Berglen

Herbstputz: Der BUND und Helfer haben den Gehölzlehrgarten bei Hößlinswart winterfest gemacht

Um die Nistekästen zu reinigen, ging es hoch auf die Leiter.
Um die Nistkästen zu reinigen, ging es hoch auf die Leiter. © Uwe Speiser

Dicker Nebel hat sich hartnäckig über die Landschaft gelegt, die klamme Kälte der Nacht lässt frösteln und von den in allen Gelb-, Rot- und Brauntönen leuchtenden Blättern der Laubbäume und Gehölze tropft Feuchtigkeit auf den eh schon übersatten Erdboden - noch herbstlicher als am Samstagmorgen können sich die Berglen schwerlich präsentieren. Im Gehölzlehrgarten in Hößlinswart, am Waldrand Richtung Mannshaupten, wird die Naturidylle jäh abgewürgt durch das Rätschen eines Hochentasters, Hämmern, Surren einer Sichel und lebhaftes Erzählen und Lachen.

Natürlich werde der Gehölzlehrgarten mit seinen knapp 90 Bäumen das Jahr über regelmäßig gepflegt, schon um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, berichtet Martin Schupp, der Vorsitzende des BUND Berglen. Aber einmal im Jahr sind die Vereinsmitglieder zum Arbeitseinsatz aufgerufen, um gemeinsam die Pflegearbeiten zu bewältigen: herabgefallene Äste aufsammeln oder die mit dem Hochentaster entfernen, die bald herunterfallen würden, Begrenzungshecken zurückschneiden, an Bäumen die Nummern und die Pfosten mit den Schildern kontrollieren, nachmalen, den Schaukasten putzen, das Schnittgut und Laub aufsammeln - mehr als genug Arbeit für die 18 Helfer aus den Reihen der circa 160 örtlichen BUND-Mitglieder.

Das Grundrecht auf Wohnen wird mit Zähnen und Klauen verteidigt

Familie Jurda, die mit ihren sieben und zehn Jahre alten Buben antritt, hat die Aufgabe, die auf dem Gelände verteilten Nistkästen zu reinigen. Eine Arbeit, die es in sich habe, meint Schupp. Nicht nur, dass eine(r) stets die Leiter sichern muss, wenn sich die oder der andere in die Höhe wagt, es kommt auch immer wieder mal vor, dass sich ein Siebenschläfer einen der Nistkästen als Eigenheim aussucht. Wenn der dort gestört wird, verteidigt er fauchend und bisweilen auch unter Einsatz der Zähne sein Grundrecht auf Wohnen. Bei Arbeitseinsatz zum ersten Mal dabei ist Beate Lachenmaier, ein neues Mitglied im BUND. Sie liebe die Natur, erklärt sie ihr Engagement, und der Gehölzlehrpfad ermögliche es den Besuchern nicht nur, die einzelnen Baum- und Gehölzarten kennenzulernen, sondern auch die Zusammenhänge zu verstehen, ja mitzuerleben, wie in der Natur alles zusammenwirke: wie das Totholz von Pilzen besiedelt und zersetzt werde, wie es zerfalle und sich allmählich der Humus Schicht für Schicht aufbaue.

Für den Einsatz von Hochentaster und Motorsäge ist Günter Blessing zuständig. Als Nebenerwerbslandwirt verfügt er über die notwendige(n) Sachkunde und Nachweise. Der Gehölzlehrgarten wachse schließlich nicht nur kontinuierlich, weil er um den jeweiligen Baum des Jahres erweitert werde, es müssten immer wieder mal auch unerwünschte Ansiedler entfernt werden, erklärt er. Ausreichend Licht und Luft seien Lebensgrundlagen der Pflanzen.

 Allmählich werde es auf dem Gelände eng, merkt Schupp an. Der Lehrgarten wurde zu Beginn der 80er Jahre angelegt. Die Jungbäume sind seitdem kräftig gen Himmel gewachsen. Die Bäume wurden damals beschildert und zwei Sitzgruppen aufgestellt, ein Zaun zum Schutz vor Wildverbiss gezogen.

Es gab Führungen, doch im Laufe der Zeit sei diese „lebende Sammlung“ in Vergessenheit geraten, so Schupp. Wiederentdeckt wurde das Gelände im Zusammenhang mit dem 1998 eröffneten Naturschutz-Rundgang. Der BUND und der Obst- und Gartenbauverein Hößlinswart lichteten es gemeinsam aus. Bei der Vermessung der Anlage und der Kartierung der Bäume half die Waldorfschule Engelberg, bei der Anlage des Rundweges und der Sitzgruppen die Bauhöfe des Forsts und der Gemeinde, bei der Neubestimmung der Bäume die Uni Hohenheim.

Eine schöne Sache und nach etwa 40 Jahren an der Zeit wäre es, plant Schupp beim gemeinsamen Vesper zum Abschluss bereits, wenn der Gehölzlehrgarten als lebendes Nachschlagewerk auf das Nachbargrundstück, das in Gemeindebesitz ist, expandieren könnte, und so noch mehr an Attraktivität gewinnen würde.

Dicker Nebel hat sich hartnäckig über die Landschaft gelegt, die klamme Kälte der Nacht lässt frösteln und von den in allen Gelb-, Rot- und Brauntönen leuchtenden Blättern der Laubbäume und Gehölze tropft Feuchtigkeit auf den eh schon übersatten Erdboden - noch herbstlicher als am Samstagmorgen können sich die Berglen schwerlich präsentieren. Im Gehölzlehrgarten in Hößlinswart, am Waldrand Richtung Mannshaupten, wird die Naturidylle jäh abgewürgt durch das Rätschen eines Hochentasters,

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