Berglen

Breitbandausbau in Berglen: Bürgermeister appelliert erneut an die Telekom

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Plakat in Reichenbach: So schnell kann die Zukunft vorbei sein. © Habermann

Öschelbronn, Rettersburg, Vorderweißbuch, Birkenweißbuch, Streich, Hößlinswart und Kottweil sind von der Absage von Liberty Networks/Hello Fiber zum dort angekündigten Breitbandausbau bis Ende 2024 betroffen. Bei den anderen Teilorten hat die Telekom diesen zugesagt. Wie geht es nun weiter, Frage an Holger Niederberger, den Bürgermeister – auch wenn der die Pleite nicht zu verantworten hat.

Na ja, eben erst mal leider so, wie es ohne Liberty Networks/Hello Fiber weitergegangen wäre, meint Niederberger, hörbar nach wie vor verärgert, ja erzürnt: „Also nicht so schnell, wie wir es uns mit diesem Anbieter erhofften, der uns das auch versprochen hat.“

Die Gemeinde werde nun eine Förderung für die sogenannte Flecken-Planung beantragen. Da sei die Grenze bei der Datenübertragungsrate 100 Mbit/s gefallen, sprich Zuschüsse seien möglich für alle Orte, die bislang ohne Glasfaser sind – und das wären in Berglen eben alle Teilorte. 50 Prozent der Kosten trage der Bund, 40 Prozent das Land, für zehn Prozent müssten die Kommunen aufkommen. Dieses Förderprogramm sei im Oktober abrupt abgebrochen worden, solle aber nun in diesem Jahre doch weiterlaufen.

„Rollierende“ Ausbauplanung der Telekom bedeutet Bauabschnitte

Das Ziel der Gemeinde und auch seines sei nach wie vor, dass Berglen flächendeckend schnell mit Glasfaser versorgt wird, betont Niederberger. Er verweist erneut auf die Ausgangslage, nämlich, dass die Telekom nicht bereit war und ist, in einem Zug komplett auszubauen, sondern „rollierend“ plant. Heißt, Gemeinden und Städte bekommen nicht in einem Zug flächendeckend Glasfaser, sondern es werden dort Gebiete, Zonen mit unterschiedlichen Prioritäten ausgewiesen und entsprechende Bauabschnitte gebildet, anhand der Wirtschaftlichkeit aus Sicht der Telekom und Dringlichkeit aus Sicht der Kommunen.

Nach wie vor aber ist eine offene Frage, das sieht auch Niederberger so, ob diese Art der Ausbauplanung wirklich bedeutet, dass flächendeckend überall Glasfaser hinkommt und wenn ja, mit welchem Zeithorizont. Es ist offenbar so, dass die hierzu immer wieder angegebenen Prozentangaben mit „Bis“- beziehungsweise „Spätestens“-Jahreszahlen sich nur auf Gesamtheit der Haushalte oder Gewerbebetriebe in den betreffenden Raumschaften beziehungsweise Verbandsregionen beziehen, aber nicht für jede Kommune gelten, auf diese jeweils herunterzubrechen sind.

Der Weg, Glasfaser in die Breite, in die Fläche zu bringen, sei ja an sich richtig

Allerdings sei der rollierenden Ausbauplanung, abgesprochen mit der Gigabitregion des Regionalverbands, insofern Gutes abzugewinnen, ja, sei das Ziel an sich richtig, räumt Niederberger ein, weil damit die Telekom sich nicht auf die Ballungszentren (mit vielen Kunden auf enger Fläche) konzentriere, sondern Glasfaser in die Breite bringe, diese in der Fläche anbiete. Andererseits habe man ja überhaupt deswegen erst versucht, auch mit Mitbewerbern ins Gespräch zu kommen, weil die Telekom eben nicht für alle Teilorte einen schnellen, zeitnahen Ausbau zusage, so der Bürgermeister weiter.

Liberty Networks/Hello Fiber seien aber die Einzigen gewesen, die nach Berglen gekommen seien, mit am Tisch am Rathaus dabei immer auch der Zweckverband des Landkreises, betont Niederberger. Unter allen Vorschlägen zum Ausbau sei eben dieser Anbieter übrig geblieben, bei dem man guten Gewissens habe sagen können „Mit dem können wir es uns vorstellen“.

Parallel habe die Gemeinde versucht, mit der Telekom weiterzukommen beziehungsweise von der eine weitergehende Ausbauperspektive für alle Teilorte verlangt „und selbst wenn es bis dann 2040 geworden wäre“. Die Antwort von Telekom sei aber stets gewesen: „Nein, können wir nicht geben, wenn es nicht wirtschaftlich ist, bauen wir dort nicht aus.“

Immerhin: Nachdem Liberty Networks/Hello Fiber auch Oppelsbohm und Bretzenacker mitaufnehmen wollten, bewegte sich die Telekom doch noch, sagte „Okay, dann bauen wir auch dort aus.“ Dass der Berglener Hauptort nun auch mit drankomme, sei also dieser Konkurrenzsituation zu verdanken, betont Niederberger: „Wenn das Ganze also was Gutes hatte, dann das.“

Aber was ist mit den Kunden von Liberty Networks/Hello Fiber? Was mit bereits abgeschlossenen Verträgen? Niederberger weist darauf hin, dass das zunächst und vor allem Sache der beiden Vertragsseiten ist. Ob das Angebot angenommen werde, entscheide ja der Kunde. Dessen Vertragspartner sei ja nun nicht mehr willens und offenkundig durch den mittlerweile erfolgten Insolvenzantrag auch nicht in der Lage, den Vertrag, seine Verpflichtungen, einzuhalten und damit gehe es „nur“ noch um die Rückabwicklung.

„Die Kunden stehen also zumindest nicht schlechter da als vorher“

Er persönlich erwarte, dass die Firma nun in der Sache auf die Kunden zugehe. Zum einen sei klar, dass diese jetzt nicht auf einmal kein Interesse mehr an einem Ausbau haben. Zum andern gebe es ja gültige Verträge mit bestimmten Laufzeiten mit den bisherigen Anbietern für die Internetverbindung. Insofern sei für die Kunden ja „nichts passiert“, alles mit der Firma Vereinbarte sei auf die Zukunft ausgerichtet gewesen: „Die Kunden stehen also zumindest nicht schlechter da als bisher. Der neue Anbieter wäre eben eine neue Chance für sie gewesen.“ Bei der Gemeinde gehe es nun um die Auflösung der Kooperationsvereinbarung.

Gab es keine Anzeichen, dass es mit Liberty Networks/Hello Fiber möglicherweise doch nichts werden könnte? Zumindest bei der Informationsveranstaltung in der Steinacher Halle, als sich vor allem die Vertriebsseite des Unternehmens präsentierte, machte die nicht gerade den solidesten Eindruck. Niederberger wehrt ab: „Was ist denn im Grunde passiert? Es gibt einen ausländischen Geldgeber, der jetzt nicht wie bisher in dieses Geschäftsfeld investieren will. Warum das so ist, ist auch mir ein Rätsel.“ Der mit dem Unternehmen abgeschlossene Kooperationsvertrag sei im Grunde ein Mustervertrag, den der Regional- und der Zweckverband des Landkreises empfählen. Das Auftreten der Verhandlungspartner im Vorfeld sei glaubwürdig gewesen und deren Angebot seriös erschienen.

Niederberger verweist auch auf die anderen in der Nachbarschaft betroffenen Gemeinden (Althütte, Rudersberg, Auenwald und Weissach im Tal), der Ausbauverbund, das geplante „Cluster“ habe die Chance erhöht. „Und noch eines, das zeigt, wie zäh das ist: Wir haben mit der Telekom sicher drei- bis viermal so viele Termine gehabt wie mit Liberty Networks.“ Was nun passiert ist, sei auch ein wohl kaum wiedergutzumachender Imageschaden für dieses Unternehmen.

Aber, das Ziel sei vorher gewesen und bleibe es auch nun: dass von der Telekom so viel und so schnell wie möglich in Berglen ausgebaut wird. Leider nenne die dafür aber nach wie vor keinen Zeithorizont: „Es wird also nicht so vorangehen, wie wir es uns gewünscht haben, sondern vorerst genauso lahm weiter.“

Der Landkreis-Zweckverband soll Druck auf die Telekom machen

Niederberger verweist darauf, dass nach dem Ausfall (Wegfall) eines Mitbewerbers der Zweckverband des Landkreises erneut im Gespräch mit der Telekom ist. Er hofft, ja glaubt, dass das „Ende der Fahnenstange“, was einen zeitnahen Ausbau angeht, noch nicht erreicht ist. Im Neubaugebiet Hanfäcker in Rettersburg etwa (wo er mit seiner Familie wohnt) liege ja schon Glasfaser. So schwer könne es dann doch nicht sein, das auch im übrigen Teil des Orts zu verlegen, meint der Bürgermeister.

Öschelbronn, Rettersburg, Vorderweißbuch, Birkenweißbuch, Streich, Hößlinswart und Kottweil sind von der Absage von Liberty Networks/Hello Fiber zum dort angekündigten Breitbandausbau bis Ende 2024 betroffen. Bei den anderen Teilorten hat die Telekom diesen zugesagt. Wie geht es nun weiter, Frage an Holger Niederberger, den Bürgermeister – auch wenn der die Pleite nicht zu verantworten hat.

Na ja, eben erst mal leider so, wie es ohne Liberty Networks/Hello Fiber weitergegangen wäre,

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