Berglen

Die Berglener Schule bekommt erst im nächsten Jahr eine Klimaanlage

Nachbarschaftsschule
Wenn die Sonne im Sommer voll auf die großen Glasfronten knallt, bringen auch heruntergelassene Jalousien nicht viel. Archivfoto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Zurzeit bestimmt Corona noch fast alles, wahrscheinlich ist das auch noch im nahenden Sommer so. So der Unterricht an der Nachbarschaftsschule bis dahin wieder angelaufen ist, steht dort aber noch etwas anderes fest: Schüler und Lehrer müssen noch mindestens ein weiteres Jahr schwitzen, ausharren, bis die geplante Klimatisierung des Gebäudes endlich kommt. Die Gemeinde verschiebt sie zusammen mit weiteren geplanten Sanierungsmaßnahmen auf 2021. Vorausgesetzt, der Zuschuss vom Land, den die Gemeinde zur Bedingung macht, fließt denn im kommenden Jahr.

Berühmter Architekt hat die Schule geplant

Die Schule, 1968/69 gebaut, hatte der renommierte Architekt Günter Behnisch geplant, der auch für das Münchner Olympiagelände verantwortlich war. Das Gebäude sorgte wegen seiner außergewöhnlichen Architektur, weshalb sie im Volksmund auch „Sternschule“ genannt wird, weit über Berglen hinaus für Aufsehen und so auch für einen gewissen Bekanntheitsgrad von Berglen überhaupt im Lande. 2002 wurde das Gebäude sogar Teil der Dauerausstellung im „Haus der Geschichte“ in Stuttgart.

So markant und auch innovativ die Gestaltung war und nach wie vor ist, aus praktischer Sicht, was sich aber erst im Laufe der Jahre erwies, hat sie auch so ihre Nachteile. Unter anderem heizt die Sonne im Verbund mit den großen Fensterfronten im Sommer im Innern so ein, dass Temperaturen über 30 Grad dort keine Seltenheit sind. Weil sich das Problem, Stichwort Klimawandel, künftig in der warmen Jahreszeit noch verschärfen wird, soll das Problem nun, über ein halbes Jahrhundert nach dem Bau, angegangen werden. Die Arbeitsstättenrichtlinie lässt in Schulen eigentlich nur bis zu maximal 26 Grad zu.

 Zuvor gab es bereits weitgehende Sanierungen. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt bekam das Flachdach eine Wärmedämmung, die Fassade erhielt Alu-Profilelemente. 2013 wurde die Heizungsanlage umgebaut und so leistungsfähiger gemacht. Auch im Innern liegt mittlerweile aber einiges im Argen. Die WCs sind veraltet, und auch die Elektrotechnik ist so, dass die Betriebssicherheit nicht mehr völlig gewährleistet ist. Ein Korber Ingenieurbüro hat im Auftrag der Gemeinde zu all dem das Gebäude untersucht und ein Sanierungskonzept erarbeitet.

Einzelraumregelung der Heizung funktioniert überhaupt nicht

Dabei kam auch heraus, dass bislang die Einzelraumregelung der bestehenden Heizkörper und auch die Lüftung gar nicht arbeiten. Durch Instandsetzung und bauliche Anpassungen soll beides sozusagen wieder in Betrieb genommen werden. Alle Klassen- und Büroräume sollen klimatisiert werden. Die Fachleute haben außerdem festgestellt, dass der Strombedarf der Geräte dafür teilweise durch die Fotovoltaikanlage der Sporthalle gedeckt werden kann. Sie regen an, die WCs im Erd- und im Obergeschoss zu sanieren. Ihre Kostenschätzung: insgesamt etwa eine Dreiviertelmillion Euro.

 Bevor die Gemeinde Aufträge vergeben und die betreffenden Handwerksfirmen loslegen können, muss, nicht zum ersten Mal, noch geklärt werden, welche Einschränkungen dabei möglicherweise der Denkmalschutz des Gebäudes setzt. Das andere Hindernis betrifft die Finanzierung. Die Verwaltung hatte Ende vergangenen Jahres einen Förderantrag gestellt, für einen Zuschuss in Höhe von knapp 250 000 Euro, also ein Drittel der voraussichtlichen Kosten, wobei die erforderlichen Aufwendungen für die Klimatisierung noch nicht genau feststehen. Es gibt zwar noch keinen Bescheid zum Antrag, die Verwaltung geht aber aufgrund von Aussagen des Regierungspräsidiums davon aus, dass in diesem Jahr keine Mittel mehr für die Sanierung zur Verfügung stehen, der Antrag also für 2020 abgelehnt wird.

Arbeiten in den Pfingst- und in den Sommerferien 2021

In Anbetracht des hohen Anteils der Förderung an den Kosten sollen aus Sicht der Verwaltung die Sanierungen nicht ohne den Zuschuss erfolgen. Sie hat vorgeschlagen, und der Gemeinderat hat dem in der jüngsten Sitzung einstimmig zugestimmt, dass die Arbeiten verschoben werden. Zumal davon auszugehen sei, dass voraussichtlich bis Ende dieses Jahres ein neues Landesförderprogramm für Schulsanierungen aufgelegt wird. Falls also der aktuelle Förderantrag wie zu erwarten abgelehnt wird, könnte er ins neue Förderprogramm aufgenommen werden. Der Bewilligungszeitraum erstreckt sich jeweils über ein Jahr. Sobald der positive Bescheid da ist, hat die Gemeinde ein Jahr Zeit, mit dem Vorhaben zu beginnen, wobei als Beginn schon die Vergabe von Handwerksarbeiten gilt.

 Die Verwaltung hat deshalb vorgeschlagen, dass selbst wenn der jetzige Förderantrag wider Erwarten doch durchgehen würde, in diesem Jahr nur noch die Ausführungsplanung und die Ausschreibung vorzubereiten. Die Umsetzung solle erst im nächsten Jahr stattfinden und dann, weil dies während des laufenden Betriebs nicht möglich sei, in den Pfingst- und in den Sommerferien erfolgen. Der einzige wegen des erforderlichen Vorlaufs infrage kommende Termin noch in diesem Jahr, die Herbstferien, seien mit nur einer Woche Dauer dafür zu kurz. Die Verwaltung verweist dabei auch auf die Coronavirus-Krise.

Friedrich: Unterricht bei über 30 Grad nur schwer möglich

Das Ingenieurbüro betonte bei der Vorstellung der Planung im Gemeinderat, dass es aus seiner Sicht bei der neuen Sanitärausstattung um Robustheit, Langlebigkeit gehe. Es sollten keine Luxusgeräte, aber auch keine Billigheimer eingebaut werden, man werde also im mittleren Preissegment liegen. Am Hitzeproblem in den Räumen gebe es keinen Zweifel, das zeigten entsprechende Temperaturmessungen. Herunterzukühlen sei also unbedingt notwendig, bekräftigte Bürgermeister Maximilian Friedrich. Bei bislang regelmäßig über 30 Grad sei Unterricht nur schwer möglich. Die Erneuerung der Sanitäranlagen stünde eh schon seit langem an, sie sei bei vorherigen Sanierungen ausgeklammert worden. „Wir schlagen deshalb vor, das alles nun in einem, zusammen, zu machen. Die Schule wird damit auf dem neuesten Stand sein“, versicherte Friedrich. Die Verwaltung stehe voll hinter dem Vorhaben, aber beim Zuschuss gehe es immerhin um eine Viertelmillion, betonte der Bürgermeister.

Zurzeit bestimmt Corona noch fast alles, wahrscheinlich ist das auch noch im nahenden Sommer so. So der Unterricht an der Nachbarschaftsschule bis dahin wieder angelaufen ist, steht dort aber noch etwas anderes fest: Schüler und Lehrer müssen noch mindestens ein weiteres Jahr schwitzen, ausharren, bis die geplante Klimatisierung des Gebäudes endlich kommt. Die Gemeinde verschiebt sie zusammen mit weiteren geplanten Sanierungsmaßnahmen auf 2021. Vorausgesetzt, der Zuschuss vom Land, den die

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