Berglen

Wie Bürgervertreter in Berglen auf die Ankündigung des Bürgermeisters Friedrich reagieren, bei der OB-Wahl in Backnang zu kandidieren

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Bei der Wahl 2012 gratulierten sein Vorgänger Wolfgang Schille (l.) und sein Schwaikheimer Kollege Gerhard Häuser (r.) Maximilian Friedrich, damals 25 (daneben seine heutige Ehefrau), unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses. © Ralph Steinemann

Maximilian Friedrich, vor einem halben Jahr erst wiedergewählter Berglener Bürgermeister, 33, kandidiert für den Oberbürgermeisterposten in Backnang, der durch den Sieg von Frank Nopper bei der Wahl in Stuttgart frei wird. Im Folgenden auf Nachfrage einige Reaktionen darauf.

Zunächst sei die Nachricht überraschend für ihn gewesen, so Oliver Klenk, der Sprecher der FBB-Fraktion. Auf der anderen Seite, wenn man drüber nachdenke, sei die Kandidatur von Friedrich in Backnang so unerwartet auch nicht. „Es war schließlich klar, dass er sich beruflich nach oben weiterentwickeln will.“ Für Berglen wäre es, sollte Friedrich gehen, natürlich bitter. „Aber, dass er diese Chance jetzt ergreifen will, ist in Ordnung. Ich würde es an seiner Stelle auch so machen.“ Klenk wagt einen Vergleich, das sei, wie wenn man das Angebot bekomme, bei den Bayern zu spielen.

Klenk: Sorge wegen der möglichen Nachfolgersuche

Die Frage sei aber, wenn Friedrich in Backnang gewinnen sollte, dass dann kurz später ja in Berglen ebenfalls ein (neuer) Bürgermeister gewählt werden müsste. Bei der Wahl in diesem Jahr habe es ja keinen überzeugenden Konkurrenten für Friedrich gegeben und die voraussichtliche Bewerberlage, im Fall des Falles, sehe er als Problem für Berglen, das mache ihm Sorge, so Klenk. Wenn Friedrich von den großen Fußstapfen von Nopper in Backnang spreche, so wären ja seine eigenen in Berglen, die es auszufüllen gelte, auch nicht gerade klein. Auch wenn er diesem für die Wahl in Backnang viel Erfolg wünsche. „Wir sind nämlich rundum sehr zufrieden mit seiner Arbeit hier.“

Er habe persönlich eh nicht damit gerechnet, dass Friedrich seine zweite Amtszeit in Berglen vollenden und sich zum dritten Mal hier zur Wahl stellen würde, so Klenk. Ja, eigentlich habe er sogar gar nicht damit gerechnet, dass dieser sich in Berglen zur Wiederwahl stellen werde. Friedrich zeichne eine klare Meinung und konsequente Linie bei allem aus. Er taktiere nicht, auch wenn er Gegenwind bekomme, habe mit dem Gemeinderat immer offen und ehrlich kommuniziert.

Sanierungsstau aufgelöst, Sporthalle gebaut

Berglen habe definitiv von ihm profitiert, seiner akribischen und zielstrebigen Arbeit. Mit ihm seien viele Projekte angegangen und umgesetzt worden. Der Sanierungsstau sei in dessen Amtszeit aufgelöst worden, viele „Baustellen“ seien weggeräumt worden. Klenk nennt den Bau der Sporthalle in Oppelsbohm, die Feldwegesanierung, auch die Flurbereinigung. Natürlich habe man mitunter auch mal das Gefühl gehabt, von Friedrich „überfahren“ zu werden. „Aber gerade das schätze ich ja an ihm: Dass er gedanklich immer einen Schritt voraus ist.“ Zum Schluss hat Klenk noch das „GAL“(größtes anzunehmendes Lob) für Friedrich: „Ich kann mir ehrlich gesagt gar keinen besseren Bürgermeister für Berglen vorstellen.“

Haller: Er ist nie nachtragend nach einem Streit

„Ist doch klar, dass er die Chance ergreift, wenn sie sich ergibt“, meint Armin Haller, der Sprecher der BWV-Fraktion, „es ist halt schade, dass es so kurz nach seiner Wiederwahl ist. Schöner wäre es gewesen, er hätte, wenn es normal gelaufen wäre, sich erst 2026 in Backnang beworben. Aber gut, so wie es jetzt gekommen ist, da kann er ja nichts dafür.“ Er sei mit Friedrich immer gut ausgekommen, „auch wenn wir manchmal aneinander ‘nauf sind, nicht immer gleicher Meinung waren“. Friedrich könne seine Meinung eben sehr energisch vertreten. Aber es sei durchaus möglich, ihn davon zu überzeugen, dass er sich auch mal verrannt hat. „Und das schätze ich eben sehr an ihm: Er ist nicht nachtragend. Man kann immer offen mit ihm schwätzen. Er ist ja auch für die Bürger jederzeit ansprechbar.“

Bei der Frage nach der Bilanz von Friedrichs Amtszeit erinnerte Haller an die Wahl 2012. Da habe es ja ernstzunehmende Alternativen gegeben. Damals hätten viele gesagt, oh, der ist aber noch arg jung und der wird bestimmt nicht lange in Berglen bleiben, aber eben auch, dass er sich gerade deswegen besonders reinhängen werde, um dann, wenn er sich woanders bewerben werde, „einen Stein im Brett zu haben.“ Genau so sei es dann auch gekommen. Man dürfe bei all dem in den acht Jahren Erreichten aber auch nicht vergessen, dass Friedrich ein wirklich gutes Team im Rathaus habe, auf das er sich verlassen könne.

Er selbst hebe die vom Bürgermeister persönliche angestoßene Partnerschaft mit Gaschurn hervor, von der er hoffe, dass sie nach Corona und auch nach Friedrichs möglichem Weggang fortbestehen werde, so Haller. Er erzählt beim Zurückschauen eine Anekdote: 2012 feierte der damalige Vorsitzende des Musikvereins Weißbuch Armin Scheiffele seinen 50. Geburtstag im Schützenhaus Gernhardt, in dem Haller mittlerweile Wirt ist. Haller war der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Plötzlich sei da jemand auf der Terrasse aufgetaucht und als man erkannt habe, dass es sich da um den Bürgermeisterkandidaten Friedrich handelte, habe man ihn natürlich gleich gebeten, sich vorzustellen, was dieser ebenso selbstverständlich prompt tat. Haller war an diesem Tag nicht der einzige Vereinsvorsitzende und damit „Multiplikator“ vor Ort. Friedrich habe da also gleich einen „ganz großen Coup gelandet“.

Aber im Ernst, noch mal zurück zum Thema Backnang: Es sei mutig von Friedrich, zu so einem früheren Zeitpunkt bereits seine Kandidatur in Backnang bekanntzugeben: „Aber das ist auch typisch für ihm. Nicht abwarten, nicht erst mal schauen, wer da sonst noch so kandidiert. Sondern zu sagen, das ist mir egal, ich kandidiere unabhängig davon“, so Haller.

Reichart: Man hat es sich schon denken können

Es sei für Friedrich nun mal eine einmalige Chance, bei der jeder nachvollziehen könne, dass er sie ergreife, so Susanne Reichart, die SPD-Fraktionsvorsitzende: „Er hat sich den Termin ja nicht ausgesucht.“ In der Politik laufe es mit Bewerbungen eben anders also sonst. Dort stelle man sich vor und warte ab, ob es klappt mit der Stelle, wenn nicht, sage man im alten Betrieb einfach nichts davon und mache dort weiter, als sei nichts gewesen. „Das geht in der Politik halt nun mal nicht.“ Aber jeder, der Friedrich kenne, habe schon mit oder seit der Kandidatur von Nopper in Stuttgart sich denken können, dass es in die Richtung gehen könnte.

Demokratie lebe vom Wechsel, alles Neue sei auch eine Chance, man könne also gespannt, sein, wer da auf Friedrich folgen werde, sollte es für ihn in Backnang klappen. „Das könnte also auch eine Chance für Berglen sein.“ Susanne Reichart ist erst seit der jüngsten Wahl vor anderthalb Jahren im Gemeinderat und lebt „erst“ seit etwa zehn Jahren mit ihrer Familie in Berglen. Das Entstehen von Neubaugebieten, so auch in Berglen in dieser Zeit, sei für sie, als sie hierherkamen, nichts Überraschendes gewesen. Viele Neubaugebiete in wenigen Jahren, das werde von vielen Bürgern hier aber kritisch gesehen. Freilich gebe es Wohnungsknappheit, aber das Tempo dabei, um dieser zu begegnen, sei für viele wohl zu schnell gewesen. Natürlich habe Friedrich Berglen da in eine Richtung gebracht, den Wandel dort beschleunigt. Er habe überhaupt vieles fachlich vorangebracht, sei dabei immer sehr gut organisiert, habe auf jede Frage eine Antwort, kenne sich in jedem Bereich sehr gut aus und werde der Gemeinde Berglen, sollte er in Backnang gewählt werden, sehr gute Finanzen hinterlassen.

Lob für das Meistern der Coronakrise in Berglen bisher

Das Miteinander im Gemeinderat sei sehr gut, auch wenn es dort ab und an Kontroversen gebe, „der Austausch ist aber immer sachlich“. Auch dort merke man Friedrich an, dass er das Verwaltungshandwerk von der Pike auf gelernt habe. Oder darin, dass die Gemeinde die Coronakrise hervorragend meistere. Da komme ihr die Organisationsfähigkeit des Bürgermeisters zugute. Während in Berglen alles über seinen Tisch gehe, werde er, wenn er denn in Backnang OB werde, aber delegieren müssen. „Was ich ihm aber auch zutraue, dass er das schafft.“ Friedrich habe sich den Zeitpunkt der Bekanntgabe seiner Bewerbung sehr gut überlegt, wohl auch mit Blick auf die Wirkung bei möglichen anderen Interessenten, ist sich Susanne Reichart sicher. Auf der anderen Seite sei sie etwas skeptisch für den Fall, dass es für Friedrich in Backnang nicht klappt und er damit in Berglen bliebe. „Das würde auch von der Motivation her für ihn nicht so einfach.“

 „Das hat zwei Seiten“, so Martin Schupp vom Vorstand der BUND-Ortsgruppe. Der persönliche Umgang mit Friedrich sei immer angenehm gewesen.

Schupp: Diese Beton- und Versiegelungspolitik ist mir zuwider

„Inhaltlich“, in puncto Umwelt- und Naturschutz, könne er das allerdings nicht sagen. „Da könnte man sich schon jemanden vorstellen, der dem näher steht.“ Insofern würde er Friedrich nicht nachtrauern, sollte es für den in Backnang klappen. Schupp geradeheraus: „Diese Beton- und Versiegelungspolitik ist mir zuwider. Ich bin da überhaupt nicht mit ihm einig.“ Da gehe es nicht nur um die ganzen Baugebiete, sondern auch zum Beispiel um das „Teeren von Waldwegen“, wie etwa die „Waldstraße“ von Hößlinswart heraus hoch zum KTSV-Sportgelände. Natürlich habe Friedrich kapiert, dass Umweltschutz ein wichtiges Thema sei, Beispiel Projekt „1000 Bäume pflanzen in Berglen“, aber er sei damit „doch sehr professionell umgegangen“, kritisiert Schupp. Immerhin, bereits vor der Wahl 2012 habe man bei einem Treffen des Vereins mit Friedrich am Ende feststellen müssen, dass man sich wohl nicht einig werde. „Er hat das damals offen, von vornherein vor der Wahl gesagt, das fand und finde ich gut.“

Anderes Beispiel aus Sicht von Schupp: die Flurneuordnung. Die sei geradezu ein Lehrbeispiel, wie Politik arbeite, nämlich nicht offen ihre wahren Ziele zu sagen. Angeblich habe das Schaffen von Biotopverbünden im Vordergrund gestanden, davon könne aber in Wirklichkeit schon lange nicht mehr die Rede sein. Tatsächlich sei es um eine neue breite Straße (zwischen Rettersburg und Öschelbronn) somit ebenso breiten Wegen drumherum gegangen. „Das wäre alles ohne die Flurneuordnung doch gar nicht gegangen. Man hat es durchgedrückt, indem man die Leute ein Stück weit verarscht hat.“

Maximilian Friedrich, vor einem halben Jahr erst wiedergewählter Berglener Bürgermeister, 33, kandidiert für den Oberbürgermeisterposten in Backnang, der durch den Sieg von Frank Nopper bei der Wahl in Stuttgart frei wird. Im Folgenden auf Nachfrage einige Reaktionen darauf.

Zunächst sei die Nachricht überraschend für ihn gewesen, so Oliver Klenk, der Sprecher der FBB-Fraktion. Auf der anderen Seite, wenn man drüber nachdenke, sei die Kandidatur von Friedrich in Backnang so unerwartet

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