Berglen

Die Sternschule hätte er so nicht gebaut: Spaziergang durch Berglen mit BM-Kandidat Joachim Reymann

Kandidat Reymann
Joachim Reymann findet zwar die Lage der Nachbarschaftsschule „genial“, aber nicht ihre Architektur. © ALEXANDRA PALMIZI

„Es gibt fast nichts Schöneres als Kindergeräusch“, meint Joachim Reymann beim Start des Spaziergangs mit ihm an der Nachbarschaftsschule. Eigenen Nachwuchs hat er nicht, aber reichlich Neffen in der Verwandtschaft seiner Frau. Es ist offenbar gerade Pause in der Schule, die Kinder tollen draußen herum und vom angrenzenden Hügel herab bietet sich in der Tat bei herrlichem Sommerwetter ein fast schon zu idyllisches Bild. „Geniale Schule in genialer Lage“, fasst es Reymann zusammen.

Aber nicht alle können sich doch an Kinder-„Lärm“ erfreuen, oder? Zu denen gehöre er nicht, auch wenn er noch nie an etwa einem Spielplatz gewohnt habe, dafür aber bei einem Sportplatz, das sei durchaus auszuhalten. „Ich weiß aber nicht, wie es für mich wäre, wenn wir zum Beispiel direkt neben einer Ganztagsschule wohnen würden.“

Was genau findet er hier „genial“? Na ja, dass links und rechts die Schule so in die Natur eingebettet sei. Und die Schule selbst? Okay, also deren „Konstruktion“ sei nicht unbedingt so sein Ding, meint Reymann, den der Hinweis, dass gerade die Architektur das Besondere der Sternschule sei, überrascht. So zu bauen, das sei wohl der Zeit damals geschuldet gewesen, merkt er an. Er würde da als heutiger Bürgermeister, wenn denn eine Schule neu zu bauen wäre, mehr aufs „Praktische“ schauen, so Reymann mit Blick auf die Außenfassade mit ihren großen Fensterfronten und dem Hinweis auf die Nachteile, etwa die Heizkosten. Dem Hinweis, dass die Schule, die sich im Sommer innen fast unerträglich aufheizt, endlich, nach vielen Jahren, eine Klimatisierung bekommt, entgegnet er, das sei aber nicht gerade nachhaltig.

„Ich sehe die Dinge halt erst mal praktisch“

Die Sporthalle neben der Schule kennt er schon, dort fand die letzte Gemeinderatssitzung mit Maximilian Friedrich als Bürgermeister statt. Reymann war dort als Zuhörer und Beobachter. Es sei schade, dass nur wenige Besucher da gewesen seien. Von der Ansicht her gefällt ihm die Halle deutlich besser als die Schule. Aber er geht auch hier von einem Energiekostenproblem aus, durch die riesige Glasfassade über die komplette Längsseite zur Straße hin. Er lacht: „Also, ich sehe die Dinge halt erst mal praktisch, meine Frau schaut dann danach, dass es auch schön aussieht.“ Die „Kostenseite“, darauf achte er ja auch in seinem Job als Berater von Privatanlegern oder auch, wo sie bei ihren Versicherungen Geld sparen können.

Er ist beeindruckt von der Landschaft, der Natur hier. Es geht auf dem Weg nach Oppelsbohm hinein an Grünland vorbei, das unüberriechbar gedüngt wurde. „Meine Frau kann das gar nicht ab, die macht da sofort die Fenster zu, obwohl sie aus einer Gegend in ihrer Heimat Thailand kommt, wo es ebenfalls viel Landwirtschaft gibt. Ich sag’ dann, das ist halt Landluft.“ Er sei dort lieber auf dem Land unterwegs, seine Frau dagegen in den Städten. Hat er selbst einen Bezug zur Landwirtschaft? Na ja, mit den Eltern einst, Ferien auf dem Bauerhof, an der Nordsee.

Der Blick fällt auf den derzeit entstehenden Neubau am Ortseingang des Netto-Markts. Läden gebe es hier ja recht wenige, die Idee des Regalladens, der leider gescheitert sei, mit einem Sortiment von einheimischen Anbietern, findet er gut. Von der „Bretterbude“ in Steinach dagegen ist er nicht angetan. Es müsse doch möglich sein, zumindest für jeden größeren Teilort etwas hinzubekommen, „das vernünftig aussieht“. Er verweist auf Thailand, die dortigen „7-Eleven“-Minimärkte, die ursprünglich von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends geöffnet waren, mittlerweile sind es viele von ihnen rund um die Uhr.

Irgendwie kommt das Gespräch beim Halt an der Netto-Baustelle auf das Thema Corona, und es bleibt, wie auch der Spaziergang überhaupt, dort „stecken“. „Eigentlich“ sei er ja kein Gegner der Maßnahmen, so Reymann, der der Partei „dieBasis“ angehört, eine Sammelbewegung der „Querdenker“, und für die er bei der Landtagswahl im Wahlkreis Backnang kandidiert hat (1,3 Prozent). Aber er bezweifle schon, dass alle Schutzmaßnahmen richtig gewesen seien. Die Abstandsregel halte er für vernünftig.

Zur Vorschrift, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, habe er „über 40 Studien gelesen“. Alle besagten eines: dass das schädlich für den Träger sei. Aha, und wie ist das bei ihm selbst? Also, er sei „wegen Atemnot“ per Attest vom Arzt davon befreit, eine Maske tragen zu müssen. Und was hält er vom Impfen? Das solle freiwillig sein und bleiben, und es müsse jeder vorher „alle Infos“ dazu haben. Was meint er damit? Na ja, es gebe eben auch Virologen, die sagten, Impfen schütze nur davor, dass die Infektion einen schweren Krankheitsverlauf nimmt. Das sei aber in ARD und ZDF nie so richtig gesagt worden. „Ich finde, man sollte sich immer alles selbst anschauen, nicht alles glauben, was einem gesagt wird.“

Er war bei drei „Querdenker“-Demos auf dem Wasen in Stuttgart

Reymann berichtet von sich aus, dass er im vergangenen Jahr bei drei „Querdenker“-Demos auf dem Wasen war, sich das „angeschaut“ habe, mit anderen dort gesprochen habe. Auf Nachfrage räumt er ein, dass er da „natürlich“ auch Teilnehmer war. Gab es die Demos zu Recht? Also das Recht zu demonstrieren, das Recht, öffentlich seine Meinung kundzutun, sei ja nicht umsonst einer der ersten Paragrafen im Grundgesetz. Das sei überhaupt der „rote Faden“ und „der Gewaltverzicht“: „Wir haben ja einen Zivilisationsstand erreicht, bei dem man bei Streit über Gewalt hinweg sein müsste.“ Aber noch mal: Seiner Ansicht nach seien die Coronamaßnahmen der Bevölkerung „nicht richtig erklärt“ worden, „also warum und wieso sie so erfolgten“.

In der Partei seien 80 Prozent „konservative Grüne“

Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, der die Bundesregierung und die Landesregierungen insbesondere bei Infektionskrankheiten berät, derzeit bei der Eindämmung der Covid-19-Pandemie, sei ja Tierarzt: „Was der sagt, zweifle ich erst mal an.“Die bestehenden Meinungsunterschiede zwischen verschiedenen Virologen hätten auch in den ganzen Talkrunden im Fernsehen auch so dargestellt werden müssen, findet Reymann. Wurden sie das denn nicht? „Nein. Es gab dort keinen Dialog der Wissenschaftler. Es kamen immer nur Politiker zu Wort.“ Sind denn aus seiner Sicht die Maßnahmen zu weit gegangen? Bevor man so weitreichende Einschränkungen beschließt, hätte man sich erst mal mit den Vertretern anderer Länder, die es anders gemacht haben, etwa Schweden, austauschen müssen, findet Reymann.

Ist er erst über die Pandemie darauf gekommen, sich politisch zu engagieren? Reymanns Antwort: In seiner Partei seien 80 Prozent „konservative Grüne“. Auf den „Querdenker“-Demos seien ja auch Linke gewesen. Der Antifa habe man Redezeit angeboten, die sei aber von der nicht angenommen worden. Stattdessen habe die in Richtung von Hare-Krishna-Anhängern geschrien „Nazis raus!“. Das sei sehr seltsam, ja geradezu absurd gewesen und so etwas verstehe er eben nicht unter gegenseitiger „Achtsamkeit“.

„Es gibt fast nichts Schöneres als Kindergeräusch“, meint Joachim Reymann beim Start des Spaziergangs mit ihm an der Nachbarschaftsschule. Eigenen Nachwuchs hat er nicht, aber reichlich Neffen in der Verwandtschaft seiner Frau. Es ist offenbar gerade Pause in der Schule, die Kinder tollen draußen herum und vom angrenzenden Hügel herab bietet sich in der Tat bei herrlichem Sommerwetter ein fast schon zu idyllisches Bild. „Geniale Schule in genialer Lage“, fasst es Reymann

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