Berglen

„Der Käs’ ist gegessen“ - Stimmen zum überragenden Ergebnis von Maximilian Friedrich bei der OB-Wahl in Backnang

Maximillian Friedrich // Wahlveranstaltung OB Wahl Backnang Bürgerhaus am 14.März 2021
Maximilian Friedrich und seine Frau Kerstin am Wahlabend in Backnang. © Alexander Becher

Nur ganz knapp die 50-Prozent-plus-x-Marke verpasst. War da nicht schon mal was? Genau, schon bei der ersten Wahl von Maximilian Friedrich in Berglen 2012 fehlten im ersten Wahlgang ebenfalls nur ein paar Stimmen. Klar ist damit aber auch: Beim zweiten Wahlgang für den OB-Posten in Backnang, wo dann die einfache Mehrheit reicht, sieht es mehr als nur gut für ihn aus.

Eine ist trotzdem enttäuscht. Nein, Spaß. Sie hätte eigentlich erwartet, dass er es schon im ersten Wahlgang packt, also die absolute Mehrheit bekommt und bereits an diesem Sonntagabend als neuer Oberbürgermeister von Backnang feststeht, so Maximilian Friedrichs Vorzimmerdame Melanie Schuler. „Ich weiß ja, wie gut er ist. Er ist einer der besten Chefs, die ich je hatte, und das ist wirklich nicht bloß geschmeichelt.“ Für Berglen sei der bevorstehende Abschied allerdings natürlich schon traurig. Es habe im Vorfeld etwas Unsicherheit gegeben, weil es auf der Ebene von Bürgermeisterwahlen ja kaum Umfragen gebe, so der Sprecher der BWV-Fraktion im Gemeinderat, Felix Scherhaufer, auf Nachfrage. Dass Friedrich ein sehr guter Mann ist, sei bekannt bei den Leuten. „Das wissen wir in Berglen.“ Offenbar sei er auch in Backnang sehr gut angekommen, habe wie in Berglen einen sehr engagierten Wahlkampf geführt. Er wisse das, weil er Friedrich auf Facebook abonniert, also dessen Posts verfolgt habe. Friedrich habe offensichtlich einen modernen Wahlkampf geführt, sei zwar auch „auf der Straße“ unterwegs gewesen, aber eben auch im Internet, „hat eben nicht einfach nur Plakate in der Stadt aufgehängt“.

Scherhaufer: Sehr positive Entwicklung von Berglen

Für Berglen sei es jetzt wichtig, die Übergangszeit gut zu organisieren, so Scherhaufer weiter. Er sei zuversichtlich, dass sich geeignete Kandidaten für die Nachfolge Friedrichs bewerben werden. Berglen sei schließlich eine tolle Gemeinde und damit attraktiv für Bewerber. Was die Bilanz zu Friedrichs Amtszeit angehe, müsse man beim Rückblick einfach sagen, dass sich Berglen in den vergangenen neun Jahren sehr positiv entwickelt habe. Am Anfang, nach der Wahl 2012, mit dem damals jüngsten Bürgermeister Deutschland sei es ja spannend gewesen. Friedrich habe ja die allerbesten Voraussetzungen – Vater bereits Bürgermeister, einschlägiges Studium Amtsleiter, Gemeinderat am Wohnort, also Verwaltungserfahrung von beiden Seiten her – mitgebracht. „Es musste sich ja aber erst noch zeigen, ob er die auch erfüllt. Und das hat er absolut getan.“ Er sei aber optimistisch, dass Berglen wieder einen Schultes bekomme, der sich ebenso reinhängen werde. Die Situation werde ja anders sein als bei der Wiederwahl vor einem Jahr, da der Amtsinhaber ja dann nicht mehr da ist, der Posten also frei sein werde.

Also, dass Friedrich vorne liegen werde nach dem ersten Wahlgang, und zwar weit, das habe er erwartet, so Oliver Klenk, Sprecher der FBB-Fraktion, „ich habe ja alle Kandidaten gesehen auf dem Online-Portal der Backnanger Zeitung.“ Für ihn sei klar gewesen, dass es ein Rennen werde zwischen Friedrich und dem anderen Bürgermeister, der sich bewarb. Aber dass der Abstand zwischen den beiden so groß ausfallen werde, das habe er nicht gedacht. Das zeige aber wiederum, dass Friedrich einen guten Wahlkampf gemacht habe, natürlich habe er auch dessen Facebook-Auftritt verfolgt.

Was die damit anstehende Wahl in Berglen angeht, gehe er angesichts der neuen Konstellation - der Amtsinhaber bewirbt sich nicht – davon aus, dass es anders laufen werde als bei der Wiederwahl Friedrichs 2020, so Klenk weiter. Er erwarte, dass der eine oder andere Kandidat wirklich für Berglen als dessen Nachfolger in Betracht komme. Ein bisschen „ernüchtert“ sei er über das Kandidatenfeld in Backnang. „Das ist doch eine wirklich attraktive Stadt. Da hätte ich schon damit gerechnet, dass sich mehr Bürgermeister als nur zwei um den OB-Posten bewerben.“

Friedrich: Ergebnis ist ein Riesenvertrauensvorschuss

Er habe durchaus gehofft, nach dem ersten Wahlgang vorne zu sein, so Friedrich selbst am Tag danach. Da aber wegen der Pandemie keine Präsenzveranstaltungen möglich gewesen seien, sei das Stimmungsbild in der Stadt für ihn schwierig einzuschätzen gewesen. „Es fehlte die direkte Resonanz wie bei einer Veranstaltung in einer Halle mit mehreren 100 Besuchern.“ Das Ergebnis sei ein Riesenvertrauensvorschuss. Friedrich zieht eine Parallele zu seiner Wahl 2012, als ihm auch nur ganz wenige Stimmen gefehlt hatten, um bereits im ersten Wahlgang gewählt zu werden. Er sei es also gewohnt, mit dieser Situation umzugehen. Er werde weiter Vollgas geben, weiter kämpfen. Zu dem von seinem stärksten Konkurrenten bereits angekündigten Rückzug gefragt, betont Friedrich: „Ich konzentriere mich voll und ganz auf meinen eigenen Wahlkampf, werde meine Strategie in keiner Weise ändern. Das gebietet schon der Respekt vor den Wählern.“

Wie zur Halbzeitpause: „Noch ist nichts gewonnen“

Wann ist er denn am Sonntag daheimgewesen? 1.45 Uhr sei’s geworden. Und, wurde denn eine Flasche aufgemacht (geleert) angesichts des überragenden Ergebnisses? Ganz klares „Nein“ von Friedrich. Noch sei nichts gewonnen. Er zieht einen Vergleich zum Sport. Wie es dort zur Halbzeit steht, sage überhaupt nichts darüber aus, wie das Ergebnis beim Abpfiff lautet. Aber okay, er habe viele, viele Gespräche geführt, mit Vereinen, ja wirklich mit allen Multiplikatoren in Backnang. Sein Eindruck sei, dass ihm dort wirklich abgenommen worden sei, dass es für ihn ein Traum sei, in seiner Geburtsstadt wirken zu dürfen. So deutlich habe er das Ergebnis allerdings selbst nicht erwartet, eine eigene Prognose habe er wegen der Ungewissheit allerdings nicht gehabt.

Was die (bei allem Vorbehalt) Nachfolge in Berglen angehe, sei er zuversichtlich. Es habe schließlich schon 2012 ein sehr gutes Bewerberfeld gegeben, er sehe keinen Grund, warum sich das nicht wiederholen sollte. Berglen sei eine sehr attraktive Gemeinde. Aber noch mal, das sei ihm wichtig: Seine Entscheidung, in Backnang zu kandidieren, sei keine gegen Berglen gewesen, sondern der einmaligen Chance dort geschuldet gewesen. So oder so werde er sich weiter reinknien, verspricht Friedrich und vergisst nicht den Dank an viele Unterstützer, nicht zuletzt in der eigenen Familie.

Susanne Reichart: Ich hätte ihm die paar Stimmen auch noch gegönnt

„Ich habe ihm heute per Whatsapp zu seinem tollen Ergebnis gratuliert“, berichtet Susanne Reichart, Sprecherin der SPD-Fraktion, „ich hätte ihm die paar Stimmen, die zur absoluten Mehrheit fehlten, gegönnt, dann wäre der zweite Wahlgang, der ganze Aufwand dafür überflüssig gewesen.“ Also sie gehe davon aus, „dass der Käse gegessen ist, wir also einen Nachfolger für ihn in Berglen brauchen.“ Sie gönne ihm den OB-Posten in Backnang wirklich, Friedrich habe ja einen sehr emotionalen Wahlkampf dort geführt, Stichwort „Herzensangelegenheit“. Es wäre schwierig gewesen, das im Falle einer Nichtwahl von ihm dort „umzudrehen“, also für ihn, in Berglen weiterzumachen. „Er hat sich dort so reingehängt, engagiert. Man nimmt es ihm wirklich ab, dass er für Backnang brennt“, so ihr Eindruck auch aus seinen Online-Auftritten. Nun sei die Frage, ob bei der anstehenden Wahl in Berglen sich ein qualifizierter Kandidat aus der Gemeinde oder der Nachbarschaft finden werde oder jemand ganz von außerhalb komme. Sie rechne auf jeden Fall mit einem ganz anderen Kandidatenfeld als bei Friedrichs Wiederwahl im vergangenen Jahr. „Letztlich ist es aber ein ganz normaler demokratischer Prozess und es ist so, wie es ist.“ Daran gebe es aber wohl nichts mehr zu rütteln, dass Friedrich der neue Backnanger OB werde.

Nur ganz knapp die 50-Prozent-plus-x-Marke verpasst. War da nicht schon mal was? Genau, schon bei der ersten Wahl von Maximilian Friedrich in Berglen 2012 fehlten im ersten Wahlgang ebenfalls nur ein paar Stimmen. Klar ist damit aber auch: Beim zweiten Wahlgang für den OB-Posten in Backnang, wo dann die einfache Mehrheit reicht, sieht es mehr als nur gut für ihn aus.

Eine ist trotzdem enttäuscht. Nein, Spaß. Sie hätte eigentlich erwartet, dass er es schon im ersten Wahlgang packt,

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