vegetarisch sei eindeutig auf dem Vormarsch, es gebe immer mehr, die sich „überwiegend“ so ernähren, wenn nicht sogar vegan. Es gehe darum, „Impulse zu setzen“, etwas in eine andere Richtung zu lenken, nämlich weniger tierische Produkte zu konsumieren, sie sage ja nicht „es geht nur vegetarisch oder vegan“.

Rezepte

Bei den Linsen-Bratlingen braucht es als Zutaten für vier Personen: 150 Gramm Berglinsen, eine kleine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, 100 Gramm Karotten, einen Esslöffel Tomatenmark, etwa 100 Gramm kleinblättrige Haferflocken, zwei Esslöffel Leinsamen (geschrotet), je ein halber Bund Petersilie und Schnittlauch, je einen Teelöffel Salz, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Thymian, eine Prise Salz und Öl zum Anbraten.   Die Zubereitung : Linsen in circa 350 ml ungesalzenem Wasser 30 Minuten kochen; geschrotete Leinsamen mit zwei Esslöffel Wasser 20 Minuten quellen lassen; Zwiebel, Knoblauch und Karotten fein würfeln, die gegarten Linsen im Mixer mit den Zwiebel- und Knoblauchwürfeln sowie den Karotten fein mixen, alles mit der Leinsamenmasse, Haferflocken, Gewürzen, gehackten Kräutern und Tomatenmark mischen; die Masse mindestens zehn Minuten ruhen lassen; in einer beschichteten Pfanne etwas Öl erhitzen; vorsichtig kleine Bratlinge formen (Masse ist sehr weich) und langsam bei mäßiger Hitze beidseitig goldbraun braten.

Bei den Burger-Brötchen braucht es als Zutaten, ebenfalls für vier Personen: 150 ml Hafermilch, einen Teelöffel Agavensirup, ein Päckchen Trockenhefe oder einen halben Würfel frische Hefe, 150 Gramm helles Dinkelmehl, 150 Gramm Vollkorn-Dinkelmehl, einen gestrichenen Teelöffel Salz, 40 Gramm Raps- oder Sonnenblumenöl, einen Esslöffel Hafermilch (zum Bestreichen) und vier Teelöffel Sesam.

Die Zubereitung der Burger-Brötchen: die Hafermilch erwärmen, bis sie lauwarm ist (sie darf nicht zu heiß werden) und in eine kleine Schüssel gießen; die Hefe darin auflösen und den Agavensirup hinzufügen; anschließend 15 Minuten beiseitestellen, bis die Mischung beginnt zu schäumen (die Hefe also arbeitet, funktioniert); in einer großen Schüssel Mehl und Salz vermischen; in die Mitte eine Mulde formen und die Hefemischung hineingießen; das Öl dazugeben und von außen mit einem Holzlöffel einarbeiten, bis sich alles verbunden hat (oder eine Küchenmaschine mit Knethaken verwenden); anschließend den Teig in der Schüssel mit einem Geschirrtuch abdecken und circa 45 bis 60 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat; nach der Ruhezeit den Teig zu vier Brötchen formen (zu je etwa 125 Gramm) und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen, dabei genügend Abstand lassen; mit einem Geschirrtuch abdecken und noch mal für 20 bis 30 Minuten gehen lassen; die Brötchen anschließend mit Hafermilch bestreichen, dann mit etwas Sesam und sie circa 25 bis 30 Minuten bei 175 Grad backen.

Die Zutaten für die Burger-Soße: acht Esslöffel Sojasoße, zwei Esslöffel Tomatenmark, ein Esslöffel Olivenöl, ein Teelöffel veganer Senf, je ein halber Teelöffel Agavensirup, Salz, Pfeffer, ein Viertel Teelöffel Paprikapulver (je nach Geschmack edelsüß oder rosenscharf), je ein halber Bund Petersilie und Schnittlauch.   Die Zubereitung der Burger-Soße: die Kräuter klein hacken; alle Zutaten für die Soße in einer Schüssel mischen und abschmecken. Weitere Zutaten: Gemüse zum Belegen, zum Beispiel Salat, Tomaten, Gurke, geröstete Zwiebeln (alles je nach Belieben).

 Die Burger-Brötchen halbieren und auf die untere Hälfte Salatblätter legen; darauf einen Bratling legen und etwas Soße daraufgeben; anschließend mit den in Scheiben geschnittenen Tomaten, den Gurkenscheiben und gerösteten Zwiebeln belegen und mit der zweiten Hälfte des Brötchens abschließen.

Linsen-Bratlinge und vegane Burger stehen auf dem Speiseplan. Aber die werden den zehn Kindern, davon die Hälfte Buben, im Saal des Bürgerhauses in Rettersburg nicht einfach fertig serviert. Der Nachwuchs bereitet sein Menü im Rahmen des Ferienprogramms selbst zu. Er soll schließlich was beim „Klimavesper“, das die Energieagentur Rems-Murr organisiert, lernen, für sich, und das dann auch in die Familien „weitertragen“, so die Hoffnung.

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