Berglen

Trotz nur eines Bewerbers hohe Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl in Berglen

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Mit dem soeben wiedergewählte Maximilian Friedrich (r.) freuen sich einige Kollegen, sein Vorvorgänger, der Landrat und Gemeinderäte. Foto Palmizi © palmizi

Der Aufforderung der Gemeinde, wegen Corona von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen, sind so viele Wahlberechtigte nachgekommen, dass zum einen diejenigen die trotzdem eines der beiden Wahllokale – Steinacher Halle und Sporthalle in Oppelsbohm – aufsuchten, nicht gerade Schlange stehen mussten. Die Wahlhelfer, in zwei Schichten aufgeteilt, von 8 bis 13 und von 13 bis 18 Uhr, hatten somit einen sehr ruhigen Dienst.

Zum andern dauerte die Auszählung der Stimmen deutlicher länger als vorher angenommen. Und so wurde es genau 20 Uhr, denn die Glocken der benachbarten Mauritiuskirche schlugen pünktlich, als der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses und stellvertretende Bürgermeister Armin Haller gefolgt von gebührendem Beifall das Ergebnis verkündete: 95,91 Prozent (2460 Stimmen) für den einzigen Bewerber, Amtsinhaber Maximilian Friedrich, 4,09 Prozent (105 Stimmen) für Sonstige. Mehr als gebührend war der Applaus unmittelbar danach: Die Wahlbeteiligung betrug nämlich 50,45 Prozent und ist damit für eine Wahl, bei der es nur einen Bewerber gab, überragend.

Anderthalb Stunden vorher waren auf der großen Leinwand im Sitzungssaal noch zwei Zahlen erschienen, die kurz für etwas Verwirrung sorgten: (nur) 79,7 Prozent für Friedrich und (kaum zu glaubende) 20,3 Prozent für Sonstige. Da war einer der drei Wahlbezirke ausgezählt, nämlich die Stimmabgabe in den beiden Hallen. 55 Stimmen gab es dort für Friedrich, 14 für Sonstige. Das war mithin ein ganz kleiner Bruchteil der insgesamt 5201 Wahlberechtigten. Der große und entscheidende Brocken würden also die Stimmen aus den beiden Briefwahlbezirken sein. Und bis die ausgezählt waren, das dauerte.

Beim Warten geht es um den VfB

Friedrich war kurz vor Schließung der Wahllokale ins Rathaus gekommen, in Begleitung seiner Frau und seines Schwiegervaters, relativ gelassen wirkend. Wobei der bekennende Bayern-Fan sich aus dem Experten-Smalltalk seiner beiden Kollegen aus Althütte und Rudersberg über die andere gute Nachrichte des Tages, nämlich den Sieg und damit Aufstieg des VfB, heraushielt. Zu Reinhold Sczuka und Raimon Ahrens stießen später noch Jürgen Kiesl aus Leutenbach, Gerhard Häuser aus Schwaikheim, Hartmut Holzwarth aus Winnenden, wobei von dort auch der Gemeinderat Hans Ilg und Alt-OB Karl-Heinrich Lebherz kamen, Landrat Dr. Richard Sigel, Altbürgermeister Gerhard Schnabel und die meisten Berglener Gemeinderäte. Die weiteste Anreise von allen hatte Martin Netzer aus Gaschurn im Montafon hinter sich, für den Kollegen aus der österreichischen Partnergemeinde war seine Anwesenheit und Unterstützung an diesem wichtigen Tag Ehrensache.

Der Besucherpulk verlagerte sich derweil nach draußen, während im Sitzungssaal für lange Zeit die Frage war, wer kann am schnellsten die blauen Briefwahlumschläge mit den Stimmzetteln öffnen. Um halb acht schließlich war auch der erste der beiden Briefwahlbezirke ausgezählt und das deutlich realistischere Zwischenergebnis lautete nun: Friedrich 95,85 Prozent, Sonstige 4,15 Prozent. Der dritte und letzte Wahlbezirk brachte schließlich also noch mal eine minimale Verbesserung für den einzigen Bewerber.

Er sei „total begeistert“ über die Wahlbeteiligung, so Friedrich nach der Verkündung des Ergebnisses, „das hätte ich mir vorher nie träumen lassen“. Er erinnerte an die Wahl 2012, daran, dass er damals starke Konkurrenten hatte und insofern sei das jetzige Ergebnis für ihn eine Bestätigung der Arbeit in den vergangenen acht Jahren, und zwar nicht für ihn, sondern auch für die Mitarbeiter im Rathaus und auch das Team, das ihm daheim den Rücken stärke. Das Ergebnis für Friedrich sei überragend, so Lebherz auf Nachfrage, „der junge Kollege hat wirklich Großartiges für Berglen, aber auch für den Rems-Murr-Kreis geleistet. Er hat immer das Ohr an den Bürgern gehabt und danach gehandelt.“

Maximilian Friedrich hat in seiner ersten Amtszeit sehr viel angepackt

Keine Frage, Maximilian Friedrich hat in seiner ersten Amtszeit in Berglen viel bewegt. Ja, eigentlich hat er das Tempo aus seiner Kandidatur rübergenommen ins Amt und er hat dort darin nicht nachgelassen. Außerordentlich viel, für eine kleine Gemeinde mit einer kleinen Verwaltung, wurde angepackt und auch zu Ende gebracht. Friedrich lässt aber keinen Zweifel daran, dass er seine Mission in Berglen noch lange nicht erfüllt sieht. Manchem mag das zu viel sein und manchem auch zu forsch, wie er es angeht. Aber das gilt auch für Berglen: Stillstand ist Rückschritt. Von der Idylle allein kann keine Gemeinde mehr leben. Wohin die Reise geht, darüber darf und soll allerdings sehr wohl gestritten werden.