Berglen

Die Stars der Maultaschen-Szene

1/2
Running mmh
Sebastian Werner, Peter Spataro und Michael Wast vor ihrem Maultaschen-Point in Stuttgart. © Büttner / ZVW
2/2
Running mmh
Mit Curry-Ketchup wird das ein „Mhhh Curry“. © Büttner / ZVW

Berglen. Seit dem Gründerpreis ist alles anders. Für ihre Idee, Fast Food aus Maultaschen zu machen, wurden die drei Macher von Running Mhhh im Frühling 2013 kreis- und landesweit ausgezeichnet. Danach hagelte es Aufträge für Caterings von Firmen und Privatpersonen, sie eröffneten zwei Läden und haben mittlerweile 28 Mitarbeiter.


Michael Wast (41) aus Winnenden hatte 2011 in einer Wirtschaft die Idee, schwäbische Maultaschen mal nicht nur geschmelzt oder in Brühe anzubieten, sondern als Burger im Brötchen. Vier Jahre später wird er bei einem Besuch in Berlin am Brandenburger Tor von einem Fremden angesprochen: „Hey Big M, eure Maultaschen sind super! Kann ich ein Foto mit dir machen?“ Michael Wast (Big M) kriegt immer noch Gänsehaut, wenn er die Geschichte erzählt. Schon öfter musste der breite Mann Autogramme geben. „Das passiert Sebastian und mir nie“, sagt der Ödernhardter Peter Spataro (38) und lacht. „Big M hat eben hohen Wiedererkennungswert, er ist unser Maskottchen.“

Vier Jahre war es ein Nebenjob, jetzt muss es Familien ernähren

Peter Spataro war derjenige, der damals zu Michaels Idee nur sagte: „Klingt gut, wann geht's los?“ Die beiden kauften einen Anhänger, entwickelten die ersten Rezepte, 2013 kam Sebastian Werner (34) aus Metzingen dazu und sie gründeten eine GmbH. Nach dem Gründerpreis (1. Platz im Rems-Murr-Kreis, 4. Platz in Baden-Württemberg.) kamen viele Aufträge, wie etwa Catering beim Fest der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin. Da durften sie als erstes Start-up-Unternehmen dann gleich ein zweites Mal kommen. „Und dieses Jahr übernachten wir sogar in der Landesvertretung.“

Aufregend für die drei ist auch die Medienaufmerksamkeit. „Als der SWR angerufen hat, dass sie uns filmen wollen, saß ich grad im Auto und hab schier das Lenkrad verrissen. Mit Tränen in den Augen hab ich das dann den Jungs erzählt“, erinnert sich Michael. Die anderen beiden lachen und ziehen ihn auf: „Du weinst doch fast bei jedem Auftrag, so freust du dich.“ Auch Pro7 will demnächst über die drei und ihre Maultaschenkreationen berichten.

Sebastian arbeitet nebenbei noch vollberuflich im Innendienst einer Versicherung. Feste Jobs hatten Michael und Peter bis zum vergangenen Sommer auch noch. Michael hat im Vertrieb gearbeitet, Peter hatte eine Versicherungsagentur. Vier Jahre lang haben sie Running Mhhh nebenbei geführt. Nebenbei 2014 einen Laden (Point) in Stuttgart eröffnet, 2015 einen in Reutlingen. Nebenbei immer mehr Veranstaltungen und immer mehr Stadtfeste mit Maultaschen versorgt. In Berglen haben sie ihr Büro, Lagerräume und die Küche, in der Peters Mutter Kati (Katis Bistro Winnenden) die Soßen für die Maultaschen kocht.

„Alles, was wir eingenommen haben, haben wir wieder reinvestiert“, erzählt Peter. Sie haben nun 28 Mitarbeiter, manche ständig in den Points, manche nur ab und zu „on Tour“. Es ist so viel Arbeit geworden, dass sich Peter und Michael von ihren festen Jobs verabschiedet haben und sich ganz auf Running Mhhh konzentrieren. „Das ist nicht immer lustig, wie manche vielleicht glauben. Klar gibt es Höhepunkte wie das Fest der deutschen Einheit in Stuttgart oder Lob von Sternekoch Harald Wohlfahrt, aber es gibt einige Tiefen“, sagt Michael. Zum Beispiel, wenn bei einer zweitägigen Konzertveranstaltung die Leute am ersten Tag kaum etwas kaufen, weil 40 Grad Hitze den Appetit nehmen, und am zweiten Tag ein Hagelunwetter die Gäste vertreibt. „Das ging uns 2013 in Reutlingen so. Da mussten wir 3000 Brötchen wegwerfen. Das tut weh.“ Umso mehr, als dass sie nun nicht nur Verantwortung für ihre Angestellten, sondern auch für ihre Familien haben.

Michael und Peter sind verheiratet, haben beide zwei Kinder. Und was sagen ihre Frauen zu dem Dauerstress ihrer Männer? „Noch leben wir bei ihnen, aber wenn es so weitergeht, könnte es auf eine WG zwischen Peter und mir hinauslaufen“, antwortet Michael scherzhaft. „Nein, im Ernst: großer Respekt an unsere Ehefrauen. Wenn die nicht hinter uns stehen würden, könnten wir es gar nicht schaffen.“ Und ihre Kinder fahren total auf die Maultaschenleckereien ab. Für Michaels Sohn Jakob ist es das Größte, wenn er mit zum Point darf. „Er isst oft drei, vier Portionen vom Mhhh Curry. Dann ist ihm ein wenig übel auf der Rückfahrt, aber er ist glücklich“, erzählt Michael. Haben sie beide denn überhaupt noch Zeit, selber im Laden zu stehen? – „Natürlich, das lassen wir uns niemals nehmen. Ohne den Kontakt mit den Gästen, nur hier im Büro, würden wir eingehen“, antworten die beiden fast empört. Das sei doch das Beste, dafür machen sie es ja. Hinter der Theke stehen und mit den Leuten quatschen. Das mache so viel Spaß, das sei allen Stress wert, findet Peter. „Bei der Versicherungsagentur habe ich nie so viel Feedback bekommen. Das ist einzigartig.“

Mittagstisch, Musik und ein zweiter Anhänger

Ein neues Projekt der drei umtriebigen Männer ist der Mittagstisch. Und der Testlauf findet in Winnenden statt. Alle zwei Wochen stehen sie von 11 bis 14 Uhr mit ihrem Running-Mhhh-Anhänger bei der Küchenhalle und bieten ihre Maultaschenkreationen an. Der nächste Termin ist dieser Mittwoch, 6. April.

Auch dieses Jahr holen sie wieder Musiker in ihr Geschäft in Stuttgart. Im vergangenen Frühling traten unter anderem Mc Bruddaal, Beautycase und State of the Art bei ihnen auf. Im März hat Patrick Reusch vor der Maultaschentheke gesungen, und demnächst wird der Leutenbacher Autor Jürgen Seibold aus seinem Roman „Bloß keine Maultaschen“ lesen.

Bis Mitte des Jahres schaffen sich die Macher von Running Mhhh einen zweiten Foodtruck an, um den Straßenverkauf erweitern zu können.

Ihre Gäste hatten so lange nach den „I love Mauldasch“-T-Shirts gefragt, bis sie sie zum Verkauf anboten, und ebenso ergeht es ihnen mit den Maultaschen - deshalb soll es auch die bald zum Mitnehmen geben.