Berglen

So war 2020, so wird 2021: Berglens Bürgermeister Maximilian Friedrich über die Folgen der Corona-Krise, geplante Projekte und seine OB-Kandidatur in Backnang

Maximilian Friedrich
Maximilian Friedrich. © Benjamin Büttner

Noch immer ländlich, viele kleine Teilorte, kaum Hotspots mit der Gelegenheit zu Menschenansammlungen, keine Flüchtlingsgemeinschaftsunterkunft, immerhin ein Pflegeheim, aber trotzdem: Corona ist, wie Bürgermeister Maximilian Friedrich auf Nachfrage es nennt, auch an Berglen nicht spurlos vorbeigegangen. Man sei von der ersten Pandemiewelle im Frühjahr allerdings spät betroffen gewesen, leider sei aber gleich der erste (bekanntgewordene) Infektionsfall tragisch ausgegangen, nämlich mit dem Tod des Kranken. Insgesamt seien die Infektionszahlen in Berglen unterdurchschnittlich gewesen, phasenweise habe es keinen einzigen Fall vor Ort gegeben, allerdings häuften sich wie andernorts in jüngster Zeit auch in Berglen die Fälle.

 Auch Friedrich geht davon aus, dass die Struktur der Gemeinde ihr bei dieser Heimsuchung zugutekommt, dass nämlich die Bürger dort mit den Einschränkungen besser zurechtkommen, weil es so viele Möglichkeiten gibt, rauszugehen, zu spazieren, zu wandern, zu radeln, also sich an der frischen Luft zu betätigen oder einfach auch nur die schöne Landschaft, die Natur zu genießen. Natürlich habe die Pandemie, die vielen Verordnungen wegen ihr auch das Rathaus, die Mitarbeiter der Verwaltung, neben der eigentlichen Arbeit, stark in Anspruch genommen, bis hin zu den Wochenenddiensten deswegen. Vieles, Stichwort Kontaktnachverfolgung, sei zu organisieren gewesen, habe Zeit gebraucht, um sich erst einzuspielen: „Das war auch für uns ein Findung- und Lernprozess“, so Friedrich.

Das gesellschaftliche Ereignis 2020: Das Jubiläum der Landfrauen

Bei aller unbestreitbaren Tragweite der Pandemie: Es gab und gibt auch ein Leben außer, neben, man könnte auch sagen mit Corona. „Das große gesellschaftliche Ereignis“ für Berglen im ablaufenden Jahr nennt Friedrich das Jubiläum der Landfrauen. Die hatten das Glück, dass dieses auf den Januar fiel, also noch kein Gedanke an Corona im Lande war und deshalb der freudige Anlass gebührend gefeiert werden konnte. In der Tat, die Berglener Landfrauen sind immer noch, auch 2020, 50 Jahre nach der Gründung des Ortsvereins, mit ihren rund 600 Mitgliedern (was etwa einem Zehntel der Einwohnerzahl entspricht und den Verein zum zahlenstärksten der Landfrauen in ganz Baden-Württemberg macht), samt Verwandten, „eine Macht“. Allerdings eine ob ihrer vielen Aktivitäten (eine „kleine Volkshochschule“ mit schier zahllosen Kursen und Vorträgen) segensreiche.

 „Einen ganz großen Wurf“ nennt Friedrich, dass es gelungen ist, einen zweiten Hausarzt nach Berglen zu bringen, der, zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Allgemeinmedizinerin ist, auch vom Alter her, die medizinische Grundversorgung vor Ort auf lange Zeit sicherstellen kann, inklusive Hausbesuche. Die Tragweite dieser Praxisniederlassung, ihre Bedeutung für Berglen, zeigt der Vergleich mit der vielerorts vergeblichen Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Landarzt, wo dieser dann notgedrungen, aus Verantwortung, oft auch aus Verbundenheit mit dem Beruf, der in solchen Fällen Berufung ist, weit über das „Renteneintrittsalter“ hinaus weitermacht.

Friedrich zieht die Linie vom „Ärztehaus“, wo noch eine zweite Praxis ist, weiter, verweist auf die Geschäfts- beziehungsweise Betriebseröffnungen im Neubau schräg gegenüber und den neuen „Nachbarschaftsplatz“ gegenüber vom Rathaus, spricht von einer Aufwertung, einer gestiegenen Attraktivität der Ortsmitte von Oppelsbohm.

Kinderarzt/-ärztin in Berglen: Noch ein dickes Brett zu bohren

Apropos Arzt: Die Hoffnung, dass auch noch eine Kinderärztin, die mit ihrer Familie nach Berglen gezogen ist, bald dort praktizieren wird, wird sich vorerst nicht erfüllen, wobei es nicht am mangelnden Willen ihrerseits liegt, sondern an Gegebenheiten, die sie selbst nicht in der Hand hat. Nicht nur, aber vor alle mdie, dass die Kassenärztliche Vereinigung, die für die Zulassungen verantwortlich ist, den Rems-Murr-Kreis überversorgt sieht mit Kinderärzten, dabei aber deren Verteilung dort außer Acht lässt und deshalb lange An- und Rückfahrwege für Eltern für zumutbar ansieht. Friedrich hält eine Kinderarztpraxis in Berglen gleichwohl nach wie vor für nicht aussichtslos und verspricht auf jeden Fall dranzubleiben, nicht locker zu lassen.

 Nicht als großes Ereignis im ablaufenden Jahr bezeichnet er selbst seine Wiederwahl und auch nicht seine Kandidatur für den Backnanger OB-Posten, die er ebenfalls noch in 2020 und damit sehr früh bekanntgegeben hat – und die, wenn sie erfolgreich sein sollte, den Abschied von Berglen bedeuten würde, über kurz oder lang auch den von Bretzenacker als Wohnort. Es sei aus seiner Sicht alles andere als selbstverständlich, dass er gewählt wird, betont Friedrich. Er rechne angesichts der Attraktivität der Stadt mit einer Anzahl ernstzunehmender und sehr guter Mitbewerber. Er geht auch davon aus, dass die CDU sehr wohl auf der Suche nach einem aussichtsreichen Kandidaten und damit Nachfolger des Amtsinhabers und CDU-Mitglieds ist, also nicht einfach ihm als Vertreter des „bürgerlichen Lagers“ und Freie-Wähler-Vertreter das Feld überlassen wird.

Wenn es mit der Wahl dort nicht klappe, werde für ihn die Welt aber nicht untergehen und er werde dann sehr gerne in Berglen bleiben, versichert Friedrich. Um seine Motivation für Berglen in der Zeit bis zur Wahl und beim möglichen Weitermachen dort brauche man sich keine Sorgen machen: „Ich bin wirklich keiner, der sich für etwas nur mit 70 Prozent engagiert.“

Was das kommende Jahr angehe, gebe es „viele Unbekannte“, so Friedrich. Die Gemeinde werde daher „auf Sicht“ fahren müssen. Bei den vorgesehenen Ausgaben, schwerpunktmäßig im Bereich „Bildung und Betreuung“, also Schule und Kitas, komme ihr die bisherige Schuldenfreiheit zugute: „Es braucht eine Mischung aus Investieren und Sparen, ein noch stärkeres Unterscheiden zwischen Notwendigem und Wünschenswertem, auch die Bereitschaft, Vorhaben zu schieben.“ Friedrich nennt hier als Beispiel die geplante Ortskernsanierung in Bretzenacker: „Wir werden darüber diskutieren, ob wir die nicht erst 2022 angehen.“

Noch immer ländlich, viele kleine Teilorte, kaum Hotspots mit der Gelegenheit zu Menschenansammlungen, keine Flüchtlingsgemeinschaftsunterkunft, immerhin ein Pflegeheim, aber trotzdem: Corona ist, wie Bürgermeister Maximilian Friedrich auf Nachfrage es nennt, auch an Berglen nicht spurlos vorbeigegangen. Man sei von der ersten Pandemiewelle im Frühjahr allerdings spät betroffen gewesen, leider sei aber gleich der erste (bekanntgewordene) Infektionsfall tragisch ausgegangen, nämlich mit dem

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