Berglen

Berglen: Sammelaktion gegen das Verfaulen der Äpfel auf Streuobstwiesen

äpfel
Jochen Blessing (l.), sein Sohn Robin und Peter Elsäßer machen es vor, wie's am Samstag gehen soll. © büttner

Wer derzeit auf Wegen entlang von Streuobstwiesen unterwegs ist, erlebt immer wieder traurige Anblicke: Auf dem Gras unter den Bäumen liegen vielerorts Äpfel, die dort offensichtlich verfaulen. Selbst in Berglen, das sich seiner Streuobstbaumdichte rühmt. Stücklesbesitzer können oder wollen das Obst nicht mehr ernten oder auflesen. Die einheimische Streuobstinitiative will mit den „Streuner-Tagen“ eine Alternative zu dieser Verschwendung aufzeigen.

Familien, Alte, Junge, Frauen, Männer, Kindergärten, die Schule und Vereine, Organisationen können, sollen auf Stückle rund um Rettersburg Äpfel auflesen, die dann zum Berglener Apfelsaft „Streuner“ oder Apfelsaftschorle „Streunerle“ verarbeitet werden und sie selbst damit Teil der Erzeugerkette werden. Die Stückle gehören dem Saftprojektinitiator und Nebenerwerbslandwirt Jochen Blessing, oder sie sind von ihm gepachtet, oder im Besitz der Gemeinde.

Die Streuobstinitiative vergütet mit 20 Euro

„Da kann man mal selbst erleben, wie mühselig das ist, Äpfel zu ernten, bekommt aber für die Mühe auch einen guten Preis“, erklärt er schmunzelnd. Derzeit würden von Saftereien für den Doppelzentner Bio-Äpfel im Schnitt 13,50 Euro ausbezahlt, für Äpfel von konventionell bewirtschafteten Stückle neun Euro.

Die Streuobstinitiative vergütet mit 20 Euro, wobei die im Rahmen der „Streuner“-Tage nicht ausbezahlt werden, sondern es gibt dafür Saftgutscheine, eben für den Streuner-Apfelsaft oder das Streunerle-Saftschorle. Zum auswählbaren Sortiment gehören aber auch noch Apfel-Obst-Saftmischungen, Most und Cidre. Wie geht das, mit 20 Euro zu vergüten, die deutlich über dem Marktpreis liegen? „Ganz einfach, bei uns gibt es keinen Zwischenhandel. Oder anders gesagt: Das sieht man mal, was die Saftereien verdienen“, erklärt Blessing lächelnd.

Elsässer wird Kindern und Jugendlichen beim Sammeln erzählen

Ein weiterer Initiator ist Peter Elsäßer Sprecher der Initiative, Vorstand des Vereins Berglesgrün, Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins Berglen, Vorstandsmitglied im Berglener BUND und Naturparkführer im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Er wird bei den „Streuner“-Tagen teilnehmende Familien und Kinder begleiten, ihnen auf den Stückle über die Geschichte der Streuobstwiesen erzählen, warum die in mehrfacher Hinsicht wertvoll für die Biodiversität, den Erhalt der Artenvielfalt und der Kulturlandschaft Berglen sind.

Die Aktion sei ein Pilotprojekt, mit dem man erst mal klein anfangen wolle, sie sei natürlich bei den Teilnehmern aber nicht auf Rettersburger beschränkt, auch Berglener aus den anderen Teilorten seien willkommen. „Sogar Winnender sind willkommen“, frotzelt Blessing launig. Es gibt zwei Sammeltermine, der erste ist am Samstag, 24. September, der zweite steht noch nicht genau fest, wird aber auf jeden Fall ebenfalls an einem Samstag im Oktober sein.

Die Aktion soll von 10 bis etwa 16 Uhr laufen. Treffpunkt ist am Vereinsheim der Eintracht Rettersburg an der Linsenhofstraße (ein paar 100 Meter weiter ist Blessings Hofstelle). Von dort geht es zu den Stückle, wo bereits Körbe zum Sammeln des Obsts bereitgestellt sein werden und Boxen, um die Körbe zu sammeln. Zum Abschluss gibt's als Belohnung (außer den Saftgutscheinen natürlich) Apfelkuchen und Saft.

Durch auf dem Boden verfaulende Zwetschgen könne man regelrecht waten

Auch Elsäßer ist von dem Anblick des verfaulenden Obsts, das auf vernachlässigten Stückle liegt, erschüttert, er nennt da den Wengertsweg in der Verlängerung des Distlerwegs zwischen Oppelsbohm und Necklinsberg als besonders trauriges Beispiel. „Wer liest heute noch Äpfel mit der Hand auf?“, fragt er resigniert. Oder Zwetschgen, die auch zentnerweise nicht von den Bäumen geholt werden und ebenfalls verfaulen.

„Im Netto zahlt man fürs Pfund für Zwetschgen, die von irgendwoher kommen, dann drei Euro und bei uns in Berglen kann man regelrecht waten durch die, die auf dem Boden liegen. Die Bäume sind so voll mit Obst, dass sie mitsamt den Früchten umstürzen.“ Die Situation, was das Ernten angehe, sei deprimierend, zumal das Obst heuer wirklich exzellent, die Qualität herausragend sei. Bei Apfelsaft bräuchte es seiner Einschätzung nach überhaupt keine Importe.

Die Resonanz ist bisher leider noch sehr überschaubar

Auch Blessing ist bislang enttäuscht, nämlich von der Resonanz auf den Aufruf (im Amtsblatt), sich an der Aktion zu beteiligen, die ist nämlich sehr überschaubar. Bisher hat sich nämlich gerade mal eine einzige Familie angemeldet. „Wir hätten uns da schon mehr erwartet.“ Er hat vor allem auch mit Teilnehmern aus dem Rettersburger Neubaugebiet Hanfäcker gerechnet.

Äpfel seien auf jeden Fall genug da, das garantiere er. Es gehe ja nur ums Auflesen selbst, für alles andere sei gesorgt, keiner müsse Geräte mitbringen, keiner das betreffende Stückle auch noch (weiter) pflegen. Also liebe Berglener Familien, rafft euch auf, das kann es doch nicht sein, die Mühe lohnt sich, für sich selbst, für die Natur, die Umwelt, man hat selbst etwas davon und dem Nachwuchs wird es garantiert Spaß machen.

Mitmachen ist nach Absprache auch unter der Woche möglich

Blessing verspricht, dass die Aktion auch bei schlechtem Wetter stattfindet, wobei laut Elsässer die Prognose fürs Wochenende gar nicht so schlecht ist, und dass es auch keine Mindestanzahl an Anmeldungen braucht. Also egal, wie viele mitmachen, jeder ist willkommen.

Außerdem sei Mitmachen auch unter der Woche möglich, nach entsprechender Absprache, er könne zum vereinbarten Termin auf dem betreffenden Stückle, das er zeigen werde, die Sammelkörbe bereitstellen, müsse da ja nicht unbedingt dabei sein.

Äpfel bei Blessing abliefern, um sie versaften zu lassen, ist überdies auch außerhalb der Aktion möglich. Für den Doppelzentner gibt es dann zehn Euro in bar, die andere Hälfte ebenfalls als Saftgutscheine. Es gehe um Nachhaltigkeit, erklärt er noch mal den Sinn des Ganzen, darum, den Baumbestand langfristig zu erhalten, und zwar über den Ertrag. Es gelinge nur, wenn es auch rentabel sei. Anmeldung erfolgt per Mail an info@berglesgruen.de.

Wer derzeit auf Wegen entlang von Streuobstwiesen unterwegs ist, erlebt immer wieder traurige Anblicke: Auf dem Gras unter den Bäumen liegen vielerorts Äpfel, die dort offensichtlich verfaulen. Selbst in Berglen, das sich seiner Streuobstbaumdichte rühmt. Stücklesbesitzer können oder wollen das Obst nicht mehr ernten oder auflesen. Die einheimische Streuobstinitiative will mit den „Streuner-Tagen“ eine Alternative zu dieser Verschwendung aufzeigen.

Familien, Alte, Junge, Frauen,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper