Berglen

ZVW-Sommertour mit Naturparkführer Elsäßer

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Wie Eiche und Buche sich gegen den Schädling Gallwespe zur Wehr setzen, lässt Elsäßers Zuhörer staunen. © Habermann / ZVW
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Kleine Menschen, größe Bäume. © Ramona Adolf
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Wie es sich für Berglen gehört: Es geht erst mal aufwärts. © Habermann / ZVW
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Bei der Wanderung gab es auch Tipps zur Zubereitung von Oregano und Zwiebeln © Habermann / ZVW
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Am Ziel, unter den Riesen. © Habermann / ZVW
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Zeitungsleser auf Sommertour durch den Berglener Wald. © Ramona Adolf
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Peter Elsäßer zeigt den Wald von seiner kuriosen Seite. © Ramona Adolf
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Peter Elsäßer erzählt, unsere Zeitungsleser lauschen gebannt. © Ramona Adolf
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Bunte Regenjacken zwischen den Bäumen. © Ramona Adolf
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Zum Gehölzlehrgarten. © Ramona Adolf

Berglen. „Warum schauet Sie denn da ausgerechnet mich an?“ Die „Beschwerde“ einer Teilnehmerin der Sommertour sorgt für noch mehr Heiterkeit als die Erklärung von Tourführer Peter Elsäßer, warum das Hexenkraut eigentlich so heißt, wobei die aber auch für etwas Gruseln im Wald sorgt.

Video: ZVW Sommertour mit Naturparkführer Peter Elsäßer

Denn lustig ist eigentlich nicht, was der Naturparkführer da gerade erzählt, es geht nämlich wirklich um vermeintliche Hexen, und was man zum Ende des finsteren Mittelalters hin mit ihnen angestellt hat. Das Hexenkraut hat bei ihrer vermeintlichen Überführung damals tatsächlich eine Rolle gespielt. Der Aberglaube ist längst gewichen, doch der Name geblieben. Dass Elsäßer in dem Moment eine seiner Zuhörerinnen, wohl eher unbeabsichtigt, genauer ins Auge fasst, löst aber prompt bei dieser die genannte „empörte“ Rückfrage aus.

Reaktionen, das Interagieren ist typisch für die Tour. Elsäßer, ein Baumfachmann, der ganze Abende und nächtelang nur über die Buche und die Eibe erzählen könnte, überfällt die Mitwanderer nicht mit seinem immensen Wissen, sondern bemüht sich stets um „Mehrwert“, Nutzwert für diese. Ja, warum funktioniert das denn nicht, den am Wegesrand entdeckten Oregano zu pflücken und einfach über die Pizza zu streuen, damit die so schmeckt wie beim Italiener, warum stellen sich bei dieser Zubereitung keineswegs Urlaubsgefühle ein, so die launige Frage von Elsäßer. Na, weil „der Italiener“ eben weiß, dass Oregano frisch nicht schmeckt, sondern wegen seiner ätherischen Öle erst anwelken muss. Noch ein Tipp: Mit einigen Etagenzwiebeln, ebenfalls vom Wegesrand, die einige der Tourteilnehmer bislang fälschlicherweise für Knoblauch gehalten haben, kann man sich mit wenig Aufwand einen ganzen Jahresvorrat an Zwiebelgewürz anlegen.

Einfache Methode, um das Alter von Bäumen zu bestimmen

Elsäßer erklärt auch, bei einer Eiche am Rand des Sandwerkabbaugebiets oberhalb von Hößlinswart, wie man mit der Armspannweite, die bei fast jedem Menschen ziemlich genau dessen Länge entspricht und ja jeder von sich selbst kennt, den Umfang eines Baums messen kann und mit dem wiederum über einen bestimmten, je nach Baumart unterschiedlichen Faktor, also malgenommen, wiederum ziemlich genau das Alter eines Baums feststellen kann, plus minus zehn Jahre. Bei der Quizfrage, die er dazu vorher gestellt hat, kommt einer der Tourteilnehmer spontan fast exakt an das Alter heran, das diese Methode für den Baum ergibt.

 Knapp vier Kilometer liegen beim Start am Dorfgemeinschaftshaus in Hößlinswart vor den Teilnehmern der Tour. Es ist frisch, windig und es drohen schwarze Wolken mit Regen. Elsäßer verspricht, dass aber bald jedem schnell warm werden wird, denn gleich stehen 80 Höhenmeter an auf dem Weg zum nicht nur topografischen Höhepunkt, den Mammutbäumen, zahlenmäßig zwar klein hier vertreten, aber in der Höhe gewaltig aufragend. Der Standort ist noch ein Geheimnis, das nun ein bisschen gelüftet wird, er liegt unweit einer uralten Salzhandelsstraße, die zuerst Kelten, später Römer, Alemannen und Franken genutzt haben, auf ihrem Weg aus dem Hällischen ins Gäu. Dass das so war, weiß man durch ihre Hinterlassenschaften dort, also archäologische Funde, berichtet Elsäßer.

Diese Straße ist heute ein Weg, von dem aus aber man die nahen Baumriesen nicht sieht, sondern erst, wenn man durchs Dickicht stapft, über Wurzeln und Äste am Boden, den Blick fest darauf geheftet, um nicht zu stolpern, diesen plötzlich hebt und verwundert feststellt, dass man bereits mitten unter dem Ziel steht. Und von Elsäßer umgehend dessen Geschichte und Besonderheiten, eine Latte von Superlativen, erfährt. Unter anderem, dass das Holz eines einzigen solchen ausgewachsenen Giganten, der mehrere 1000 Jahre alt werden kann, ausreichen würde, um über 100 Jahre lang einen Kaminofen zu beheizen.

Beim Brennwert sind sie gar nicht spitze

Wobei sich ein anderer Baumholzfachmann, der sich in der Zuhörerrunde befindet, Uwe Kaiser aus Schwaikheim, doch den Hinweis erlaubt, dass der Brennwert vom Mammutbaum nicht überragend ist. „Na gut, dann nehmen Sie halt die doppelte Menge, damit’s richtig warm wird bei Ihnen“, kontert Elsäßer schlagfertig, das werde für die verbleibende Lebenszeit ja wohl noch reichen. Kein Widerspruch von Kaiser, da muss er selbst schmunzeln.

Aber Elsäßers Zeitplan ist straff, keine Zeit zum weiter Plauschen, die zweite Attraktion, der Gehölzgarten mit über 140 Sorten, wartet, „wir hängen fünf Minuten hinterher“. Nur noch so viel, als Appetitmacher von ihm: Mal an einem schönen Sonnentag mit dem Klappstuhl herkommen, hinsetzen, abschalten, einfach nur nach oben schauen: „Ich garantiere Ihnen, Sie bekommen da ein richtig majestätisches Gefühl.“ Er kann bei der Tour ohnehin nur anreißen, verweist auf seine eigenen Bergleswanderungen, die an Sonntagnachmittagen deutlich länger dauern als dieser Feierabendspaziergang, bei dem zudem die Dämmerung droht und Taschenlampen für einen etwaigen Nachtmarsch sowieso keiner dabeihat.

Die Eibe wechselt auf einmal, einfach so, ihr Geschlecht

Im Gehölzgarten unten löst Elsäßer sein Versprechen von vorhin ein, dort noch „etwas ganze Krasses in Sachen Sex“ auf Lager zu haben. Die Eibe, auch so ein Wunderbaum, allerdings, wegen der für den Menschen tödlichen Giftigkeit fast aller ihrer Bestandteile, nur mit äußerster Vorsicht zu genießen, wenn überhaupt nur von Fachleuten, kann selbst hochbetagt noch das Geschlecht wechseln. Warum, wisse niemand, aber eines Tages könne es ihr „einfallen“, nicht mehr Männlein sein zu müssen, sondern künftig Weiblein sein zu wollen, erzählt Elsäßer. „Vielleich weil es ihr so irgendwann langweilig geworden ist“, so eine launige Deutung. Wieder müssen alle schmunzeln. Es wird allmählich dunkel und wärmer wird es heute auch nicht mehr, also hurtig zum gemütlichen Ausklang im Schützenhaus Ödernhardt.