Berglen

Projektchor "Junit" in Berglen: Diakonin Lara Dobler als Dirigentin

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Diakonin Jana Dobler ist als Chorleiterin die geborene Antreiberin. © speiser

Was motiviert rund 30 Jugendliche und junge Erwachsene dazu, einen sommerlichen Samstagmorgen im evangelischen Gemeindehaus in Oppelsbohm zu verbringen und in dessen Saal ins Schwitzen zu kommen, was aber nicht nur an der trotz weit geöffneten Fenster stickigen Luft liegt? Da sind mehrere Antworten möglich und richtig: Musik ganz allgemein, die Freude am gemeinsamen Singen in Gestalt eines Projektchors namens „Junit“ und Lara Dobler.

Die Diakonin, aufgewachsen in Vorderweißbuch, Mittzwanzigerin und damit nur etwas älter als die, die sie dirigiert, ist eigentlich mehr Motivatorin als Chorleiterin, die geborene Antreiberin. Alles kommt locker, ja mühelos daher und ist doch fordernd. Es setzt auch mal einen symbolischen „Schwinger“, wenn eine(r) mehr oder weniger mutwillig den Einsatz verpasst. Wenn’s an dem mal hapert, kommt prompt die Aufforderung: „Gebt mal Gummi“, also mehr Gas, Power, schließlich soll beim Konzert am Samstag, 9. Juli, in der Mauritiuskirche „was rüberkommen“.

Manche(r) scheint noch einen „Wachmacher“ zu brauchen, und so manche(r) riskiert zwischendrin auch mal einen Blick runter auf Handy, legt es nie ganz aus der Hand, Nachrichten checken oder selbst einen Post absetzen, das geschieht allerdings keineswegs verstohlen und natürlich kriegt die da vorne das auch mit. Aber so ist das heutzutage nun mal und das läuft ja beileibe nicht nur bei den Jungen so, es würde nicht lohnen, zu versuchen, dagegen anzugehen, Kampf gegen Windmühlen. Aber es braucht auch gar kein Daddelverbot, Laras „gemischte Truppe“ ist ja voll dabei, keineswegs abgelenkt, unaufmerksam.

Mahnung auf Schwäbisch, das Lied ja nicht schwäbisch zu singen

Die Chorleiterin widmet ihr Ohrenmerk den „dialektischen“ Zwischentönen, die sie heraushört. „Leud, denkt bitte dran, des isch ned Schwäbisch, was wir hier senged.“ Der Widerspruch ist „glatt“, die Jungen lachen. Und die Sopranabteilung, also bitte, das klinge doch nach Grau bis Mittelschwarz, „aber wir singen über einen hellen Tag, das muss zueinanderpassen. Also, lasst es strahlen.“ Einer will die ersten drei Töne des Takts „haben“. Sie singt es vor. Er prompt darauf: „Stimmt nicht, das sind doch vier.“ Worauf sie wiederum schlagfertig frotzelt: „Bist du Mathematiker oder Physiker? Das sind zwar vier Silben, aber eben nur drei Töne, sorry.“ Ein Contra mit Lacherfolg, das aber nicht wehtut, den andern nicht verletzt. Das „Herauspicken“ eines Einzelnen ist nie diesen bloßstellend, ihn verstimmend.

Der Solist bekommt bei seiner Premiere einen Klaps auf die Schulter

Wenn es/sie mal Ruhe braucht, kommt das allen seit dem Kindergarten wohlbekannte, bewährte „Stop“-Handzeichen. Das wirkt nach wie vor. Was Lara Dobler außerdem offenbar „instinktiv“ weiß und auch umsetzt: Junge Leute in dem Alter brauchen Zuspruch, Stärkung, denn überall woanders ist es eh schon kompliziert, schwierig genug. Ein Junge hat vertretungsweise seine Premiere als Solist. Also bitte Konzentration für ihn, sie singt mit, stützt ihn, als aufermunternde Anerkennung ein Klaps auf die Schulter. Das „Gut gemacht!“ strahlt sie selbst aus, appelliert an die anderen: „Wir sind eine Unit, ihr seid seine Gang.“

Auch bei diesem Chor auf Zeit zeigt sich, wieder einmal, wie viel Gemeinschaft gemeinsames Singen stiften und diese stärken kann. „Denkt dran, wie viel Kraft ihr zusammen habt, das werdet ihr in der Kirche spüren, die randvoll sein wird.“ Zwischendurch „verpennt“ sie selbst mal das Zeichen für den Einsatz zu geben, ihre launige „Ausrede": „Sorry, ich war gerade so im Flow und entschuldige mich hiermit ausdrücklich.“ Die gespielte Förmlichkeit als Gag – der auch ankommt. Ja, die Stimmung ist gut, es hört sich schon an wie Gospel. Sie hört nach: „Ja, das könnte in Richtung Konzert gehen.“

Konzert wurde verschoben: „Wir wären so was von ready gewesen“

Am 9. Juli wird es um 17 Uhr losgehen, „gemischt“, die Jüngeren (fünf bis 12, die meisten sechs bis zehn) und die Älteren (14 bis 25) jeweils, ab 20 Uhr die Älteren alleine. Dann sie aber komplett, denn die Proben fallen auch in die Zeit der Schul- und Ausbildungsprüfungen. Das Konzert war eigentlich kurz vor Weihnachten geplant, musste aber verschoben werden. Der Termin nun mitten im Sommer hat Folgen fürs Repertoire und auch für einige der Sänger/innen. Denn sie haben mittlerweile mit dem Studium angefangen und konnten deshalb, als die Proben erneut begannen, nicht mehr mitmachen. Dafür sind andere frisch dazugekommen, unter anderem eine „Gang“ aus dem nahen „Herti“. Die letzte Probe hätte damals Ende November sein müssen. „Wir wären so was von ready gewesen“, erinnern Lara Dobler und Jana Hinderer, die am Klavier begleitet, der andere Teil der „Doppelspitze“, wie sie betonen. Geplant waren eigentlich drei Gruppen/Chöre, außer „Mini und „Maxi“ auch ein „Midi“, aber das Problem dabei wären die Übergänge gewesen.

Spenden kommen Förderverein der Stiftung gegen Gewalt an Schulen zugute

Lara ist selbst mit Gospel sozusagen aufgewachsen, bei „Chorlight“. Die Ausgangsidee sei gewesen, währen der Corona-Zeit wieder was zu starten. Der Eintritt zum Konzert ist frei, Spenden kommen dem Förderverein der Stiftung gegen Gewalt an Schule zugute. Jana ergänzt, dass sie beide selbst die mehrstimmigen Melodien geschrieben haben, die Jugendliche haben anfangs nur die Liedtexte bekommen. Rund 70 Sänger und Sängerinnen werden auftreten plus eine zehnköpfige Band. Also, dass es „ausverkauft“ wird, darüber müsse man sich keine Sorgen machen, meinen die beiden lachend: „Wir sind ja schließlich schon alleine 80.“ Das Projekt hat den Namen „Junit“, ein Wortspiel. Das hebräische Wort „Unit“ bedeutet „Einheit“. Das „J“ beziehungsweise „ju“ steht für „you“. Soll also heißen: Einheit entsteht, wenn viele (unterschiedliche) „Du“ zusammenwirken.

Was motiviert rund 30 Jugendliche und junge Erwachsene dazu, einen sommerlichen Samstagmorgen im evangelischen Gemeindehaus in Oppelsbohm zu verbringen und in dessen Saal ins Schwitzen zu kommen, was aber nicht nur an der trotz weit geöffneten Fenster stickigen Luft liegt? Da sind mehrere Antworten möglich und richtig: Musik ganz allgemein, die Freude am gemeinsamen Singen in Gestalt eines Projektchors namens „Junit“ und Lara Dobler.

Die Diakonin, aufgewachsen in Vorderweißbuch,

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