Berglen

Martina Dorner ist die neue Dirigentin beim Musikverein Weißbuch

Musikverein Weißbuch
Klare Ansagen, aber Martina Dorner kann auch über sich selbst schmunzeln. © Benjamin Büttner

Aufgewachsen ist Martina Dorner in Böblingen, hat im dortigen Musikverein mit dem Saxofon angefangen, mit neun Jahren, nach dem Abi an der Musikhochschule Stuttgart studiert, eben ihr Instrument in der klassischen Variante als Fach, danach an verschiedenen Musikschulen im Stuttgarter Raum gearbeitet, als Saxofon-Lehrerin. Mit dem Dirigieren hat sie bei der Jugendkapelle ihres Heimatmusikvereins begonnen. In dem Orchester, das sie leitete, ist sie also selbst groß geworden.

Sie fand so viel Gefallen am Dirigieren, dass sie an der Musikhochschule Mannheim die Leitung von Blasorchestern studierte. Sie war Dirigentin der Stadtkapelle Maulbronn, hörte dort auf, weil und als sie nach Schwäbisch Gmünd zog, sich deshalb nach einem anderen Verein umsah und dabei auf die Weißbucher aufmerksam wurde. Das war in der Corona-Zeit und deshalb liegt zwischen ihren Probedirigaten dort im September vergangenen Jahres und ihrem Amtsantritt immerhin rund ein Jahr, eine Zeit, in der sie ihr Bachelor-Vollzeit-Dirigentenstudium abschloss, wobei ihre bisherigen Aktivitäten in der Orchesterleitung angerechnet wurden. Seit September leitet die 34-Jährige auch die Bläserklasse an der Musikschule Remseck. Die Bläserausbildung boome gerade, berichtet Martina Dorner, es gebe viele solche Klassen, über Kooperationen von Kommunen mit Musikschulen, das Weißbucher Modell existiert allerdings bereits seit sechs Jahren.

Warum Weißbuch? Also, die Stellenausschreibung von dort sei sehr ansprechend gewesen, auf die hin hat sie sich auf der Homepage des Vereins weiter informiert, die Kapelle selbst habe sie vorher nicht gekannt, so Martina Dorner. Vielleicht hat sie besonders überzeugt das Finale ihres Probedirigats. Die Weißbucher boten dazu ihr Sahnestück auf, den Egerländer Liedermarsch, das Finale, die furiose Zugabe bei all ihren Auftritten.

Sie erinnert sich noch sehr gut daran, es war in der Steinacher Halle, unter Corona-Bedingungen, mit Abstand zueinander, der Konzertsaal der Weißbucher sozusagen, mit einer sehr speziellen Akustik, die nicht nur die Musiker, sondern auch den Dirigenten oder die Dirigentin jedes Mal herausfordert.

Nicht nur Martina Dorner bewarb sich um die Stelle, stellte sich mit einem Probedirigat vor. Warum fiel die Wahl auf sie? Ihre ruhig-besonnene Art habe besonders gut gefallen, eben auch, wie sie mitunter die besonders feurigen Musiker ein bisschen gebremst und damit letztlich alle mitgenommen habe, so Stefanie Herd, die Erste Vorsitzende.

Sie zeichne ein sehr „sauberes“ Dirigieren aus, so Jan Kunz, der Zweite Vorsitzende. Auch ihre Bereitschaft, am Vereinsleben teilzunehmen, „was ebenfalls für uns Musiker wichtig ist“, und für den Verein, diesen in der Organisation als Ganzen weiterzuentwickeln. Das sei „der Unterschied“ zu den anderen Bewerbern gewesen, wobei vier in die engere Auswahl kamen, zum Probedirigat eingeladen wurden.

Eine ihrer Aufgaben: Ständig das Konzertrepertoire hinterfragen

Martina Dorner, auf die Frage zu ihren Vorstellungen, wie es weitergehen soll, meint, sie müsse zwar kein neues „System reinbringen“, aber zum Repertoire, zu den Konzerten, sei nicht nur jetzt, sondern stets die Frage zu stellen, ob die noch zeitgemäß seien, eventuell müsse auch der Jahreskalender, also das Programm, anders gestaltet werden. Die „Basis“ sei auf jeden Fall da und gut, es gelte, an den Feinheiten zu arbeiten, und durch die lange Pause sei man auch ein bisschen „eingerostet“. „Das ist aber überall so, da muss man damit umgehen.“ Natürlich werde sie beim Repertoire ihre „Note“ reinbringen, ihre „Handschrift“.

Das Ziel sei, auf das Jubiläumskonzert im kommenden Frühjahr zum 100-jährigen Bestehen hinzuarbeiten, darauf den Fokus zu richten, so Kunz. Wenn man nicht nach wie vor auf Corona Rücksicht nehmen müsse, wären die Feierlichkeiten dazu ein fünftägiges Zeltfest gewesen, mit Festbankett zum Auftakt: „Wir hätten es also ganz anders krachen lassen.“

So viel sei geplant gewesen, so viel Energie sei schon reingesteckt worden, aus dem nichts geworden ist, nichts werden konnte, „seither sind wir da vorsichtiger geworden“, ergänzt Steffi Herd. Das Risiko bei einem Zeltfest wäre viel zu groß, so müsse man eben das Jubiläum „verschlanken“, so Kunz. Beide erinnern sich noch zu gut an die Zeit, als drinnen nicht geprobt werden durfte, und immerhin wenigstens draußen dafür ein Zelt zur Verfügung stand. Mittlerweile sind sie wieder drinnen, mit „3G“ und Hygienekonzept. Auch Proben fielen und fallen unter die Beschränkungen für kulturelle Veranstaltungen.

 Noch mal zurück zu Martina Dorners Wurzeln in Böblingen. Der dortige Musikverein ist zugleich die Stadtkapelle. Davon können die Weißbucher nur träumen, denn sonst gäbe es eine ganz andere Förderung durch die Gemeinde. Als „bloßer“ Musikverein finanzieren sie sich selbst, aber dafür sei die Kameradschaft hier auch besonders groß, trösten sich die beiden Vorständler.

Auch wenn der Kulturbetrieb insgesamt, wenn man es mit dem Sport vergleiche, während der Pandemie deutlich benachteiligt worden sei: „Dort waren die Stadien schon wieder voll, als da noch nicht mal Proben wieder erlaubt waren.“ Also, wenn sie, anders als andere Musikvereine, das Zelt mit seinen offenen Wänden, diese Option als Notlösung, nicht gehabt hätten – und natürlich auch das eigene Vereinsheim, nicht zu vergessen.

Apropos, was ist, was wird denn eigentlich mit der „Bubaranka“, die rund 15-köpfige Formation mit der böhmisch-mährischen Blasmusik, die es seit 2003 gibt und die mit ihrer Egerländer Besetzung ein besonderes Aushängeschild des Vereins ist? Die wird auch künftig Ingo Scherhaufer leiten, seit Anfang an ihr Dirigent und zuvor zehn Jahre lang Leiter der Winnender Stadtkapelle.

Beim Dirigentenstudium an Polizei- und Bundeswehrkapellen „geübt“

Der Stil gefalle ihr zwar durchaus, aber für sie als gelernte klassische Saxofonistin sei das vielleicht nicht ganz so optimal, erklärt Martina Dorner schmunzelnd. Sie habe während ihres Dirigentenstudiums an so gut wie sämtlichen Polizei- und Bundeswehrkapellen „üben“ dürfen. Wobei, die seien ohnehin alle sehr diszipliniert und eh Profis, „die machen ja nichts anderes“. Sie selbst hat mal, während des ersten Studiums, in einer Big Band gespielt, sie ist nach wie vor auch als Solistin unterwegs und sie mag besonders Tango.

Aufgewachsen ist Martina Dorner in Böblingen, hat im dortigen Musikverein mit dem Saxofon angefangen, mit neun Jahren, nach dem Abi an der Musikhochschule Stuttgart studiert, eben ihr Instrument in der klassischen Variante als Fach, danach an verschiedenen Musikschulen im Stuttgarter Raum gearbeitet, als Saxofon-Lehrerin. Mit dem Dirigieren hat sie bei der Jugendkapelle ihres Heimatmusikvereins begonnen. In dem Orchester, das sie leitete, ist sie also selbst groß geworden.

Sie fand so

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper