Fellbach

Brandstiftung in Lagerhalle: Wer gab den Auftrag?

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen/Fellbach. Ein 21-Jähriger hat im vergangenen Oktober einen Vor Gericht sagte der junge Mann aus, er sei zu der Brandstiftung gezwungen worden, zwei Männer hätten ihn erpresst. Einer der mutmaßlichen Anstifter, ein 47-jähriger Stuttgarter, musste sich nun vor Gericht verantworten.

Gut ein Jahr ist es her, dass es in Fellbach in einer Lagerhalle gebrannt hat. In der Halle standen rund 80 Oldtimer im Gesamtwert von mehr als sechs Millionen Euro. Der Schaden war verhältnismäßig gering. Lediglich zwei Autos (keine Oldtimer) wurden beschädigt, die Halle musste neu gestrichen und einige Fahrzeuge aufbereitet werden. Etwas über 40 000 Euro Schaden seien entstanden, schätzt der Inhaber, der den Brand damals selbst hatte löschen können. Die Verdächtigen konnten erst Monate später gefasst werden, DNA-Spuren und Mobilfunkdaten hatten die entscheidenden Hinweise gegeben.

Hintergrund soll Rechtsstreit sein

Hintergrund der Brandstiftung soll ein Rechtsstreit um einen gefälschten Oldtimer sein: Diesen hatte einer der mutmaßlichen Hintermänner an einen Bekannten des Oldtimer-Handel-Inhabers verkauft. Als Motiv nimmt die Polizei Rache an. In diesem Zusammenhang wurde außerdem der Name einer bekannten Rockerbande genannt. Gegen den anderen mutmaßlichen Auftraggeber wurde nun am Amtsgericht Waiblingen verhandelt. Beide Männer sitzen derzeit im Gefängnis.

Er habe mit der Sache nichts zu tun. Dabei blieb der Angeklagte während der gesamten Verhandlung. Er habe erst während seiner Haft erfahren, was überhaupt passiert sei. Er verstieg sich in wirren Erklärungen über sein Handy und seine SIM-Karte und versuchte, damit zu belegen, dass er nicht der Gesuchte sein könne.

Vor der Untersuchungshaft von Hartz IV gelebt

Es ging um WhatsApp-Nachrichten (siehe Infobox), welche die Polizei als Beweismittel herangezogen hatte. Diese könne er gar nicht geschrieben haben, so der 47-jährige Stuttgarter, der vor der Untersuchungshaft mit seinen drei eigenen Kindern und den beiden Kindern seiner Verlobten von Hartz IV gelebt hatte. Den anderen mutmaßlichen Anstifter kenne er zudem gar nicht, er habe ihm lediglich einige aufbereitete Pocket Bikes verkauft. Sogenannte Pocket Bikes sind Motorräder, die nur etwa 50 Zentimeter hoch sind, aber normal gefahren werden können.

Angeklagter: "Man sucht hier einen Deppen"

Den 21-jährigen Brandstifter, der zeitweise bei der Patchworkfamilie gewohnt hatte, beschrieb er als „herzensguten Menschen, immer hilfsbereit“. Er könne sich nicht vorstellen, dass jener die Tat überhaupt begangen habe. Selbst sah sich der Angeklagte als Opfer eines Komplotts: „Man sucht hier einen Deppen, aber ich lasse mir das nicht in die Schuhe schieben.“ Welche Beweggründe dahinter stecken könnten, blieb allerdings ebenso schwammig und wirr, wie die Ausführungen zu seinem Handy.

21-Jähriger gestand Brandstiftung vor Gericht

Der 21-Jährige war bereits in einem anderen Verfahren wegen der Brandstiftung verurteilt worden und hatte diese gestanden. Auch als Zeuge schildert er, was in der Tatnacht geschehen war: Er sei mit zwei Kumpels nach Fellbach gefahren. Während diese auf ihn gewartet hätten, sei er zu Fuß zu der Halle gegangen, dort auf einen LKW geklettert, habe ein Fenster eingeschlagen und das Feuer gelegt. Dazu habe er einen halb mit Benzin, halb mit Grillanzünder gefüllten Benzinkanister sowie eine Bengalo-Fackel benutzt. Hilfe habe er nicht gehabt, sondern die Tat alleine begangen.

Verhandlung endet ohne Ergebnis

Genau das versucht der Verteidiger im Rest der für vier Stunden angesetzten Verhandlung zu widerlegen. Der 21-Jährige sei wegen eines Motorradunfalls drei Tage vor der Tat gar nicht in der Lage gewesen, auf den LKW zu klettern, Motorrad zu fahren, geschweige denn zu laufen. Was genau er damit für seinen Mandanten bezweckt, bleibt unklar.

Klar ist: Diese Taktik frisst Zeit. Und so endet die Verhandlung ohne Ergebnis und nachdem lediglich zwei der sieben geladenen Zeugen befragt wurden. Bei der Fortsetzung des Prozesses sollen die anderen Zeugen gehört werden, die bislang noch nicht zu Wort kamen.


„Geburtstagsfeier“ – der Chatverlauf

Eine Faust mit hochgerecktem Daumen soll der 21-jährige Brandstifter dem Angeklagten kurz nach der Tat per Whatsapp geschickt haben.

„Okay, seid ihr weg“, soll dieser geantwortet haben.

„Jo“, lautete wiederum die Antwort des 21-Jährigen. Auf die Frage „Okay, alles gut“ soll er geschrieben haben „Knie weh!“

Der Angeklagte soll zurückgeschrieben haben „Shit, aber sonst schöne Geburtstagsfeier??“ Geburtstagsfeier – offenbar das Codewort für die Brandstiftung.

Im weiteren Chatverlauf soll von einem „Feuerwerk“ die Rede gewesen sein.

Den Chatverlauf hatte die Polizei in den gelöschten Nachrichten sichergestellt und zog ihn als Beweismittel heran.