Berglen

Ihr Hobby fordert Gott heraus: Die neue Pfarrerin Kerstin Günther klettert gerne

Pfarrerin Kerstin Günther
Eigentlich könnte die neue Pfarrerin ja mal den Kirchturm besteigen, von außen, versteht sich. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit dieser Woche ist Kerstin Günther im Dienst, am Sonntag wird die neue Pfarrerin in ihr Amt eingesetzt. Der Corona-Lockdown beeinträchtigt zwar den Investiturgottesdienst zumindest hinsichtlich der Besucherzahl vor Ort, in der Mauritiuskirche in Oppelsbohm. Dort werden nur geladene Gäste sein. Die wenigen Plätze, die die Abstandsvorschrift zulässt, sind also bereits besetzt.

Aber der Gottesdienst (Beginn 15 Uhr) wird ins benachbarte Gemeindehaus, in die Steinacher Kirche und ins Hößlinswarter Gemeindezentrum übertragen. Es ist zwar keine Anmeldung vorher erforderlich, um dort dabei zu sein. Aber die Platzkapazität ist auch dort jeweils begrenzt. „Ich bin gespannt, wie das angenommen wird“, sagt Kerstin Günther. Gerade weil die Platzzahl auch in der Kirche beschränkt ist, wird aus ihrer vorherigen Gemeinde Weinsberg-Gellmersbach nur die Vorsitzende des dortigen Kirchengemeinderats zur Investitur kommen. Es sollen möglichst viele Berglener dieser beiwohnen können.

Pandemie hin oder her, die Zeit seit Montag ist ausgefüllt mit Dienstbesprechungen und Übergaben. Umgezogen ist die 34-Jährige allerdings bereits Anfang Februar. Mit den Plan, wie sie lachend erzählt, dass wenigstens alle Kisten ausgeräumt sind, wenn sie anfängt. Hat es geklappt? Na ja, nicht ganz, räumt sie ein. Vor allem mussten Termine ausgemacht werden mit allen, mit denen es sein muss. Prio 1 hatte das gegenseitige Kennenlernen, oft in Gestalt von Anrufen oder eben auch in der Form, dass man erst mal gemeinsam spazieren geht. Etwa auf dem vom Pfarrhaus aus nahen Werner-Hofmann-Wanderweg.

Ödernhardt kennt sie vom Namen her, in Rettersburg war sie schon

Gremiensitzungen sind derzeit nur online möglich. Die neue Pfarrerin plant allerdings, sobald es möglich ist, zumindest mit den jeweiligen Vorsitzenden der Kreise zusammenzukommen. Hat sie sich schon eingewöhnt? Sie muss wieder lachen, nein, klar, das wird ein längerer Prozess. Sie freue sich darauf, jetzt erst mal die Leute hier kennenzulernen. Man dürfe sie gern einfach anrufen oder auch vorbeikommen, auch für einen gemeinsamen Spaziergang. In Rettersburg war sie schon, ebenso in Ödernhardt. Bretzenacker und Öschelbronn kennt sie zumindest vom Namen her. „Und dahinter gibt es doch noch was mit ’S’“? Stimmt. Im Stöckenhof ist sie mal durchgefahren. Und die anderen Berglener Teilorte, kann sie die aufzählen? Nein, um Gottes Willen, aber das wird schon. Eine Pflicht für sie schon in der ersten Dienstwoche ist, eine Trauerrede zu schreiben und auf der Beerdigung zu halten. Auch das gehört nun mal dazu, wenn man Pfarrerin ist.

Ein Thema, das sehr bald ansteht, ist die diesjährige Konfirmation. Dankenswerterweise hat den Jahrgang der Kollege übernommen, Markus Kettling, der seit vielen Jahren für Hößlinwart-Steinach zuständig ist. Der Termin für den Konfirmationsgottesdienst steht noch nicht fest. Kerstin Günther will dazu vorher ein Stimmungsbild bei den betreffenden Eltern einholen, ehe der Kirchengemeinderat den Sonntag festlegt.

Als Willkommensgruß ist der Garten vorher ausgelichtet worden

Auch bei oder mit dem ist keine „Präsenz“ derzeit möglich. In der kommenden Woche ist „Online“ angedacht. Was die neue Pfarrerin aber bereits sicher weiß, ist, dass alle Mitarbeiter in der Kirchengemeinde sehr kompetent, rührig, engagiert seien und nicht zuletzt willens, die Fusion der vorherigen Kirchengemeinde mitzugestalten. „Der Eindruck, den ich schon bei der Bewerbung hatte, hat sich bestätigt. Das sind Macher.“ Klar habe ein solcher Wechsel, der genau in die Anfangszeit des Zusammenwachsens falle, auch seine Nachteile. „Aber es kann auch ein Vorteil sein, dass jemand von außen kommt, der offen für alles ist.“ Eine Art Willkommensgruß war auf jeden Fall, dass im Garten rund ums Pfarr- und Gemeindehaus mächtig ausgelichtet wurde.

Ihre Hobbys sind Wandern – wozu es in Berglen, wo schöne Strecken zuhauf sind, viele Gelegenheiten gibt – und vor allem Klettern. Mit Bergen dafür kann Berglen allerdings nicht dienen. Aber es gibt Kletterhallen in der Nachbarschaft. Wobei Kerstin Günther auch sehr gerne, wenn das Wetter passt und die Zeit es zulässt, „am Fels ist“, wie sie sagt.

In brenzligen Situationen schickt sie ein Stoßgebet gen Himmel

Seit drei Jahren macht sie das. Ja, es gebe öfters Situationen dabei, wo sie an Gott denke, ein Stoßgebet zum Himmel schicke. „Vor allem, wenn man sich verklettert“. Also auf eine lange Strecke ungesichert ist, „genau weiß, dass, wenn man jetzt fällt, es zehn, 15 Meter dauert, bis das Sicherungsseil greift“. Klar, da bete sie eben, dass Gott sie da heil durchbringt. Hatte sie denn da nicht bislang immer eher einen Schutzengel an ihrer Seite? Sie lacht: „Na ja, das weiß ich nicht.“ Aber sie habe da durchaus das Gefühl, „dass Gott da ist. Und dass er herausgefordert wird.“ Aber, nur damit das klar sei: „Ich bin kein Adrenalinjunkie. Ich brauche solche Situationen nicht noch mal.“ Sie erlebe Klettern als körperliche, auch mentale, geistige Herausforderung: „Ich muss mir ja vorher immer genau überlegen, wie ich eine Strecke überwinde, ohne zu stürzen.“ Oben anzukommen, sei immer ein gutes Gefühl, ja ein Erfolgserlebnis. Aber bei aller Begeisterung, sie sei nach wie vor bloß eine Hobbykletterin, habe auch keinen ausgeklügelten Trainingsplan. Und sie geht davon aus, dass sie wohl zumindest vorerst nicht mehr jede Woche dazu kommen wird. Außerdem braucht sie ja hier Partner, muss sich erst mal schlaumachen, wo in der Umgebung Kletterhallen sind.

Apropos spazieren gehen. Auch wenn es nur ein paar Schritte vom Pfarramt ins Rathaus sind, noch war sie nicht dort. Den Rathauschef hat sie allerdings schon getroffen, vor längerer Zeit. Als sie mit einer Freundin noch vor ihrer Bewerbung mal sich in Berglen umschaute, lief ihnen Maximilian Friedrich über den Weg, eben auf dem Werner-Hofmann-Weg. Er erkundigte sich zunächst mal bei ihnen, ob der Weg denn gut ausgeschildert sei, und outete sich erst bei der anschließenden Plauderei als Schultes. Sie wird ihn bald wiedersehen, bei der Investitur, als Vertreter der bürgerlichen Gemeinde.

Seit dieser Woche ist Kerstin Günther im Dienst, am Sonntag wird die neue Pfarrerin in ihr Amt eingesetzt. Der Corona-Lockdown beeinträchtigt zwar den Investiturgottesdienst zumindest hinsichtlich der Besucherzahl vor Ort, in der Mauritiuskirche in Oppelsbohm. Dort werden nur geladene Gäste sein. Die wenigen Plätze, die die Abstandsvorschrift zulässt, sind also bereits besetzt.

Aber der Gottesdienst (Beginn 15 Uhr) wird ins benachbarte Gemeindehaus, in die Steinacher Kirche und ins

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