Fellbach

Über 30 Corona-Fälle im Philipp-Paulus-Heim in Fellbach: Heimleiter sucht nach Antworten - und berichtet, wie es Bewohnern und Mitarbeitern geht

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Symbolfoto. © Gabriel Habermann

Nach den vielen positiven Corona-Testergebnissen sind im Philipp-Paulus-Heim in Fellbach am Mittwoch weitere Schnelltests durchgeführt worden. Dabei wurden laut Stiftung Evangelische Altenheimat keine weiteren Corona-Infektionen festgestellt.

Zuvor waren 31 von 60 Bewohnern der Senioreneinrichtung und acht Mitarbeitende positiv getestet worden, bestätigt Inge Deborre von der Stuttgarter Stiftung. Wie es dazu kommen konnte, ist unklar. „Wir haben keine schlüssige Erklärung dafür“, sagt Heimleiter Hansjörg Knauß auf Anfrage. Es gebe den vagen Verdacht, dass das Virus von Besucherseite ins Heim gebracht worden sein könnte. Nachzuvollziehen sei das aber bisher nicht, so Knauß. Auch deshalb, weil die Maßnahmen im Philipp-Paulus-Heim Knauß zufolge schon zuvor verschärft worden sind – nachdem am 6. und 7. Januar bei Schnelltests die ersten 14 Positivfälle festgestellt worden waren. Einen Tag später wurden von einem Fellbacher Arzt PCR-Tests durchgeführt, die bei 31 Bewohnern anschlugen.

Bislang "sehr milde" Verläufe

Immerhin: Die Verläufe seien – bis auf einen Fall – bisher „sehr mild“, berichtet der Heimleiter.

Bis 5. Januar hatte es laut Knauß nur einen Fall gegeben, dann sei es „schlagartig“ nach oben gegangen. In der Folge verhängte die Heimleitung ein Besuchsverbot (mit Ausnahmen für Notfälle wie für im Sterben liegende oder psychisch stark angeschlagene Bewohner), die Senioren müssen laut Knauß seitdem in ihren Zimmern bleiben, auch für die Mahlzeiten. Zudem werde das Personal täglich vor Dienstbeginn auf Corona getestet. Eine weitere Verschärfung der Maßnahmen halte er aktuell weder für möglich noch für notwendig, sagt Knauß.

Die Mitarbeiter, davon etwa 50 in der Pflege, verhielten sich sehr konsequent und diszipliniert, betont Knauß. Trotz der acht infizierten Beschäftigten könne das Heim derzeit einen funktionierenden Dienstplan aufstellen. Etwa alle zwölf Tage gebe es einen Wechsel. So sollen Kontakte minimiert werden.

„Traurig“, so sagt Knauß, mache ihn aber Kritik, dass die Hygienemaßnahmen in der Einrichtung versagt hätten. Das sei für die Mitarbeiter nicht leicht.

Für die Bewohner wiederum sind die Kontaktbeschränkungen schlimm. Sie besuchen sich normalerweise gegenseitig, einige kennen sich seit ihrer Jugend, so Knauß. Für manche sei es schwer zu verstehen, dass sie jetzt ihre Nachbarn nicht mehr treffen dürfen.

Impfung verschoben

Bitter ist für das Philipp-Paulus-Heim auch: Eigentlich sollte laut Knauß vergangene Woche ein mobiles Impfteam kommen, um die ersten Corona-Impfungen vorzunehmen. Das musste wegen der Lage im Heim dann zunächst auf diesen Freitag (15.1.) verschoben werden – und nun kommen die Mitarbeiter des Robert-Bosch-Krankenhauses erst am 22. Januar.