Berglen

Stimmen zur Bürgermeisterwahl in Berglen: Viel Lob - auch für Katja Weidlich

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Mitbewerberin Katja Weidlich gratuliert Holger Niederberger fair, herzlich. © Gaby Schneider

Der Tag danach, der Wahlsieger hat sich an ihm freigenommen. Er habe am Wahlabend noch und auch heute so viele Glückwünsche bekommen, wenn er die alle beantworten würde, bräuchte er noch mehr Urlaub, berichtet Holger Niederberger. Wobei ihn weniger Telefonanrufe erreichten als Rückmeldungen über Social Media, also auf Facebook, die Kontaktfunktion seiner Homepage und über Whatsapp.

Wie geht es ihm denn, nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hat? „Ich bin total glücklich, ja überwältigt.“ Es sei ihm im Wahlkampf schon so viel positives Feedback entgegengekommen, das habe sich jetzt im Ergebnis vollauf bestätigt. Ist er denn nicht selbst überrascht von seinem überragenden Ergebnis? Also er habe sich als Zielmarke 60 Prozent plus x gesetzt, also damit, dass es schon im ersten Wahlgang reicht, „aber auch immer gesagt, man muss abwarten, was der Souverän, also das Volk, entscheidet.“

Dass es deutlich über 70 Prozent geworden sind, ja, das haben ihn schon verblüfft. Als das Ergebnis des ersten Wahlbezirks, Rettersburg, wo es ja ein „Heimspiel“ für ihn war, hereinkam, habe er erwartet, dass es danach runtergehen würde, aber immer dabei gehofft, dass es für die 60 Prozent am Ende noch reicht. Es ging aber im Folgenden, in den anderen Wahlbezirken, aber nur noch minimal, unmerklich runter. Im Wahlbezirk Oppelsbohm stand sogar die 8 vorne und im zweiten Briefwahlbezirk blieb er nur ganz knapp darunter, kam dort also sogar auf einen noch höheren Stimmenanteil als in Rettersburg. Nur im Wahlbezirk Steinach, wo Katja Weidlich ihr Heimspiel hatte, lag seine Prozentzahl im 60er-Bereich.

Ist ihm letztlich doch zugutegekommen, haben es die Leute eher gedankt als übelgenommen, dass er in seinem Wahlkampf den Berglenern „reinen Wein einschenkte“? Den Eindruck habe er in der Tat auch, so Niederberger. Damit, dass er bei Wünschen für die Zukunft immer auf die Finanzlage hingewiesen und erklärt habe, warum deshalb etwas nicht oder nicht so schnell kommen könne, sei er auf viel Verständnis bei den Leuten gestoßen.

Amtsantritt nicht vor September

Wann legt er los in Berglen? Der Termin seines Amtsantritts dort stehe noch nicht fest, aber es werde sicher noch nicht im Juli oder August sein. „In Weinstadt ist ja für mich auch noch einiges zu erledigen vorher. Ich will dort eine geordnete Übergabe.“ Eines will er aber auch noch loswerden: Er finde die Reaktionen der beiden Mitbewerber, die am Wahlabend da waren, also Katja Weidlich und Ulrich Werner, auf das Ergebnis einfach klasse. Wie überhaupt der ganze Wahlkampf überaus fair verlaufen sei, und man sich untereinander die ganze Zeit sehr gut verstanden habe. Niederberger wiederholt dabei das Angebot an Katja Weidlich, mit ihr, zum Wohle von Berglen, in seiner Amtszeit zusammenzuarbeiten.

In der Eindeutigkeit habe er das Ergebnis nicht erwartet, so Oliver Klenk, Sprecher der FBB-Gemeinderatsfraktion, auf Nachfrage. Niederberger sei sicher der Favorit gewesen, aber er habe erwartet, dass sich die Stimmen mehr auf ihn, Katja Weidlich und Ulrich Werner verteilen und auch nicht unbedingt damit gerechnet, dass es Niederberger bereits im ersten Wahlgang schafft. Bei Katja Weidlich sei er von ihrem „positiven Standing“ überrascht gewesen, Werner habe es als Auswärtiger gegenüber zwei einheimischen Kandidaten doch schwer gehabt.

„Klarere Auftrag an ihn, gleich richtig loszulegen“

Das Ergebnis gebe Niederberger viel Rückenwind, stärke diesen, sei ein klarer Auftrag, gleich richtig loszulegen, so Klenk weiter. Es gebe in Berglen viele offene Themen, von der Kläranlage bis zum Bauhof. Mit der Schuldenfreiheit der Gemeinde werde es so nicht weitergehen, die Finanzen seien eben auch ein Thema, „wir brauchen also einen Plan, wie wir das alles angehen“.

Bei den Bauplätzen sei klar, dass es mit der Ausweisung und Erschließung in dem Tempo der letzten Jahre nicht weitergehen werde. „Viele vergessen dabei aber, dass die Erlöse aus den Bauplatzverkäufen die einzige richtige, eigene Einnahmequelle der Gemeinde gewesen ist“, betont Klenk. Es gebe viele Forderungen an diese, aber das Geld dafür müsse schließlich ja irgendwo herkommen. Berglen werde sicher nicht damit aufhören können, auch künftig weiteren Wohnraum zu schaffen, er schlage dazu vor, mehr in die Teilorte zu gehen, sich nicht mehr so stark an der „Achse“ – der Nord-Süd-Linie Stöckenhof-Öschelbronn-Rettersburg-Oppelsbohm-Steinach – auszurichten und außerdem dort zu erweitern, wo bislang Straßen nur auf einer Seite bebaut sind.

„Tolles Ergebnis für Niederberger, hoher Zuspruch für ihn“, kommentiert Felix Scherhaufer, BWV-Sprecher, auf Nachfrage. Er habe einen tollen Wahlkampf gemacht, sei in allen Teilorten präsent gewesen, habe für Gespräche zur Verfügung gestanden. Dass es bereits im ersten Wahlgang für ihn reichen werde, habe er erwartet. Niederberger „erbe“ nun eine Reihe von Projekten, seine Fraktion biete ihm an, den Einstieg so gut wie möglich zu erleichtern, so Scherhaufer weiter.

Niederberger sei sicher der Favorit gewesen, aber dass es gleich im ersten Wahlgang so deutlich gewesen ist, der Abstand so groß ausgefallen ist, das habe sie doch überrascht, so Susanne Reichart, Sprecherin der SPD-Fraktion. Sie persönlich habe sich sehr über die Bewerbung von Katja Weidlich gefreut. „Große Anerkennung von mir, wie sie das gemacht hat. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor ihr und ihrer Familie, die sie unterstützt hat.“ Katja Weidlich habe gezeigt, dass Beruf, Familie und politischer Einsatz sehr wohl vereinbar seien, sehr gut unter einen Hut zu bringen seien.

OB Holzwarth hofft auf „gute nachbarliche Zusammenarbeit“

Auch im Internet ruft Niederbergers Wahlsieg Reaktionen hervor. Vor allem künftige Kollegen haben sich in den sozialen Medien geäußert, dem frisch gewählten Bürgermeister gratuliert. „Holger Niederberger ist neuer Bürgermeister der Gemeinde Berglen - mit 75,76 Prozent ein tolles Ergebnis im ersten Wahlgang!“, schreibt Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth auf seinem Instagramkanal unter ein Foto, das Niederberger und dessen Familie bei seiner Rede vor dem Rathaus nach dem vorläufigen Endergebnis zeigt. Holzwarth habe die Glückwünsche der Nachbarstadt Winnenden überbracht. Nun falle nicht nur die Anspannung bei Niederberger, sondern auch bei seiner Familie ab. „Alles Gute für das neue Amt und auf gute nachbarliche Zusammenarbeit“, enden Holzwarths Glückwünsche, die unter anderem vom Winnender CDU-Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek und dem ehemaligen Abgeordneten der Grünen, Willi Halder, mit einem „Gefällt mir“ versehen worden sind.

Auch Niederbergers Vorgänger Maximilian Friedrich, am Knöchel lädiert und deshalb momentan auf Krücken unterwegs, meldet sich auf Instagram zu Wort. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und gratuliere herzlich zu diesem fulminanten Ergebnis“, schreibt er. Niederberger, seiner Familie und der Gemeinde wünsche er alles erdenklich Gute. Rudersbergs Bürgermeister Raimon Ahrens, ebenfalls in Oppelsbohm vor Ort, gratuliert zusätzlich ebenso in den sozialen Medien. „Auf gute Zusammenarbeit“, schreibt er unter ein Foto, auf dem Niederberger vor dem Rathaus zu sehen ist.

Michael Scharmann, Oberbürgermeister der Stadt Weinstadt, sieht Holger Niederbergers Wahlsieg mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schließlich verliert er nun seinen persönlichen Referenten und die Stadt Weinstadt ihren Pressesprecher. „Jetzt muss ich mir zwar einen neuen Pressesprecher und persönlichen Referenten suchen - dafür habe ich einen weiteren guten Bürgermeister-Kollegen gewonnen“, schreibt er auf Facebook. Niederbergers Ergebnis nennt Scharmann „sensationell“. Er wünsche ihm nun viel Erfolg, das notwendige Glück und Gelassenheit „für dieses anspruchsvolle Amt“. Dazu postet er ein Selfie mit Holger Niederberger, auf dem die beiden mit „Daumen hoch“ zu sehen sind, im Hintergrund das Wahlergebnis.

Ebenso gratulieren unter anderem der Winnender FDP-Gemeinderat Diethard Fohr und der Schorndorfer CDU-Vorstand Klaus Dobler.

Auch Katja Weidlich aus Steinach, die ebenfalls für das Bürgermeisteramt kandidiert hat, kommentiert das Wahlergebnis auf Facebook. „Die Bürgermeisterwahl ist zu Ende, das Ergebnis ist eindeutig. Trotzdem vielen lieben Dank für die letzten 4 Wochen Wahlkampf, ich werde weiter mein Engagement in unsere Wahlheimat einbringen.“

Der Tag danach, der Wahlsieger hat sich an ihm freigenommen. Er habe am Wahlabend noch und auch heute so viele Glückwünsche bekommen, wenn er die alle beantworten würde, bräuchte er noch mehr Urlaub, berichtet Holger Niederberger. Wobei ihn weniger Telefonanrufe erreichten als Rückmeldungen über Social Media, also auf Facebook, die Kontaktfunktion seiner Homepage und über Whatsapp.

Wie geht es ihm denn, nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hat? „Ich bin total glücklich, ja

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