Berglen

Er setzt auf Schwarmintelligenz: Joachim Reymann von der Partei „dieBasis“ zu seiner Bürgermeisterkandidatur

Joachim Reymann
Joachim Reymann an einem Ort in den Berglen, an dem er schon mal war und den er mag: Der Waldspielplatz bei Kottweil. © Benjamin Büttner

Er ist jüngst für die Berglener schon mal zur Wahl gestanden, bei der Landtagswahl im Wahlkreis Backnang als Kandidat für die Partei „dieBasis“ (1,3 Prozent). Nun bewirbt sich Joachim Reymann für das Amt des Berglener Bürgermeisters.

Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist Reymann in Mühlacker im Enzkreis. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Sparkassenversicherung in Stuttgart, wo er anschließend mehrere Jahre arbeitete. Nach dem Mauerfall baute er in Dresden eine Filialdirektion und eine Hauptgeschäftsstelle mit auf. Seit 2000 ist er, bis auf eine Unterbrechung, während der er Angestellter war, selbstständig als Versicherungsmakler, seit 2016 „Ökonomiecoach“, berät für die Aszent AG in Karlsruhe, ein Investmentfondspezialist, Privatanleger im Rems-Murr-Kreis.

Reymann, 58, wohnt in Neustadt und ist verheiratet. Kinder hat das Paar nicht, dafür hat er reichlich Neffen und Nichten, denn seine Frau, die aus Thailand stammt, hat eine große Verwandtschaft, „da ist also immer jede Menge Betrieb“, berichtet er schmunzelnd. Falls er gewählt würde und damit ein Umzug nach Berglen anstünde, was für ihn außer Frage steht, stünde noch Überzeugungsarbeit bei seiner Gattin an.

Welchen Bezug hat er zu Berglen? Er verweist darauf, dass einige seiner Parteifreunde in Berglen wohnen, von denen sei er zur Kandidatur ermuntert worden, mit dem Versprechen natürlich, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. Außerdem kenne er Berglen von Wochenendausflügen mit seiner Frau, vor allem die „hoch gelegenen“ Orte dort mit ihrer traumhaften Fernsicht haben es ihm angetan. Im Linsenhof war er auch mal und er kennt den Waldspielplatz bei Kottweil, schlägt diesen als Ort fürs Interviewfoto vor. Er hat die jüngste Sitzung des Gemeinderats besucht. Sein Eindruck von Berglen sei der einer „gesegneten“ Gemeinde mit ihrer Lage, Landschaft und offenbar auch einigem Wohlstand. Die Sitzung sei aus seiner Sicht „sehr effektiv“ abgelaufen, alle Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter seien bemüht gewesen, zügig zusammen Lösungen zu finden. Die letzte Gemeinderatssitzung davor, die er besuchte, liege über 20 Jahre zurück, das sei noch in Mühlacker gewesen.

Partei gilt als Sammlungsbewegung der „Querdenker“

Welche Kontakte hat er bislang nach Berglen? „Eben die genannten Parteimitglieder, darüber hinaus nicht.“ Hat er wirklich Interesse an der Kommunalpolitik, deren kleinen, oft mühsamen Schritten? „Durchaus, ich bin der Meinung, dass Veränderungen, die es dringend braucht, nur von unten nach oben gehen, damit sie akzeptiert werden.“ Er nennt dazu auch gleich Beispiele: Zwei „Problemstellungen“ habe er in der genannten Sitzung mitbekommen.

Erstens, dass Eltern in einem Neubaugebiet () seit langem dort auf einen Kinderspielplatz warten. Zweitens, dass es auch dort Lärmbelästigungen durch Motorradfahrer und deswegen eine Flyeraktion gibt. Hat er eine Idee, wie man dem abhelfen könnte? Ja, also die Strecke zum Sandwerk hoch) habe er sich mal angeschaut. Lärmschutzmaßnahmen täten not, infrage kämen eventuell aber auch ein anderer Straßenbelag oder Fußgängerüberwege mit Überhöhungen, die Raser abbremsen, so Reymann.

 Für all das bräuchte er auch den Gemeinderat, hat er denn Kontakt zu den Fraktionen in diesem? „Das will ich als Nächstes machen, außerdem einige Betriebe in Berglen besuchen.“ Er wisse ja, dass es in Kommunen „praktischer“ ablaufe als etwa im Bundestag. Er sei zwar selbst Kandidat einer Partei, aber „am sympathischsten“ seien ihm die „Unabhängigen“: „Eigentlich sind wir eine Wertegemeinschaft, die notgedrungen eine Partei ist.“ Eine Partei, die als Sammlungsbewegung der „Querdenker“ gilt.

Vier „Säulen“ seien dort die gemeinsame Basis: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz. Was heißt das konkret? Also das Thema Freiheit sei ja in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes geregelt. Machtbegrenzung heiße für ihn, dass er als Bürgermeister ja nicht derjenige wäre, der Entscheidungen treffen würde, sondern derjenige, der sie umzusetzen hätte, „wobei meine Meinung aber natürlich auch in den Entscheidungsfindungsprozess einfließen würde“.

Aber wie und wo käme man denn zu Entscheidungen? Über Gemeindeversammlungen und ein Abstimmungstool zum Beispiel auf der Gemeindehomepage, so Reymann. Wie funktioniert das? Vieles lasse sich doch nicht einfach mit „ja“ oder „nein“ entscheiden. Man könne aber so den „Widerstandswert“ auf einer Skala von 0 bis 10 messen, oder andersherum gesagt, den „Akzeptanzwert“.

Beispiel Spielplatz: Gemeinde solle Knowhow der Fachleute nutzen

Den von den Bürgern wie der Bürgermeister ebenfalls gewählten Gemeinderat nennt er in diesem Moment von sich aus nicht. Auf Nachfrage gesteht er diesem die Aufgaben zu, die Meinungen der Bürger zu vertreten, diese zu informieren und Kompromisse auszuhandeln. Beim Begriff „Schwarmintelligenz“ kommt er auf das Beispiel Spielplatz zurück. Es gebe in Berglen ja einen Sportplatzbauer und Handwerksfirmen. Diese würden sich mit so etwas auskennen, deren Fachkenntnisse müsse sich die Gemeinde bei der Umsetzung auf ihre Vorschläge hin zunutze machen. Natürlich gehöre zur „Schwarmintelligenz“ auch, den Gemeinderat und die Verwaltungsmitarbeiter einzubeziehen, um gemeinsam herauszufinden, „wo der Schuh drückt“.

Deutschland brauche ein „gescheites“ Einwanderungsgesetz

Wo verortet er sich selbst im Parteienspektrum? „Ich bin linkskonservativ, wenn es das gibt“, so Reymann nach kurzem Überlegen lächelnd. Er sei zum Beispiel absolut gegen Stuttgart 21 und Deutschland brauche endlich ein „gescheites“ Einwanderungsgesetz: „Warum wandern denn so viele deutsche Fachkräfte aus?“, ergänzt er. Er gehe nicht davon aus, dass alle Flüchtlinge, die 2015 Asyl bekommen haben, wirklich geprüft worden seien. Es müsse endlich aufhören damit, „die Dritte Welt auszubeuten“. Oha, aber wie hält er es denn selbst mit Flüchtlingen, Ausländern? Er verweist auf die Herkunft seiner Frau und dass sie in Italien Freunde haben.

Betreibt er Wahlkampf? Er habe die Unterstützung vom Kreisverband der Partei, werde Flyer verteilen, plakatieren und an den Wochenenden in die Orte gehen, versuchen, mit den Bürgern dort ins Gespräch zu kommen. Wie beurteilt er seine Wahlchancen? „Ich habe keine Ahnung. Das ist schwer einzuschätzen. Es ist meine erste Kandidatur für das Bürgermeisteramt.“ Der Wunsch und auch die Erwartung sei schon, dass es zumindest für die „Stichwahl“ reiche. Hoppla. Er ist offenbar bislang der irrigen Meinung (gewesen), dass nur die beiden Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekommen haben, zum zweiten antreten dürfen. Dass er zu den beiden gehören wird, da sei er sehr optimistisch, „denn sonst würde ich nicht antreten“.

Reymann verweist darauf, dass Maximilian Friedrich 2012 mit nur 25 Jahren gewählt wurde, also das sei doch auch eine große Überraschung gewesen. Aber er hat doch mehr als doppelt so viele Jahre auf dem Buckel? Ja schon, aber das sei auch gut so in so einer verantwortungsvollen Position. Er kommt hier auf die „Säule Achtsamkeit“ zu sprechen. In Deutschland müsse sich nämlich an der Art des Zusammenlebens etwas ändern und die Kommunen seien dafür der erste Ansatzpunkt - „so wie die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, sind sie die Keimzellen des Staates“.

Fehlende Verwaltungserfahrung sieht er nicht als Nachteil

Was sind seine Hobbys? Er sei in keinem Verein mehr, betreibe aber Gesundheitssport, früher mal Taekwondo und Karate, ganz früher natürlich Fußball, habe gerne historische Romane gelesen. Bei einer 40-bis 60 Stunden-Arbeitswoche und seit er in der Partei aktiv sei, liege aber alles auf Eis. „Ich sehe mich als Quereinsteiger. Das hat den Vorteil, dass man Ideen, Vorschläge hat, auf die andere nicht gleich kommen.“ Zur fehlenden Erfahrung in öffentlicher Verwaltung verweist er wieder auf das Argument „Schwarmintelligenz“: „Es gibt ja schon genug Leute dort, die wissen, wie der Hase läuft.“

Er ist jüngst für die Berglener schon mal zur Wahl gestanden, bei der Landtagswahl im Wahlkreis Backnang als Kandidat für die Partei „dieBasis“ (1,3 Prozent). Nun bewirbt sich Joachim Reymann für das Amt des Berglener Bürgermeisters.

Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist Reymann in Mühlacker im Enzkreis. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Sparkassenversicherung in Stuttgart, wo er anschließend mehrere Jahre arbeitete. Nach dem

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