Berglen

Großes Baugebiet in Berglen-Steinach: Rund 100 neue Wohneinheiten geplant

Baugebiet Pfeiferfeld
Am östlichen Ortsrand Richtung Kottweil, rechts von der Kreisstraße nach Birkenweißbuch, ist das Gebiet geplant. © Gabriel Habermann

Das nächste große Baugebiet in Berglen, Pfeiferfeld in Steinach, am östlichen Ortsrand Richtung Kottweil, ist beschlossene Sache. Der Gemeinderat hat den im Zuge des Bebauungsplanverfahrens entscheidenden Schritt getan, nach Abwägung der zuvor eingegangenen Stellungnahmen, den Satzungsbeschluss gefasst - mehrheitlich, mit elf Jastimmen, bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

In der öffentlichen Sitzung dazu gab es keine Diskussion mehr, wohl im stillschweigenden Tenor, dass alles bereits gesagt worden ist, in mehrfachen Beratungen der Planung. Was aber nicht heißt, dass das Gebiet unumstritten ist, weder im Gremium noch in der Steinacher Einwohnerschaft, vor allem wegen seiner Ausmaße. Immerhin gab die SPD-Fraktion durch ihre Sprecherin Susanne Reichart zu Protokoll, sie wolle schon noch mal darauf hinweisen, dass die SPD sich nach wie vor schwertue mit der Größe des Gebiets. Ja, es gebe Gründe für ein weiteres Neubaugebiet und ja, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei weiterhin ein Thema. Aber es sei doch schon die Frage, ob und wie weit das an dieser Stelle geschafft werde, angesichts dessen, dass dort vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser geplant seien. Auch der Flächenverbrauch sei kritisch zu sehen. Wegen der Bedenken dazu könne die SPD nicht zustimmen. Auch von Ullrich Kraus, FBB, kam bei der Abstimmung ein Nein.

Bauamtsleiter verspricht Poller, die die Durchfahrt verhindern

Zuvor hatte in der Bürgerfragestunde ein Anwohner der angrenzenden Tannenstraße an eine Zusage der Gemeinde erinnert, auf deren Einhaltung gepocht, nämlich dafür Vorsorge zu treffen, dass das künftige Neubaugebiet nicht über die bestehende Bebauung, von den dortigen Straßen her, angefahren werden kann. Nur entsprechende Schilder, die das untersagen, aufzustellen, werde nicht ausreichen: „Schilder sind geduldig, die Erfahrung zeigt, dass sie in der Praxis missachtet werden.“ Es werde nicht bei Schildern alleine bleiben, sondern zusätzlich würden Poller dafür sorgen, dass die Durchfahrt gesperrt, also nicht möglich sein werde, entgegnete Bauamtsleiter Reiner Rabenstein, was er ausdrücklich als Versprechen wissen wollte. Die erforderliche straßenrechtliche Anordnung dafür werde kommen, das garantiere er.

Bei diesem zwar wichtigen, aber doch marginalen Aspekt und damit der einzigen Nachfrage blieb es in der Bürgerfragestunde. Dabei war eine ganze Reihe von weiteren künftigen Nachbarn da, die durchaus noch weitere Kritikpunkte hatten – wie sich nach der Sitzung draußen vor der Halle herausstellte. Auch dort war die Größe des Gebiets Thema. Ebenfalls im Visier: die geplante Erschließung von der Kreisstraße nach Kottweil her, genauer, dass für die Verbindung von der Straße zum Gebiet ein Biotop leiden wird.

Tenor dort war auch, dass es zu der Erschließung „außen herum“ eh keine Alternative gebe angesichts der voraussichtlichen Zahl an neuen Gebäuden, damit neuen Einwohnern und damit wiederum zusätzlichen Fahrzeugen und Fahrten von und zu dem Gebiet. Sprich, diese hätten die bestehenden Straßen eh nicht verkraften können.

Das wiederum führt zur Klage, dass, wenn man die bisherige Einwohnerzahl von Steinach zum Vergleich nehme, mit dem Neubaugebiet geradezu ein eigener neuer Ortsteil entstehe, der eigentlich entsprechende Infrastruktur erfordere, zum Beispiel zusätzliche Kinderbetreuungsplätze, aber auch Einkaufsgelegenheiten vor Ort, die bisher in Steinach fehlen. Wie gesagt: all dies „vor der Tür“.

Drinnen waren zwar auch alle beteiligten Planer versammelt vor Ort, bereit, erneut zu erläutern. Sie wurden aber nichts gefragt, auch nichts zu den vorliegenden, gesammelten Stellungnahmen von Behörden und Verbänden, die es abzuwägen galt, also bloß zur Kenntnis zu nehmen oder zu berücksichtigen, einzuarbeiten. Laut Verwaltung hatten sich durch die Stellungnahmen aber ohnehin keine wesentlichen Änderungen mehr am Bebauungsplan ergeben.

Regierungspräsidium: Bis 2035 ist damit der Wohnbauflächenbedarf abgedeckt

Das Regierungspräsidium verweist auf die nach wie vor geltende Beschränkung Berglens auf Eigenentwicklung. So sei nach derzeitigem Stand davon auszugehen, dass die Planung den Wohnbauflächenbedarf bis zum Jahre 2035 abdecke, das sei im Hinblick auf künftige Flächenentwicklungen von besonderer Bedeutung. Der Verband der Region Stuttgart merkt ebenfalls an, dass das Gebiet gegebenenfalls im Rahmen der Fortschreibung des Flächennutzungsplans zu berücksichtigen und mit zu bilanzieren sei. Entstehen soll eine Wohnbaufläche von rund drei Hektar (Allgemeines Wohngebiet), das bislang nicht im seit 2005 geltenden Flächennutzungsplan dargestellt ist.

Auch die Gebiete Hanfäcker und Unterer Hohenrain noch nicht im FNP

Der Verband hat für Berglen überschlägig einen Wohnbauflächenbedarf bis 2035 von 4,1 Hektar ermittelt. Auch die Gebiete Hanfäcker in Rettersburg und Unterer Hohenrain in Hößlinswart, insgesamt 1,3 Hektar Wohnbaufläche, stehen noch nicht im FNP. All dies sei in der nächsten Fortschreibung zu berücksichtigen, so der Verband. Auch er geht daher davon aus, dass mit Pfeiferfeld Berglen sein Potenzial bis 2035 „nahezu vollständig“ ausgeschöpft habe.

100 Wohneinheiten entsprechen statistisch etwa 210 neuen Einwohnern

Bei Gemeinden mit Eigenentwicklung ist von Seiten der Region eine „Bruttowohndichte“ von mindestens 50 Einwohnern pro Hektar eine Vorgabe. Laut Bebauungsplan können in Pfeiferfeld rund 100 neue Wohneinheiten entstehen. Macht bei drei Hektar und einer statistischen Belegungsdichte von 2,1 Einwohnern pro Wohneinheit (was wiederum insgesamt rund 210 Einwohnern entsprechen würde) 70 Einwohner pro Hektar, also eine höhere Bewohnerdichte als vorgegeben.

Aufgrund einer Gesetzesänderung ist von der Gemeinde für ein Baugebiet erstmals ein sogenanntes Erdmassenausgleichkonzept gefordert, das sie dem Landratsamt vorlegen muss. Es soll überschüssiger Erdaushub bei der Erschließung vermieden werden.

Das nächste große Baugebiet in Berglen, Pfeiferfeld in Steinach, am östlichen Ortsrand Richtung Kottweil, ist beschlossene Sache. Der Gemeinderat hat den im Zuge des Bebauungsplanverfahrens entscheidenden Schritt getan, nach Abwägung der zuvor eingegangenen Stellungnahmen, den Satzungsbeschluss gefasst - mehrheitlich, mit elf Jastimmen, bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

In der öffentlichen Sitzung dazu gab es keine Diskussion mehr, wohl im stillschweigenden Tenor, dass

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