Fellbach

Das Smartphone ersetzt den Schalter

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Der Haushalt von morgen wird mit dem Smartphone, Tablet oder PC gesteuert. © Palmizi/ZVW.

Fellbach. Bis es so weit ist, dass das Geschirr von selbst den Weg in die Spülmaschine findet und der Sauger ohne unser Zutun erkennt, dass es Zeit ist, den Boden von Staubmäusen zu befreien, dauert es wohl noch einige Zeit. Eindrücke von der Erlebnismesse „Das intelligente Haus“ in Fellbach.

Die Prioritäten im Bereich des vernetzten und intelligenten Wohnens liegen bei den Themen Sicherheit und Energieeinsparung. Die Erlebnismesse machte vertraut mit Trendthemen des „Smart Home“ und lud ein, etwas rumzuspinnen.

Wie schön wäre das: Heimkommen. Tür aufschließen. Das erste Geräusch, das ins Ohr dringt, ist das Mahlgeräusch der Kaffeemaschine. Sie weiß, dass man sein tägliches Kaffeepensum noch nicht erreicht hat und brüht die gewünschte Tasse auf, während man die Jacke ablegt. „Möglich wäre es, rein theoretisch zumindest, es hängt vom Aufwand ab, den man betreiben will“, sagt Reinhard Otter, der sich die Erlebnismesse ausgedacht und konzipiert hat. „Wir wollen mit der Erlebnismesse eine praktische Plattform für Trendthemen wie Smart Home oder Heimvernetzung schaffen“, sagt der Redakteur der Zeitschrift „Das intelligente Haus“.

Die alltäglichen Plagen wird man so schnell nicht los

Die wissende Kaffeemaschine ist nicht mehr pure Science-Fiction. Wäre die Kaffeemaschine mit einer Schnittstelle versehen, könnte der persönliche Automatisierungswunsch einprogrammiert werden. „Sie könnte beim Öffnen der Türe anspringen und das Mahlwerk laufen lassen“, so Otter. Das ist möglich, weil im „Smart Home“ der herkömmliche Lichtschalter ein Auslaufmodell ist. „Er schließt keinen Stromkreis mehr, sondern ist in einem Netzwerk verbunden und empfängt Infos, die über Funk, über die Stromleitung oder über ein Bus-System übertragen werden“, so Otter.

Wir sind umgeben von Assistenten, optischen Individualisierungen, Bewegungsmeldern, Kameras, Fingerprint-Feldern, Synchronisationen, Bus-Funktionen, intuitiven Bedienbarkeiten, Lichttastern und Displays. Alltägliche Routinen laufen künftig immer stärker automatisch ab. Und doch: Die alltäglichen Plagen der Menschheit wird man auch mit verdrahteten digitalen Alltagserleichterern so schnell noch nicht los. Vergeblich sucht der Blick beim Wandern durch die smarten Multifunktionsräume die mitdenkende Spülmaschine, die sich selbst ausräumt. Ungehört bleibt das innere Flehen nach einem sensorisch aufpolierten Staubtuch, das glatte Oberflächen hinterlässt, während wir bei der Arbeit sind. Auch vom App-gesteuerten Mülleimer, der sich selbst runterträgt, dürfen wir höchstens träumen.

„Vieles ist datentechnisch nicht erfassbar: Die Schale leert sich nicht von selbst, der Wasserkanister kann sich noch nicht selbst nachfüllen“, erklärt Otter. Damit verlockender Kaffeeduft zur Begrüßung in die Nase strömt, brauche es nach wie vor den mitdenkenden und im Voraus den Wasserkanister befüllenden Menschen. Otter führt durch die Ausstellung, zu einer Firma für Gebäudeautomation. „Die Techniken sind da, wir müssen sie nur richtig miteinander vernetzen“, sagt Geschäftsführer Georg Frühauf und tippt zur Veranschaulichung ein paarmal auf die Tabletsteuerung in der Wand. Der Grundriss des Hauses wird sichtbar. Frühauf kann die Rollläden hoch- und runterfahren, im Bad das Licht einschalten und automatisch prüfen, ob alle Fenster geschlossen sind. Keine Frage, dass sich das Hausnetzwerk auch über das Smartphone steuern lässt, während der Hausbesitzer sonst wo weilt.

Im Zuhause von morgen werden künftig immer mehr Geräte mit immer mehr mobilen „Devices“, wie die Fachmenschen zu unseren Endgeräten in der Jackentasche sagen, kommunizieren. „Ich kann schon heute mit der Person kommunizieren, die an der Haustür klingelt, obwohl ich gar nicht daheim bin“, sagt Georg Frühauf. Per Smartphone sei es zudem möglich, einen Screenshot der klingelnden Person zu erstellen. Den Postboten kann man von unterwegs aus also schon treffsicher identifizieren und ihm über die Sprechanlage sagen, wo er das Päckchen abgeben soll.

Auch möglich: die Haustür per Fingerprint öffnen und schon läuft die Lieblingsplaylist ab. Wechselt man den Raum, wandert die Musik in den Multiroom-Systemen einfach mit. „Dass die Frau heimkommt, merkt man dann nur noch am Musikwechsel“, flachst Otter.

Wäre es nicht denkbar, dass Überwachungskameras im nicht aufgeräumten Kinderzimmer den Eltern ein wütendes Emoticon schicken, das ihnen anzeigt: Achtung, der Vermüllungsgrad hat ein kritisches Niveau erreicht? Was ist mit der sich selbst reinigenden Fensterscheibe, deren Sensoren ab einer gewissen Verdreckung das Fensterputzgerät aktivieren? Herumspinnen lässt sich viel bei dieser Messe. Doch sind derlei Applikationen für Reinhard Otter derzeit noch „Quatsch“. Ebenso wie er bei Kühlschränken lächelt, die einem per Smartphone mitteilen, dass die Milch sauer und der Käse schimmlig ist. „Wer möchte sich denn von seinem Haus bevormunden lassen oder immer dasselbe kaufen“, hält er dagegen. Die Technologie konzentriere sich derzeit auf zwei Hauptgebiete: „Sicherheit und Energieeinsparung sind die Burner bei den Kunden“, sagt Georg Frühauf.