Berglen

Hochstapler: Im Potsdamer Amtsgericht ist er ein alter Bekannter

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Leutenbach/Stuttgart. Die Leutenbacher Handwerksfamilie, die auf einen aus Potsdam stammenden Hochstapler reingefallen ist, ist nur das (bislang) letzte Glied einer Kette. Der 36-Jährige, dem am Landgericht Stuttgart Betrug in zwei Fällen, Diebstahl und Urkundenfälschung vorgeworfen wird, hat ein langes Vorstrafenregister, das am dritten Prozesstag verlesen wurde.

Los ging es, einigermaßen harmlos, 2002 mit zwei Verurteilungen wegen Fahrens ohne Führerschein. Die Delikte, für die er ab dem Jahr darauf verurteilt wurde, waren schon im Wesentlichen die gleichen, um die es im Leutenbacher Fall geht: Urkundenfälschung, Betrug, außerdem Amtsanmaßung. Der Mann wurde in den Amtsgerichten Potsdam und Brandenburg allmählich zu einem guten alten Bekannten.

Ab Fall Nummer sieben, 2006, gab es allerdings keine Geldstrafen mehr, sondern Haft auf Bewährung, aber ebenfalls offenbar ohne Wirkung auf den Mann. Es ging im gleichen Stil weiter, allerdings gesellten sich auch noch Veruntreuung und Unterschlagung dazu. Nach einem „Ausflug“ nach Süddeutschland, nämlich ans Amtsgericht Bamberg, lernte ihn auch das Amtsgericht Tiergarten in Berlin kennen.

Irgendwann war aber auch keine Bewährung mehr drin. Er bekam zwei Jahre und sechs Monate als Gesamtstrafe – weil er in der Bewährungszeit wieder Straftaten begangen hatte – aufgebrummt, musste einrücken. Das war 2015 und erklärt, warum er in Stuttgart aus der Haft vorgeführt wird. Er sitzt in der JVA Berlin-Plötzensee ein, darf aber während seines Stuttgarter Prozesses Stammheimer Zellenluft schnuppern. Im Gegensatz zu seiner Anwältin übrigens, die, je nach Dauer der Pause zwischen den Verhandlungstagen, immer wieder von Berlin ein- und zurückfliegt, oder eben in Stuttgart angemessen übernachtet, was beides, weil sie als Pflichtverteidigerin agiert, der Staat zahlt, also die Steuerzahler. Der Richter der achten Großen Strafkammer am Landgericht hatte übrigens am ersten Prozesstag noch die Hoffnung, ja sogar die Erwartung geäußert, am gleichen Tag das Urteil verkünden zu können. Vorsichtshalber angesetzt sind fünf Prozesstage.

Fall für das Landgericht

Wahrscheinlich erklärt das Vorstrafenregister auch, warum der Leutenbacher Fall am Landgericht gelandet ist, denn für sich allein genommen dürften die Anklagepunkte kaum schwerwiegend genug sein, um den Angeklagten für vier oder mehr Jahre Haft zu verurteilen, ab denen ein Amtsgericht nicht mehr zuständig ist. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, hat der Angeklagte also wieder mit einer Gesamtstrafe zu rechnen, die möglicherweise diese Grenze überschreitet.

Zum Verlesen der Vorstrafen gab es auch so manches „Schmankerl“ aus einigen Fällen. Der Mann gab sich unter anderem als Beschäftigter von Daimler aus, fälschte dabei den Firmenstempel. Er behauptete, eine Firma mit seinem Namen zu besitzen und zu leiten, die es gar nicht gab. Er schickte einem Gericht ein gefälschtes Attest der Charité, um nicht zur Verhandlung erscheinen zu müssen. Er gab sich als Insolvenzverwalter aus, gegenüber einem Knastbruder, der wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung einsaß, und schaffte es tatsächlich, von ihm den Auftrag zu bekommen, für diesen das Insolvenzverfahren weiterzubetreiben. Er fälschte in dem Zug einen Brief und das Dienstsiegel des betreffenden Gerichts. Er machte arbeitslosen Frauen weis, er könne für sie zusätzliche Unterstützungsgelder besorgen, fälschte dazu vermeintlich amtliche Schreiben und verlangte von seinen Opfern eine „Bearbeitungsgebühr“. Die Zusatzstütze kam nie, die „Gebühr“ blieb verschwunden.

Es gibt allerdings ein, schon einige Jahre zurückliegendes, Gutachten, das dem Mann aufgrund schwerer Depressionen erheblich verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Zur Frage der Schuldfähigkeit wird im Stuttgarter Prozess eine psychiatrische Sachverständige aussagen.

Die Anklagepunkte:

Der Mann ist angeklagt, einen Mieter der Leutenbacher Familie durch falsche Angaben dazu gebracht zu haben, drei Monatsmieten auf sein Konto zu überweisen, Schaden rund 1100 Euro. Er soll drei Autos vermittelt und den Kaufpreis bekommen haben, obwohl es die Autos gar nicht gab, Schaden knapp 50 000 Euro. Er soll, als er die Familie verließ, aus deren Wohnung mehrere elektronische Geräte mitgenommen, entwendet haben, Schaden rund 750 Euro.

Der Prozess wird am 18. Juli, Beginn 9.30 Uhr, fortgesetzt.