Berglen

So sah Berglen früher aus

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Hochzeitszug vor der Traube in Hößlinswart. © Ramona Adolf
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Die Rose in Rettersburg.

Berglen. „Rückblicke“, heißt die Reihe, die der Heimatverein jedes Jahr aufs Neue herausbringt. Fünf Autoren haben sich auf die Spur von vergessenen Wirtschaften gemacht. Denn von einst 30 Lokalitäten sind ohne Vereinsgaststätten nur noch sieben geblieben. Was hat es damit auf sich und was verbirgt sich hinter dem Begriff „BMW-Fraktion“? Darüber gibt das Heft Aufschluss.

Es war die Zeit, als das Feierabendbier noch einen ganz anderen Stellenwert hatte. Die Wirtschaft hatte als Ort der Geselligkeit, der Ablenkung und des Seelentrosts für die Bürger eine andere Bedeutung als heute. Wirt war man in den kleinen Ortschaften der Berglen allenfalls im Nebenberuf. Viele von ihnen waren Bäcker, Metzger und Wirt und „gehörten damit der sogenannten BMW-Fraktion an“, sagt Rolf Hahn und lacht. Im Jahr 1960 hatte das heutige Berglen gerade mal 3000 Einwohner, für die 30 solcher Wirtschaften zur Verfügung standen. In den heute noch bestehenden sieben Stück würde man viele von außerhalb antreffen, sind sich Rolf Hahn, Peter Elsäßer und Manfred Käßer einig.

Zur Zeit von Herzog Karl Eugen soll man zwischen der Schildwirtschaft und der Gassen- oder Landwirtschaft unterschieden haben. Erstere verfügte über eine volle Konzession und durfte sowohl Speisen als auch Getränke reichen und Hochzeiten ausrichten. Einer Gassenwirtschaft war nur das Ausschenken von Getränken erlaubt.

Reichenbacher Obstler als Desinfektionsmittel

Wann die erste Bergleswirtschaft entstanden ist, ist nicht überliefert. Fest steht aber, dass die Autoren auf der Suche nach Informationen zu den alten Wirtshäusern auf allerlei Geschichten gestoßen sind. Manfred Käßer berichtet über einen Wilderer aus Reichenbach, der gleichzeitig der Bruder des Lamm-Wirts Wöhrle war, wie man es sich erzählt, und von der Schrotflinte eines Jägers getroffen wurde. Schwer verwundet soll er sich ins Lamm geschleppt haben, wo ihn sein Bruder und die Zecher operiert haben. 42 Schrotkugeln soll man ihm aus dem Rücken geschnitten haben. Als Narkose- und Desinfektionsmittel war, so vermutet man, Reichenbacher Obstler im Einsatz. In den 50er Jahren baute der spätere Wirt Paul Baumann mit seiner Frau das Lamm zum Gasthaus mit Fremdenzimmern aus.

Peter Elsäßer war bei seinen Recherchen „überrascht, dass es in Rettersburg drei Wirtschaften“ gab: Rose (bis 1945), Löwen (bis 1980) und das Lamm, das als Letzte 2005 den Betrieb einstellte. Der Rehbraten des Löwen aber soll weit bekannt gewesen sein. An Silvester soll man sich hier ebenso getroffen haben, bis die Wirtin die Fenster öffnete, um so die Gäste loszuwerden, wenn sie genug hatte. Für solche Geschichten hat sich Elsäßer mit alten Rettersburgern getroffen oder besuchte die Alterswehr.

Viele weitere Geschichten haben die Autoren bei ihrem Recherchezug aufgelesen, die sie im Heft „Rückblicke“ aufgeführt haben. Ein Blick in die Broschüre lohnt sich.


Das Heft Rückblicke

Das Heft Rückblicke zu aufgegebenen Gasthäusern gibt es im Rathaus in Oppelsbohm, über den Vorstand des Heimat- und Museumsvereins sowie während der Öffnungszeiten des Heimatmuseums zum Preis von fünf Euro. Die älteren Ausgaben eins bis 13 kosten zwei Euro, Heft 14 bis 19 vier Euro. Weitere Infos und Kontakt unter www.museum-berglen.de.