Berglen

Berglener Hausarzt Alexander Endreß stellt fest: Astrazeneca ist plötzlich begehrt

Impfung
Dr. Alexander Endreß bei der Zweitimpfung seiner Mitarbeiterin Carmen Fezer. © ALEXANDRA PALMIZI

Corona-Impfungen für jeden ab dem 18. Lebensjahr? Ab Montag soll das in Hausarztpraxen in Baden-Württemberg möglich sein, die Priorisierungen für alle Impfstoffe aufgehoben werden. Wie geht ein Arzt in den Berglen damit um?

„Wir haben darüber am Mittwochmorgen in unserer Praxis gesprochen“, erzählt Doktor Alexander Endreß am Telefon. „Und haben uns dazu entschieden, an der Priorisierung festzuhalten“, fährt er fort. Seiner Meinung nach mache es wenig Sinn, die Jüngeren vorzuziehen. Außerdem habe sich das System jetzt eingespielt, laufe gut. „Wir gehen nach dem Alter, wer Vorerkrankungen hat, kommt ebenfalls früher dran“, erklärt Endreß.

Seit knapp einem Monat impft er in seiner Praxis im Ärztehaus in Oppelsbohm gegen das Coronavirus. Knapp 150-mal hat er das seitdem gemacht, wie er grob überschlägt. „Das Telefon steht momentan nicht lange still“, berichtet er aus seiner Praxis. Schon gar nicht mehr, seit die Priorisierung für Astrazeneca aufgehoben wurde. „Vergangenen Freitag haben sich fünf oder sechs junge Menschen gemeldet, die nach Astra gefragt haben“, erzählt Mitarbeiterin Carmen Fezer, die am selben Tag ihre Zweitimpfung erhalten hat.

Wie bewertet der Arzt die Tatsache, dass Astrazeneca nun jeder erhalten kann? „Das Wichtigste in der Pandemie ist es, so schnell wie möglich die Menschen zu impfen. Daher finde ich es gut“, antwortet Endreß. In anderen Ländern wie Großbritannien habe man schließlich auch mit Astrazeneca geimpft. „Impfen wir nicht, bekommen wir die Pandemie nicht in den Griff“, sagt Endreß. Die Nachfrage nach Astrazeneca ist für ihn allerdings neu. „Bisher haben die Patienten das großteils abgelehnt.“

Keine Probleme, den Impfstoff an den Patienten zu bringen

Während man aus anderen Arztpraxen schon gehört hat, dass es Schwierigkeiten gibt, die Impfdosen an den Patienten zu bringen, ist das in Berglen allerdings nicht so. „Bis jetzt hatten wir keine großen Probleme. Auch bei Astrazeneca nicht. Meistens ist es so, dass wir die Patienten anrufen und sie direkt in die Praxis kommen wollen“, weiß Endreß. Vor einer Woche habe ein Patient abgesagt, zehn Minuten später sei dafür jemand anderes eingesprungen. „Die Menschen sind dankbar, dass es die Möglichkeit zum Impfen gibt.“ Problematisch sei die Ungewissheit, wie viel Impfstoff letztendlich in der Praxis ankomme. Das erfahre man immer donnerstags. „Wir rufen die Patienten aber erst am Freitag an, wenn der Impfstoff wirklich schon hier ist. Sonst müssten wir den Patienten möglicherweise wieder absagen und das wollen wir nicht“, erklärt der Doktor das Prozedere.

Einmal sei es bereits vorgekommen, dass die Apotheke die zugesicherten Impfdosen um zwölf verringern musste. „So hieß es zumindest am Telefon. Am Ende haben wir dann allerdings doch die bestellte Menge erhalten“, erinnert sich Endreß. Wie viele Impfdosen letztendlich in seiner Praxis aufschlagen, sei von Woche zu Woche unterschiedlich. „48 Dosen waren bisher das Maximum“, nennt Endreß eine Zahl. Verimpfen könnte er deutlich mehr. „Bei uns rufen Menschen aus der ganzen Gegend an. Wir erklären den Leuten dann, dass unsere Patienten zuerst drankommen“, hofft Endreß auf Verständnis.

Man habe eine Warteliste in der Praxis, die man nun nach und nach abarbeite. Aktuell sei man bei der Altersgruppe der 60-Jährigen angelangt. Geimpft wird in der Praxis. „Ich würde auch bei Hausbesuchen impfen. Allerdings ist das nicht nötig. Im Altersheim sind die Menschen bereits geimpft. Außerdem war der Impf-Truck ja auch schon in Berglen. Die Patienten, die nicht in die Praxis kommen können, sind also schon versorgt“, erzählt Endreß, der seit Januar die Praxis in den Berglen führt.

Kritische Nachfragen gibt es, aber keinen Kontakt zu Impfgegnern

Die Impfungen nehmen viel Zeit in Anspruch, abends wird es jetzt oft später. „Es ist ja nicht nur das Impfen, sondern auch die Aufklärung darüber vor der Impfung. Ich mache beides selbst“, berichtet Alexander Endreß aus seinem momentanen Alltag. Bei den Aufklärungen gebe es hin und wieder schon kritische Nachfragen. „Manche Patienten fragen, ob ich die Impfung empfehle“, berichtet Endreß. Mit wirklichen Impfgegnern hatte er es bislang allerdings nicht zu tun. Und auch Briefe, von denen Winnender Ärzte unserer Redaktion berichtet haben, habe er aus dieser Richtung noch nicht erhalten.

Corona-Impfungen für jeden ab dem 18. Lebensjahr? Ab Montag soll das in Hausarztpraxen in Baden-Württemberg möglich sein, die Priorisierungen für alle Impfstoffe aufgehoben werden. Wie geht ein Arzt in den Berglen damit um?

„Wir haben darüber am Mittwochmorgen in unserer Praxis gesprochen“, erzählt Doktor Alexander Endreß am Telefon. „Und haben uns dazu entschieden, an der Priorisierung festzuhalten“, fährt er fort. Seiner Meinung nach mache es wenig Sinn, die

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