Berglen

Christa Jooß fährt zu Gauck

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Christa Jooß hat am Montag einen Termin beim Bundespräsidenten. © Alexandra Palmizi / ZVW

Berglen. Zunächst hat sie sich gewundert, selbst gefragt „Hilfe, warum ausgerechnet ich? Es gibt doch so viele, die das mindestens genauso verdient hätten.“ Mittlerweile hat sie ihre eigenen Zweifel aber abgehakt. „Ich freu’ mich, das ist spannend, ich werd’ es genießen, sehe es als Motivation für andere und für mich, weiterzumachen.“ Am Montag bekommt Christa Jooß das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Joachim Gauck verliehen.

Video: Christa Jooß bekommt das Bundesverdienstkreuz für ihr Soziales Engagement.

Vor anderthalb Jahren hatte der Backnanger Landtagsabgeordnete Gernot Gruber die Oppelsbohmerin „vorgewarnt“, dass er sie vorschlagen werde für die Ehrung durchs Land. Eigentlich habe sie es nicht glauben können, „innerlich abgeblockt“, beschreibt Christa Jooß ihre erste Reaktion. Gruber habe aber das Thema „Frauen in der Kommunalpolitik“ voranbringen wollen und dafür jemand „an der Basis“ gesucht, also keinen „Promi“, von denen ja auch viele diese höchste Auszeichnung bekommen. Seine Begründung habe sie eingesehen. „Und es hat mich gefreut, dass mein ehrenamtliches Engagement gesehen wird.“

Aktiv in der Friedensbewegung

In der Zwischenzeit sei das Thema aber wieder „abgehakt“ gewesen für sie, in Vergessenheit geraten. „Ich hab’ nicht mehr daran gedacht, dass daraus noch was wird.“ Aber gut, es stimme ja, dass sie sich seit vielen Jahren, mittlerweile Jahrzehnten, in ganz unterschiedlichen Bereichen einbringt, ,,versuche, verkrustete Strukturen aufzubrechen“, sei es in der Kirche, im Sport, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Kommunalpolitik, so die 66-Jährige. Ein Beispiel: Bei beiden Kindern und auch beim Pflegesohn der Familie war sie immer im Elternbeirat, egal, welche Schule, die sie jeweils gerade besucht haben.

Sie war in der Friedensbewegung aktiv, bei den Jusos und trat, als die Familie nach Oppelsbohm zog, in den Berglener SPD-Ortsverein ein. Aktives, „nicht nur forderndes und förderndes“ Mitglied ist und im Vorstand war sie auch im Stuttgarter Segelclub. Sie unterstützt nach wie vor ihren Mann bei „Ilco“, der Selbsthilfevereinigung für Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung, vertritt dort insbesondere die Bedürfnisse und Interessen der Angehörigen von Betroffenen. Jüngst hat dessen Dachverband in Bonn sie angefragt, bei der konzeptionellen Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

Sie wird für alle stellvertretend die Dankesrede an Gauck halten

Es ist ob ihrer Eloquenz sicher kein Zufall, dass sie den „Auftrag“ erhalten hat, stellvertretend für die 24 Bürger aus ganz Deutschland, die am Montag geehrt werden, die Dankesrede zu halten. Sie sitzt also, in der Sprache der Segler, selbst an diesem Ehrentag „wieder mit im Boot“. Sie will und wird dabei ganz ausdrücklich an alle erinnern, „die im Stillen wirken.“

In Berglen ist Christa Jooß im Gemeinderat, ihrem nie nachlasssenden und sachkundigen Nachhaken, Fordern bei der Kinderbetreuung, bei Schulthemen, bei allem „Sozialen“, nicht wegzudenken. Bei der Betreuung der dortigen Flüchtlinge hat sie das ehrenamtliche Netzwerk mitaufgebaut, ist im Koordinationsteam zuständig für den Fahrdienst und die Lotsen. Sie kümmert sich persönlich um eine als Flüchtlinge anerkannte syrische Familie, die in Reichenbach wohnt.

Am Samstag fahren sie und ihr Mann mit dem Zug in die Hauptstadt, die Tochter kommt mit ihrem Mann und dem Enkel aus Luzern, der Sohn kommt später nach. Den Sonntag hat die Familie in Berlin für sich, ehe es am Montag zusammen mit den andern, die die Auszeichnung erhalten, eine Führung durch Schloss Bellevue gibt. Vor ihrer Rede wird sie noch mit Gauck unter vier Augen sprechen können.

 

Seit 1999 im Gemeinderat

Christa Jooß arbeitete als Reiseverkehrsfrau, studierte Sozialpädagogik in Reutlingen, war Hausleiterin im Jugendzentrum Öhringen, ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Bis 2012 arbeitete sie im Berufsbildungswerk Waiblingen, war zuletzt dort Bereichsleiterin.

Sie ist seit 1999 im Berglener Gemeinderat, seit 2014 ist sie Fraktionsvorsitzende, außerdem ist sie einer der drei stellvertretenden Bürgermeister. SPD-Mitglied ist sie seit 1970, im Berglener Ortsverein seit 1982. Außerdem hat sie die Ortsgruppe des BUND 1990 mitbegründet.