Berglen

Frau Merkel mag er gar nicht: Albert Krauß ist als Kandidat fürs Berglener Bürgermeisteramt ein absoluter Quereinsteiger

Albert Krauß
Albert Krauß im Gespräch auf dem Spielplatz unterhalb der Mauritiuskirche. © Joachim Mogck

Er sei schon sehr lange politisch interessiert, so Albert Krauß auf die Frage, wie er auf die Idee zur Kandidatur fürs Bürgermeisteramt in Berglen gekommen ist. Das habe angefangen, als er als Mitglied der Jungen Union zusammen mit den Mitstreitern dort die Wahl von Manfred Rommel zum Stuttgarter Oberbürgermeister tatkräftig unterstützt habe, so der 62-Jährige, der in Fellbach wohnt.

Hat er mal daran gedacht, zum Beispiel für den Gemeinderat zu kandidieren?? Er lacht: „Nein, ich hatte ja immer das Problem, dass ich finanziell nicht unabhängig bin. Ich musste ja mein Geld verdienen.“ Krauß, aufgewachsen in Stuttgart, hat einst eine Lehre zum Speditionskaufmann absolviert, arbeitete danach als Fuhrunternehmer, selbstständig oder als Angestellter, worunter in seinem Fall auch Taxifahrer zu verstehen ist.

Er ist als Bewerber ein absoluter „Quereinsteiger“, sieht er sich denn als „Spaßkandidat“, die es bei Bürgermeisterwahlen ja immer wieder gibt? „Absolut nicht“, versichert er. Er lebe alleine, werde den Job, so er denn gewählt werde, voll ausfüllen, „das kann dann auch ruhig mal eine 60-Stunden-Woche werden“.

Beim Thema Rente gerät er in Rage

Woher kommt sein Interesse an der Politik? Ihn ärgere eben, dass die Politiker die Bürger „verar...“. Da würden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden könnten. Welche zum Beispiel? Also in der Asylpolitik zum Beispiel, genauer der Satz „Wir schaffen das“. „Sie wissen schon, von wem der ist“. Was hat er gegen Angela Merkel? Die sei vom Volk gewählt worden, mache aber Politik vor allem „für ihre Landsleute Ost“. Wie meint er das? Na ja, an den Renten. Es könne doch gar nicht sein, dass die im Osten so hoch wie die im Westen seien, wenn die dort überhaupt nicht oder bei weitem nicht so lange eingezahlt haben wie die Leute hier. „Wie soll das denn funktionieren?“ Überhaupt, die Renten, das Geld würde ja für die reichen, wenn nicht es „nicht für andere Sachen zweckentfremdet würde“. Bevor er sich weiter aufregt, räumt er aber wieder lachend ein, dass auch ihm klar sein, dass sein „Arm“ als Bürgermeister nicht bis Berlin in die Regierung reichen würde, um daran was zu ändern.

Wie sieht er selbst seine politische Ausrichtung? „Heute völlig neutral, genauer, ich habe mich neutral gemacht.“ Er habe bei verschiedenen Wahlen verschiedene Parteien gewählt, die CDU vor allem während der Zeit seiner Selbstständigkeit, sei dann aber von ihr enttäuscht gewesen, „vor allem von Frau Merkel“. Außerdem „auf jeden Fall nicht die AfD“. Er kenne ein paar Leute, die laut nach denen schreien würden. „Denen fehlt ein bisschen der historische Horizont.“ Was meint er damit? Na, wie es vom Ende der Weimarer Republik zum Zweiten Weltkrieg gekommen sei. Sympathisiert er mit den Grünen? „Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.“ Die „Sache“ mit der Freigabe von Sex mit Kindern, „da bin ich schier geplatzt damals“. Die SPD? „Ja, wenn sie volksnäher wäre“. Vom Volk habe die sich vor allem in der Zeit von Schröder entfernt, mit dessen Politik für Reiche.

Tante hatte einst Gartengrundstück in Birkenweißbuch

Interessiert er sich eigentlich auch für Kommunalpolitik, die Grundvoraussetzung schlechthin im Amt des Bürgermeisters? Er sei auf dem Laufenden, lese in Fellbach abwechselnd die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten sowie das dortige Amtsblatt der Stadt, um auf dem Laufenden zu sein. Wie kam er darauf, ausgerechnet in Berglen zu kandidieren? Vom Durchfahren. Und er habe eine Tante gehabt mit einem Gartengrundstück in Birkenweißbuch, dort sei er als Kind sehr oft gewesen, daran habe er viele Erinnerungen, auch weil er von dort aus mit seinem Vater zum Fischen in der Blinden Rot bei Gschwend gestartet sei.

 Traut er sich eigentlich das Amt tatsächlich zu? Natürlich, er habe als Fuhrunternehmer und Spediteur immer Verantwortung für seine Leute getragen, „dann krieg' ich das als Bürgermeister doch auch hin.“ Wie waren denn die Reaktionen in seinem Umfeld auf die Kandidatur? Also sein Sohn, „wenn der das wüsste, der würde sich an den Kopf langen“. Eine seiner beiden Töchter dagegen habe gemeint, „mach das, das ist genau das Richtige für dich.“Auch die Freunde hätten ihn ermuntert, er sei doch „der geborene Diplomat“. Echt jetzt? Ja, er wisse, dass er mit seiner Art erst mal nicht den Eindruck mache, aber unter der rauen Schale verstecke sich ein sehr sozialer Kern. „Aber um das zu wissen, muss man mich erst mal richtig kennenlernen.“

Noch mal, was ist sein Bezug zu Berglen? Er zögert, rückt endlich damit heraus: Sein Sohn, der in Stuttgart bei der Polizei arbeitet, hat in Oppelsbohm gebaut. Warum sagt er das jetzt erst? „Ich will den Vorteil nicht ausnutzen.“ Stichwort „soziale Ader“, inwiefern, für wen? Für Kinder zum Beispiel? Er lacht, „ja klar, ich habe ja selbst drei und ich hoffe doch, dass die mal meine Rente bezahlen, so Gott will“.

Er hat aber wirklich ein Beispiel, er habe sich nämlich über etliche Jahr um eine ältere Nachbarin gekümmert, die keine Verwandten mehr hatte, habe für die eingekauft, sei mit ihr zum Arzt gefahren, habe mit ihr ihre Bekannte besucht. Wie schätzt er denn selbst seine Wahlchancen ein? Also er kenne eigentlich nur welche, die es ihm zutrauen. Nein, jetzt aber im Ernst: „Ich lass mich überraschen.“

Er sei schon sehr lange politisch interessiert, so Albert Krauß auf die Frage, wie er auf die Idee zur Kandidatur fürs Bürgermeisteramt in Berglen gekommen ist. Das habe angefangen, als er als Mitglied der Jungen Union zusammen mit den Mitstreitern dort die Wahl von Manfred Rommel zum Stuttgarter Oberbürgermeister tatkräftig unterstützt habe, so der 62-Jährige, der in Fellbach wohnt.

Hat er mal daran gedacht, zum Beispiel für den Gemeinderat zu kandidieren?? Er lacht: „Nein, ich hatte

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