Berglen

Die Gemeinde Berglen sät auf ihren freien Flächen Wildblumen aus

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Also wer könnte solcher Naturpracht widerstehen und dort „Nein“ sagen: Trauplatz bei Öschelbronn. Foto: Gemeinde Berglen © gemeinde berglen

Seit drei Jahren ist die Gemeinde Berglen Mitglied des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Der soll nicht nur touristisch besser vermarktet werden, sondern zudem blühen, was beides vielleicht zusammenhängen mag. Zumindest ist das Blühen als Devise ausgegeben.

Berglen zieht auch hier mit, indem seit rund zwei Jahren auf Flächen im Gemeindebesitz vermehrt Wildblumen angepflanzt werden, so zum Beispiel auf dem neu angelegten Trauplatz bei Öschelbronn, am Radweg nach Birkmannsweiler, am ebenfalls neuen Kreisverkehr am Ortsrand von Rettersburg sowie an der Straße von dort nach Öschelbronn, die ausgebaut worden ist.

Mittlerweile sind auf zwölf Grundstücken mit einer Gesamtfläche von rund 5500 Quadratmetern, also etwas mehr als einem halben Hektar, heimische Wildblumen ausgesät worden, zuletzt am Hang hinter der neuen Sporthalle bei Oppelsbohm, ziemlich genau auf dem Areal der ehemaligen, abgerissenen Sporthalle, einer Fläche mit knapp 1000 Quadratmetern. Willkommener Nebeneffekt: Damit wird das Außengelände der Nachbarschaftsschule weiter aufgewertet, das ohnehin eine Weitläufigkeit und Naturnähe hat, von der andere Schulen nur träumen können, von der außergewöhnlichen Architektur der Schule und der Sporthalle nebendran ganz zu schweigen.

Bauamt und Bauhof wählen ausschließlich einheimische Saatmischungen aus, welche konkret, hängt von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit ab. Bauhofleiter Markus Albrecht schätzt, dass seine Männer bislang etwa 200 Arbeitsstunden in diese Aktion über die sonstigen Aufgaben bei der Grünpflege hinaus gesteckt haben. Zudem wurden knapp 20 Insekten-„Hotels“, sprich Nist- und Überwinterungshilfen, aufgestellt, unter anderem bei Kitas und der Schule.

Es gibt allerdings auch ehrenamtliche Unterstützer, wie zum Beispiel Gerhard Jeutter aus Bretzenacker, der die Insektenhotels selbst gefertigt hat, oder Martin Oberdörfer-Schmidt aus Öschelbronn, der eine eigene Fläche in der Verlängerung der Primelstraße für eine heimische Blumenwiese zur Verfügung stellte. Von ihm kam auch bei der jüngsten Bürgerversammlung die Anregung, weitere Blühflächen anzulegen. Er übernahm selbst die Aussaat der Blumensamen, die die Gemeinde auf ihre Kosten zur Verfügung stellte, unterstützt dabei von einem heimischen Landwirt, der mit Maschinen half, umzugraben. Dieses bürgerschaftliche Engagement entlastet den Bauhof.

Albrecht, Bauamtsleiter Reiner Rabenstein und Bürgermeister Maximilian Friedrich weisen beim Pressetermin zur Saataktion an der Schule darauf hin, dass diese Zeit brauche, Zeit, bis man etwas von ihr wirklich sieht: blühende Blumen. Die Kritik zum Beispiel, die es am neuen Kreisel bei Rettersburg gab, sei insofern verfehlt gewesen, weil es für eine Beurteilung, unmittelbar nach der Einsaat, viel zu früh gewesen sei. Es bedürfe also Geduld.

Aufwendig: Bewässern, in Trockenzeiten täglich

Das Projekt sei aber auch insgesamt noch nicht abgeschlossen, weitere Grundstücke sollen folgen, Vorschläge sind willkommen, wobei aber die Flächen einfach zu bewirtschaften sein müssen, um den Aufwand in Grenzen zu halten. Mit dem Einsäen alleine ist es ja nicht getan. Die Flächen müssen angesichts von fehlendem Regen regelmäßig bewässert werden, in trockenen Perioden sogar täglich, und da gehe es jeweils um rund 20 000 Liter, erklärt Albrecht. Und dann, nach einer Schonfrist zum Anwachsen, gehe es weiter mit Mähen, ebenfalls regelmäßig, wenn auch nicht mehr so oft wie früher üblich. Die Flächen würden aber keineswegs vernachlässigt, seien nicht verwahrlost, auch wenn manche Leute den Eindruck hätten: „Wir lassen das also bewusst, mit Absicht, so stehen.“ Auf jeden Fall ist aber mit dem Motto „Gras drüber wachsen lassen“ Schluss, erst recht mit der Devise, alles zuzuasphaltieren oder -betonieren.