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Radfahrer und Reiter unerlaubt im Naturschutzgebiet Sommerrain - Droht jetzt ein generelles Betretungsverbot?

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Peter Elsäßer (links) und Dr. Manfred Hennecke im Naturschutzgebiet Sommerrain beim Stöckenhof. Die Kiefern sind bis zu 150 Jahre alt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Hat sich die Natur während der Coronapandemie im Naturschutzgebiet Sommerrain erholt? „Nein, im Gegenteil“, antwortet Dr. Manfred Hennecke, offizieller Naturschutzwart. Es sei ja schön, dass es die Leute nach draußen zieht, fügt Naturparkführer Peter Elsäßer hinzu. „Aber man muss eben auch Vernunft walten lassen. Ich würde sagen, dass sich vielleicht zehn Prozent nicht an die Regeln halten“, schätzt Elsäßer.

Einsichtig sind eher die jüngeren Radfahrer

Die ersten Regelbrecher enttarnt Hennecke schon unmittelbar vor dem Betreten des Naturschutzgebietes Sommerrain beim Stöckenhof. „Gucken Sie sich das an. Das ist doch unmöglich. Das regt mich auf“, ruft Hennecke erzürnt. Im Schlamm sind Spuren von Fahrradreifen zu erkennen. Die Reifenabdrücke sind ziemlich breit. Es hat in den vergangenen Tagen viel geregnet, die Spuren sind gut zu erkennen. „Wieso müssen die Leute hier fahren?“, fragt Elsäßer. Es gebe doch schließlich extra Strecken, auf denen es erlaubt sei. Im Naturschutzgebiet ist es tabu.

Manfred Hennecke und Peter Elsäßer sind regelmäßig im Sommerrain unterwegs. „Ich erwische eigentlich immer ein paar Radler, die hier verbotenerweise fahren“, erzählt Elsäßer. Diese seien zwischen 16 und 40 Jahren alt, wie er schätzt. Natürlich spreche er sie dann an. „Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Manche sind einsichtig, andere nicht“, berichtet der Naturparkführer. Seinen Erfahrungen nach seien die Einsichtigen eher die jüngeren Radfahrer. „Das Problem ist aber, dass die Radler wieder kommen, wenn wir nicht da sind“, sagt Hennecke und zeigt auf eine weitere Reifenspur.

„Wahrscheinlicht hat es nachts jemand in das Auto geladen“

Vor einem Jahr hat er sich für Fahrradverbotsschilder an den Eingängen in das Naturschutzgebiet eingesetzt, mit Erfolg. „Jetzt ist das Schild weg. Jemand hat es geklaut“, seufzt er. Dabei handelt es sich um jenes, das am Eingang beim Stöckenhof stand. Die Diebe haben es samt Metallrohr und einem weiteren Schild, das auf das Naturschutzgebiet hinweist, mitgenommen. „Man ist hier direkt an der Straße. Wahrscheinlich hat es nachts jemand ins Auto geladen“, vermutet der Naturschutzwart. Das Regierungspräsidium in Stuttgart habe zugesichert, dass schnell ein neues Schild kommen soll. Beim anderen Eingang, in Richtung Allmersbach im Tal, stehen die Schilder noch. „Dort müsste man es ein Stück tragen. Die Gefahr, erwischt zu werden, wäre größer“, vermutet Hennecke, weshalb es dort nicht geklaut worden ist.

Hennecke schwebt eine andere Barrikade am Eingang vor

Immerhin die Barrikade, aus Holzstämmen zusammengezimmert, steht noch an Ort und Stelle. Motivierte Mountainbiker hindert dies aber wohl kaum. Räder können, wenn man nicht unbedingt ein schweres E-Bike hat, darübergehievt werden. „Oder die Radler suchen sich gleich einen anderen Eingang, und zwar querfeldein“, meint Peter Elsäßer. Hennecke schwebt eine andere Barriere vor: ein Gestänge in U-Form. „Und zwar so hoch, dass man das Fahrrad nicht einfach drüberlupfen kann“, schlägt der Naturschutzwart vor. Dies könne dafür sorgen, dass das Gebiet tatsächlich wieder geschützt sei.

Türkenbundlilien, Fuchsfingerkraut und Kreuzblümchen

„Wir haben hier 18 verschiedene Orchideenarten“, erzählt Manfred Hennecke, weshalb er großen Wert auf die Einhaltung der Regeln legt. Alle paar Meter entdeckt er zwischen alten Kiefern etwas aus dem Boden sprießen. Er ist eine Art wandelndes Lexikon. Alles, was hier wächst, kennt er, wie er bestätigt. Egal ob Türkenbundlilie, Fuchsfingerkraut oder Kreuzblümchen. Hennecke ist so etwas wie die gute Seele des Gebiets. Er macht sich Sorgen. „Eigentlich gibt es nur einen Weg durch den Sommerrain. Aber Sie sehen ja selbst, dass überall Trampelpfade nach links und rechts führen“, ärgert er sich. Diese sind inzwischen so ausgetreten, dass sie sich kaum mehr vom Hauptweg unterscheiden. „Wer sich hier nicht so gut auskennt wie wir, der geht die Wege und weiß nicht, dass das eigentlich verboten ist“, meint der Naturschutzwart. Dabei führen die Nebenpfade ins Nichts. „Entstanden sind sie vielleicht, weil jemand ein Foto von einer Pflanze machen wollte. Man kann aber auch einfach auf dem Hauptweg bleiben und ranzoomen“, macht er einen Vorschlag.

Blumenbeobachtung von einer Plattform?

Um der Situation Herr zu werden, schlägt Hennecke kleine Stopp-Schildchen an den Trampelpfaden vor. „Anbringen kann man sie an Holzpfählen, die momentan den Weg weisen“, erklärt Hennecke seine Idee und hofft auf baldige Umsetzung. Ein Stückchen weiter entdeckt er Pferdespuren im Matsch. „Unglaublich. Auch Pferde sind hier natürlich nicht erlaubt“, schimpft er.

Wenn alles nichts helfe, dann müsse man das gesamte Gebiet für den Menschen sperren lassen. „Man könnte eine Art Steg an zwei Stellen installieren, von dem aus die Orchideen betrachtet werden können“, schlägt Manfred Hennecke vor. In anderen Gebieten habe das geholfen, die Menschen sich an das Verbot gehalten. „Jetzt schauen wir es uns dieses Jahr noch an und hoffen, dass das nicht nötig wird.“

Hat sich die Natur während der Coronapandemie im Naturschutzgebiet Sommerrain erholt? „Nein, im Gegenteil“, antwortet Dr. Manfred Hennecke, offizieller Naturschutzwart. Es sei ja schön, dass es die Leute nach draußen zieht, fügt Naturparkführer Peter Elsäßer hinzu. „Aber man muss eben auch Vernunft walten lassen. Ich würde sagen, dass sich vielleicht zehn Prozent nicht an die Regeln halten“, schätzt Elsäßer.

Einsichtig sind eher die jüngeren Radfahrer

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