Berglen

Berglens Bürgermeisterkandidat Holger Niederberger: Kommunikator, Koch, Kameramann

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Holger Niederberger. © Ralph Steinemann Pressefoto

Lässig steht Holger Niederberger auf dem Spiel- und Grillplatz in Reichenbach. Weiße Sneakers, helles Hemd, Sakko. „Soll ich es auf- oder zumachen?“, fragt er den Fotografen.

Es ist sein erster Auftritt vor der Presse, seit er bekanntgegeben hat, Nachfolger von Maximilian Friedrich als Bürgermeister in Berglen werden zu wollen. Schon länger habe er mit dem Gedanken gespielt. „Antreten wollte ich gegen ihn aber nicht. Er war ein toller Bürgermeister“, lobt Niederberger. Die Chancen, in einem Wahlkampf gegen den Amtsinhaber anzutreten, wären nahezu aussichtslos gewesen, wie Niederberger schätzt. Jetzt, da Friedrich wechselt, hat der 44-Jährige jedoch Morgenluft gewittert. „Seit dem 17. Dezember, als Maximilian Friedrich seine Kandidatur in Backnang verkündet hat, sind die Gedanken sehr konkret geworden. Mir war klar, dass Friedrich es in Backnang schafft“, erklärt Holger Niederberger, wie es zu seiner Kandidatur gekommen ist.

Die Familie als eine Art kleine Gemeinde

Zu Hause habe er sich jedoch noch das „Okay“ seiner Frau einholen müssen. „Sonst hätte ich es nicht gemacht“, sagt der Vater zweier Töchter, die neun und 14 Jahre alt sind. Seine Familie beschreibt Niederberger als eine Art Gemeinde. Auch hier müsse man Entscheidungen treffen, manchmal gegen Widerstände kämpfen. „Wir haben neuerdings zwei kleine Häschen. Ich war dagegen, habe eine Katzenhaarallergie und war mir unsicher. Aber der Rest der Familie hat mich überstimmt.“ Mit so was müsse man leben können, auch als Bürgermeister. Wichtig sei es ihm, Kritik zu hören, zuzulassen und wenn man merke sich verrannt zu haben, dies einzusehen und dann auch einzulenken.

2003 wechselte Niederberger in die Hauptstadt

Inzwischen lebt der 44-Jährige mit seiner Familien wieder in den Berglen. Genauer: in Rettersburg in einem roten Holzhaus, und sagt über sich selbst in Anlehnung an John F. Kennedy: „Ich bin ein Berglener“.

Das war allerdings lange Jahre nicht der Fall, zumindest wenn man vom Wohnort spricht. In den Berglen aufgewachsen, in Oppelsbohm in den Kindergarten und die Grundschule gegangen, wechselte Niederberger im Anschluss auf das Georg-Büchner-Gymnasium nach Winnenden. „Meine Noten waren gar nicht so gut, aber die Lehrerin hat eine Empfehlung für das Gymnasium ausgesprochen“, erinnert sich Niederberger lächelnd. 1997 legt er sein Abitur ab, beginnt eine Ausbildung als Kameramann und Tontechniker. Furchtbar froh sei er, dass er das gemacht habe und dabei die Welt gesehen hat. „Für Produktionen des SWR kam ich nach Japan, China oder Peru“, erinnert er sich.

Nachdem er nach der Schule „erst mal einfach nur Schaffen wollte“, habe er 2001 damit begonnen, Politikwissenschaften in Tübingen zu studieren. „Für Parteipolitik muss man eine passende Partei finden. Und ich wusste nicht, welche Partei das für mich ist“, erzählt er, weshalb er zuerst von außen auf das große Ganze blicken wollte. Als Kandidat, etwa für den Gemeinderat anzutreten, sei ihm damals fern gewesen.

Neben dem Studium arbeitet Niederberger weiter für den SWR, schreibt außerdem für eine Zeitung auf den Fildern. „Dort war ich voll in die Berichterstattung involviert, durfte zum Beispiel Gerhard Schröder interviewen“, erinnert er sich mit strahlenden Augen zurück, beschreibt die Zeit allerdings auch als sehr intensiv. Trotzdem merkt er, dass er mehr will. „Wo kann man besser in das politische Geschehen eintauchen, als in Berlin?“, fragt er. 2003 wechselt er in die Hauptstadt, macht an der Humboldt Universität sein Diplom in Sozialwissenschaften.

In Berlin unterschiedliche Abgeordnete der SPD unterstützt

Er beginnt damit, für Abgeordnete zu arbeiten. Als Pressereferent, politischer Berater, wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Bis 2009 habe ich Ute Berg, damals wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, unterstützt“, erzählt Niederberger. Im Anschluss habe er mit Marina Kermer (SPD) zusammengearbeitet, auch viel mit Karl Lauterbach zu tun gehabt, den spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie ganz Deutschland kennt. Abschließend habe er dann noch Carsten Träger, ebenfalls SPD, beraten. Gewohnt hat er mit seiner Frau, die er beim Studieren in Tübingen kennengelernt hat, im Berliner Stadtteil Friedrichshain. „Friedrichshain schläft nie. In Studienzeiten ist das schön. Aber wenn man älter wird, dann will man das nicht mehr“, erzählt der 44-Jährige.

Nahtstelle zwischen Ämtern, OB und der Presse

Über ein Filmprojekt mit seinem Bruder, der seit einem schweren Autounfall im Rollstuhl sitzt, kehrt Niederberger zurück in den Rems-Murr-Kreis, knüpft Kontakt zu Maximilian Friedrich.

Niederberger dreht einen Imagefilm für die Gemeinde Berglen, besucht seine alte Schule, trifft ehemalige Weggefährten. Dabei hätten ihn viele gefragt, wann er denn endlich wieder heimkommt. Parallel läuft die Haussuche in Berlin schleppend. Die Familie entscheidet tatsächlich, wieder in den Rems-Murr-Kreis zu ziehen. Nicht nach Berglen, sondern nach Endersbach. Niederberger findet einen Job als Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. 2018 wechselt er die Seiten: Von der Zeitung zur Stadt Weinstadt, ist dort für die Pressearbeit zuständig und persönlicher Referent von Oberbürgermeister Michael Scharmann. „Die Stelle wurde damals geschaffen als Vorgriff zur Gartenschau“, erklärt Niederberger. Wenn man so wolle, sei er die Nahtstelle zwischen den Ämtern, dem OB und der Presse. Die Arbeit mache ihm unheimlich viel Spaß, auch wenn sie sehr zeitintensiv sei, Überstunden die Regel seien. Viel zu selten komme er momentan noch dazu, seinen Hobbys nachzugehen. „Ich koche sehr gerne. Sport mache ich momentan kaum“, bedauert er. Möglicherweise könne er, wenn er denn gewählt wird, den ein oder anderen Termin mit dem Fahrrad erledigen. „Ob’s einen Dienstwagen gibt, weiß ich gar nicht“, fügt er lachend hinzu.

Er spricht ruhig, bedacht. Ist sich der Wirkung seiner Sätze bewusst. Ein Kommunikationsprofi.

Kennt der Kommunikationsprofi die Prozesse in einer Verwaltung?

Ein Bürgermeister vertritt zwar auch nach außen, aber auch intern sollte er einen Überblick über die Ämter haben, Sitzungen leiten, Haushaltspläne be- und auswerten, Projekte anschieben. Niederberger kennt sowohl die Seite des kritischen Betrachters, aus seiner Rolle als Zeitungsredakteur, als auch das Innenleben als Pressesprecher in Weinstadt. Inwieweit hat er Kenntnis von den Verwaltungsabläufen in einem Rathaus? „Die Verwaltungsgrundlagen habe ich mir in meiner Studienzeit draufgeschafft“, antwortet er. Sein aktueller Job in Weinstadt sei ein Intensivkurs in Sachen Verwaltung. „Ich bin bei allen Sitzungen vor Ort und in die Prozesse der Ämter involviert. Ich weiß genau, was auf mich zukommen würde“, meint Niederberger. Einen Haushaltsplan könne er zwar nicht selbst erstellen, aber das sei auch Aufgabe des Kämmerers. „Lesen kann ich einen Haushaltsplan mit all seinen Tendenzen sehr wohl“, versichert er. Außerdem verstehe er es, komplexe Themen zu vereinfachen. In der Politik scheitere es oft an mangelnder oder fehlender Kommunikation.

Lässig steht Holger Niederberger auf dem Spiel- und Grillplatz in Reichenbach. Weiße Sneakers, helles Hemd, Sakko. „Soll ich es auf- oder zumachen?“, fragt er den Fotografen.

Es ist sein erster Auftritt vor der Presse, seit er bekanntgegeben hat, Nachfolger von Maximilian Friedrich als Bürgermeister in Berglen werden zu wollen. Schon länger habe er mit dem Gedanken gespielt. „Antreten wollte ich gegen ihn aber nicht. Er war ein toller Bürgermeister“, lobt Niederberger. Die Chancen, in

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