Fellbach

Beim Spaßbad F.3 vergeht den Fellbachern der Spaß: Falsche Wasserrechnung auf Kosten der Bürger

F3 Fellbach
„Wasser marsch“ beim Fellbacher Spaßbad F.3: Wegen einer falschen Wasserrechnung ist den Fellbachern nun der Spaß vergangen. © Gabriel Habermann

Die Fellbacher haben Jahr für Jahr 24 Euro zu viel für ihr Wasser bezahlt. Der Grund: Die Stadtwerke Fellbach haben sich bei der Wasserrechnung fürs Spaßbad F.3 ziemlich verrechnet. Nun wird überlegt, wie die Stadtwerke den Verbrauchern die überhöhten Zahlungen zurückerstatten können. Der Schaden geht in die Millionen.

Wie sich die Stadtwerke so verrechnen konnten? „Ein einfaches Versäumnis bei der Datenerfassung schlägt über die Jahre mit einer enormen Wassermenge zu Buche“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt Fellbach. Die Stadtwerke Fellbach GmbH installierte für das 2013 neu eröffnete Fellbacher Familien- und Freizeitbad (F.3-Bad) einen sogenannten Verbundzähler, bei dem bauartbedingt nur ein Teil der Wassermenge gezählt wurde; die erfasste Menge musste dann zur Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchs multipliziert werden. „Durch einen Fehler wurde der notwendige Multiplikationsfaktor zehn aber in der Abrechnungsdatenbank der Stadtwerke nicht eingetragen – mit schwerwiegenden Folgen“: Bis September 2019 sei gegenüber der F.3 Betriebsgesellschaft Kombibad Fellbach GmbH nur ein Zehntel der Wassermenge abgerechnet worden. Auch bei der Abrechnung des Schmutzwassers wurde eine entsprechend geringere Menge zu Grunde gelegt.

„Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv aufgearbeitet, wie es zu diesem Fehler kommen konnte“, erklärt Gerhard Ammon. Der Stadtwerke-Geschäftsführer hat zwar keinen Hinweis für einen vorsätzlichen Fehler, „aber die Aneinanderreihung der Umstände, die zu dem Fehler geführt haben, hätte es nicht geben dürfen“. Ende Oktober 2020 war der langfristige Wasserverbrauch des F.3-Bades überprüft worden; und dabei war die Fehlabrechnung entdeckt worden.

Der Einbau des Verbundzählers mit zwei Zählwerken im Sommer 2013 selbst haben dem damals üblichen Stand der Technik entsprochen. Eines der beiden Zählwerke registrierte die kleinen Wassermengen; über das andere Zählwerk mit dem Multiplikator sollten die großen Mengen für den Badbetrieb abgerechnet werden. „Nicht unüblich für so große Wasserabnehmer wie ein öffentliches Bad“, kommentiert Ammon dieses Vorgehen. Allerdings müssen bei einem Verbundzähler dieser Bauart die erfassten Wassermengen mit zehn multipliziert werden. Dieser Faktor, der auch auf dem Zähler vermerkt ist, sei beim Einbau nicht in der Datenbank hinterlegt und konnte folglich auch in der Abrechnung nicht berücksichtigt werden.

Parallel dazu stellten die Stadtwerke mit der Eröffnung des Bades die bei den übrigen Wasserverbrauchern übliche jährliche Abrechnung auf eine monatliche Abrechnung um. Eigentlich ein zusätzliches Sicherheitsinstrument, da hierdurch der Zählerstand im Bad auch unterjährig monatlich abgelesen wurde. „Ärgerlicherweise haben wir dadurch aber unbeabsichtigt einen anderen Kontrollmechanismus außer Kraft gesetzt.“ Denn in der Regel gleichen die Stadtwerke die jährlich abgenommenen Wassermengen mit einer hinterlegten jährlichen Verbrauchsprognose ab. „Dies war bei der monatlichen Abrechnung nicht mehr der Fall, sonst wäre beim Vergleich mit den Prognosedaten die Diskrepanz spätestens nach einem Jahr deutlich geworden“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Auch bei einem Blick auf den Wasserverbrauch des früheren Hallen- und Freibads hätte das Problem erkannt werden können, weiß der Geschäftsführer; dieser Vergleich wurde aber nicht angestellt.

Die falsche Wasserrechnung fürs F.3 müsste niemand interessieren, wenn sie nicht auch Auswirkungen auf die Wassergebühren für die Fellbacher Bürger gehabt hätte. Denn der Gesamt-Wasserverbrauch die Grundlage für die Kalkulation sowohl der Frischwasserentgelte wie auch der Schmutzwassergebühren. Änderungen bei den Wassermengen schlagen indirekt bei allen Verbrauchern zu Buche. „Die Organe der Stadtwerke, der Gemeinderat und die Verwaltung sind sich einig, dass diejenigen Beträge, die aufgrund der Fehlkalkulation beim Wasser und Schmutzwasser rechnerisch zu viel abgerechnet wurden, an die Betroffenen zurückerstattet werden müssen“, stellt Oberbürgermeisterin Gabriele Zull fest. Die Bürger seien von der Rückerstattung gleich zweimal betroffen: Sowohl bei den abgeflossenen Kubikmetern Frischwasser als auch beim Schmutzwasser wurden in den Kalkulationen der betreffenden Jahre falsche Zahlen zugrunde gelegt. „Im Schnitt hat ein Durchschnittshaushalt in den sechs Jahren insgesamt etwas über 140 Euro – pro Jahr ungefähr 24 Euro – zu viel bezahlt“, erklärt Johannes Berner, Finanzbürgermeister und damit auch für die Beteiligungsunternehmen der Stadt zuständig. „Dieses Geld soll den betroffenen Haushalten und Betrieben zurückgezahlt werden Die nicht abgerechneten Frischwassermengen des F.3 Bades hatten im sechsjährigen Zeitraum der Fehlabrech-nung einen Gesamtumfang von rund 1,1 Millionen Euro. „Daraus ergibt sich eine nicht berechnete Schmutzwassermenge im Umfang von 1,1 Millionen Euro, die dem städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung hätten zufließen müssen“, so Gerhard Ammon.