Berglen

Verdächtige Antwort auf Autoinserat: Steinacherin wittert Betrugsmasche

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An dieser C-Klasse sind offenbar auch Leute interessiert, die es gar nicht auf einen Kauf abgesehen haben. © speiser

Wenn alle Älteren so auf Zack wären wie diese Steinacherin, dann könnten die ganzen Internet- und Telefonbetrüger einpacken.

Die ältere Dame, Jahrgang 1939 – die nicht mit Namen genannt werden möchte, weil sie und ihr Mann, gleiches Geburtsjahr, im Landkreis mal sehr bekannt waren und bei vielen es wohl auch noch sind – ließ ihren Enkel auf einem bekannten Gebrauchtfahrzeugportal im Internet inserieren, für die Mercedes-C-Klasse des Ehepaars, Baujahr 2004, erst 160.000 Kilometer auf dem Tacho und sehr gut erhalten, Wunschpreis 3500 Euro, kein Problem, sollte man meinen, den dafür loszubekommen, wenn es eben kein Diesel wäre.

Sie bekamen eine Anfrage per Mail, die sie stutzig machte. Der vermeintliche Interessent, ganz normaler deutscher Name, gab an, in Dänemark zu arbeiten und „nicht da“ zu sein, „um es abzuholen“, ob es denn „zu Ihnen passt“, wenn ein Spediteur „es“ abholt. Als sie das las, erinnerte sie sich prompt an einen Ende Juli erschienenen Artikel über einen ganz ähnlichen Vorfall. Es ging auch um den Verkauf eines gebrauchten Autos, zufälligerweise ebenfalls eine Mercedes C-Klasse, Verkäufer ebenfalls ein Berglener, nämlich aus Hößlinswart.

Gebrochenes Deutsch in der Anfrage

Dem fiel die „gebrochene“ Sprache in der Antwort auf, in seinem Fall eine SMS. Er argwöhnte, dass hier ein Online-Übersetzungsprogramm benutzt worden war. Auch die Antwort-Mail an die Steinacherin wirkt in der Hinsicht merkwürdig. Auch der damalige vermeintliche Interessent, ebenfalls angeblich im Ausland lebend, in dem Fall in Österreich, hatte vorgeschlagen, den Wagen von einer Spedition abholen zu lassen. Der angebliche Name stellt sich als Deckname eines Trickbetrügers heraus, der die gleiche Masche unter dem gleichen Deckmantel schon andernorts versucht hatte. Das fand der Verkäufer durch eigene Recherche heraus. Als er den Fall bei der Polizei anzeigte, machte die ihm wenig Mut, durch die Verwendung eines Decknamens sei seine wahre Identität nicht bekannt und werde sich seine Spur nicht leicht verfolgen lassen.

Ein weiterer angeblicher Interessent für den Steinacher Wagen meldete sich nicht wieder, die Antwort an ihn wurde als „nicht zustellbar“ vom Mailprogramm angezeigt. Der Artikel über den Hößlinswarter Fall und die darin enthaltene Warnung ließen auf jeden Fall beim Steinacher Paar die Alarmglocken schrillen. Sie reagierten nicht mehr auf die Anfrage. So ganz sicher ist die Frau aber nicht, dass das die richtige Reaktion war, sie fragt sich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie denn das Spiel schon durchschaut hatte, es einfach weiterzuspielen und damit, wenn möglich, dem Betrüger auf die Schliche zu kommen, natürlich unter Mithilfe der Polizei. Mal so gesagt: Wenn die einen Lockvogel bräuchte, einen geeigneteren könnte sie wohl kaum finden.

Sie hat nämlich auch schon so ihre Erfahrungen mit „seltsamen“ Anrufen gemacht, zum Beispiel mehrfach auf Englisch, ihr PC funktioniere nicht richtig. Sie antwortete irgendwann genervt schließlich ziemlich grob, was sie auch auf Englisch kann, und legte einfach auf. „Da war dann Ruhe.“ Aber sie ist so clever, dass sie vorher noch die Nummern auf dem Display, sofern sie nicht unterdrückt waren, notierte und im Telefonverzeichnis als „Betrüger“ abspeicherte, zum Schutz für ihren Mann, der zwar geistig noch voll auf der Höhe ist, aber nicht mehr beim Hören.

"Oma, ich habe gerade einen Unfall"-Anrufe hat sie auch schon bekommen

Ach, klar, hat sie auch schon solche Anrufe bekommen: „Oma, ich habe gerade einen Unfall . . .“. Weiter kamen und kommen die Anrufer aber bei ihr nicht, sie hören nämlich gleich darauf „tut-tut-tut“. Das kommt so oft vor, dass sie mittlerweile eine andere Telefonnummer möchte. In ehemaliger Verwandtschaft kam es vor, dass eine angebliche Enkelin die dortige Großmutter anrief und nach Geld aus dem Safe und der Bankverbindung vom Opa fragte für einen angeblichen Wohnungskauf. Sie kam zu spät mit ihrer Warnung, die Kontonummer war schon raus. „Ich versteh das aber eigentlich nicht, wie man da immer noch drauf reinfallen kann. Es wird doch so oft davor gewarnt.“

Vor drei Jahren Anruf bei ihr, wieder der „Enkeltrick“, angeblich Autokauf, angeblich könne die Bank aber leider den Scheck nicht mehr an dem Tag einlösen, es sei schon zu spät dafür, ob sie denn nicht aushelfen könne. Nein, konnte sie nicht und erst recht wollte sie nicht. Sie war wütend und schrie ins Telefon „Nicht mit mir!“ Damals rief sie im Nachhinein die Polizei an und die bat sie, doch beim nächsten Mal darauf zum Schein einzugehen, sie sei sicher, Beamte wären dann dabei vor Ort bei der Geldübergabe. Das war ihr aber zu heikel: „Ich hatte Angst, was ist, wenn die womöglich bewaffnet sind?“ Die Polizei habe ihr damals auch berichtet, dass die Erfahrung dort sei, dass Großeltern heutzutage oft ihre Enkel nicht mehr an der Stimme erkennen, also nicht merken, wenn jemand anders in der Leitung ist.

Wenn sie immer wieder angerufen werden von Trickbetrügern, kann es sein, dass ihre Telefonnummer dort „kursiert“? Möglicherweise sogar in einschlägigen Kreisen regelrecht „gehandelt“ wird, obwohl dank ihrer Aufmerksamkeit und Geistesgegenwart gar nichts zu holen ist bei ihnen? Die Polizei geht davon aus, dass solche Betrüger in Telefonbüchern gezielt nach heute nicht mehr gebräuchlichen Vornamen suchen, weil sie bei denen davon ausgehen (können), dass es sich um ältere Leute handelt. Das Steinacher Paar hat zum Beispiel solche Vornamen. Trotzdem: Bei ihnen sind die so was von „an der falschen Adresse“. Denn sie liest viel, hält sich auf dem Laufenden, ist immer auf dem neuesten Stand. Und sie hat es auch schon mit der Rückwärtssuche bei Telefonnummern versucht, um den Bösewichten etwas nachzuspüren. Auffällig oft kommen die Ländervorwahlen 0043 (Österreich) und 0044 (England) vor, berichtet sie. Kann es sein, dass an dieser Frau eine Detektivin verloren gegangen ist?

Wenn alle Älteren so auf Zack wären wie diese Steinacherin, dann könnten die ganzen Internet- und Telefonbetrüger einpacken.

Die ältere Dame, Jahrgang 1939 – die nicht mit Namen genannt werden möchte, weil sie und ihr Mann, gleiches Geburtsjahr, im Landkreis mal sehr bekannt waren und bei vielen es wohl auch noch sind – ließ ihren Enkel auf einem bekannten Gebrauchtfahrzeugportal im Internet inserieren, für die Mercedes-C-Klasse des Ehepaars, Baujahr 2004, erst 160.000 Kilometer auf

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