Fellbach

Der 2016er reift zu einem guten Jahrgang heran

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Christoph Klopfer ist Jungwinzer des Jahres. © Winterling / ZVW
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Der ausgezeichnete „Mauerpfeffer“ vom Jungwinzer des Jahres, Christoph Klopfer. © Winterling / ZVW

Fellbach. Trotz der Fröste im Frühjahr, den schlimmen Unwettern im Frühsommer und der Hitze und Trockenheit bis in den Herbst hinein reift in den Weinbergen ein hervorragender Jahrgang heran. Weinbaupräsident Hermann Hohl erwartet dank kühler Nächte und anhaltendem Sonnenschein ausgesprochen fruchtige 2016er-Weine.

Video: Christoph Klopfer, Jungwinzer des Jahres.

Die Weingärtner sind rundum zufrieden, sagte Hermann Hohl am Donnerstag bei der traditionellen Herbstpressekonferenz des Weinbauverbandes in Fellbach und strahlte beinahe so, wie die Sonne über dem „Lämmler“. Nicht genug, dass es die Sonne gut mit dem württembergischen Wein meint. Auch Landwirtschaftsminister Peter Hauk versprach, die Steillagen-Förderung deutlich ausweiten zu wollen. Statt mit 900 Euro pro Hektar plant Hauk, die Bewirtschaftung der landschaftsprägenden Terrassen künftig mit rund 3000 Euro zu unterstützen. Die Erhöhung sei in der grün-schwarzen Koalitionsvereinbarung festlegt und in den berüchtigten Nebenabsprachen konkretisiert worden. Die Förderung müsse aber von der Europäischen Union erst noch geprüft und genehmigt werden.

Um die Steillagen mit ihren schönen und wertvollen Trockenmauern zu erhalten, sei jedoch nicht nur der Staat gefordert. Peter Hauk sieht bei der Vermarktung noch Luft nach oben. Die Qualität der Weine aus Steillagen müsse sich stärker in den Preis niederschlagen, verlangte Hauk Anstrengungen seitens der Weingärtner. Hermann Hohl appellierte an die Gastronome aus den Steillagen-Gebieten, sich mehr zu engagieren und auch Weine aus diesen Steillagen ins Sortiment auszuschenken. Schließlich lebten auch sie von diesen Markenzeichen in Baden-Württemberg.

Eine Flasche „Mauerpfeffer“ kostet stolze 19 Euro

Christoph Klopfer aus Großheppach ist für sein Steillagen-Projekt in der Lage „Cannstatter Zuckerle“ vom Weinbauverband als Jungwinzer des Jahres ausgezeichnet worden. Seine Überlegung war, auf dem geerbten Wengert nicht wie bisher Trollinger anzubauen, sondern eine pilzresistente Sorte, die weniger Arbeit macht. Der dunkle, kräftige „Mauerpfeffer“ hat seinen Preis. Die Flasche kostet stolze 19 Euro.

Der Spätburgunder im „Lämmler“ weist bereits beachtliche 80 Grad Öchsle auf, hat Weinkönigin Mara Walz am Donnerstag gemessen. Die Reifeentwicklung liege im langjährigen Mittel, so dass die Frühsorten bereits Ende dieser Woche geerntet werden können. Die Hauptlese startet Anfang Oktober. Hermann Hohl rechnet mit einer Ernte von rund 100 Millionen Liter, etwas weniger als in den beiden Vorjahren.

Dank der Hitze lange keine Kirschessigfliegen

Den Vegetationsstand der Anlagen nannte Hohl hervorragend. Die Laubwand zeige sich verbreitet intakt und die Bestandshygiene sei infolge der intensiven Pflegemaßnahmen außergewöhnlich gut. Diese Arbeit sei in diesem Jahr besonders notwendig gewesen, wies Hohl auf den holprigen Start des Jahres mit Frühjahrsfrösten hin, auf die in einigen Anbaugebieten starke Unwetter und Starkregen folgten, die beispielsweise im Kochertal ganze Weinberge weggeschwemmt haben. Die lange Trockenheit und die hohen Temperaturen sorgten für einen hohen Pilzdruck. Dem sei nicht nur mit Pflanzenschutz begegnet worden, sondern vor allem mit intensiven pflanzenbaulichen Maßnahmen, lobte Hohl die Weingärtner.

Hitze sei dank, habe sich die Kirschessigfliege für lange Zeit in den Wald verzogen gehabt, kehre nun aber in die Weinberge zurück. Hohl hat keine Hoffnung mehr, diesen eingewanderten Schädling jemals wieder loszuwerden. „Wir können ihn nur niedrig halten.“ Das Land sagte seine Unterstützung bei Monitoring, Forschung und Versuchen zu.

Der Klimawandel, der die Verbreitung der Kirschessigfliege erst möglich machte, zeigt sich im Weinbau zweifach. Zum einen häufen sich die Klimaextreme, wie die Starkniederschläge im Frühsommer zeigten. Zum anderen aber wachsen in Württemberg nun internationale Sorten wie Merlot oder Syrah, auf die der Vorsitzende der Fellbacher Weingärtner, Thomas Diebold, bei der Fahrt durch die Weinberge hingewiesen hat.

Klopfer ist Jungwinzer des Jahres

Christoph Klopfer, 26, aus Weinstadt-Großheppach und die „Next Generation“ der Fellbacher Weingärtner sind die württembergischen Jungwinzer des Jahres 2016. Klopfer wird für ein „Mauerpfeffer“-Konzept ausgezeichnet, mit dem er eine Steillage in Bad Cannstatt mit einer pilzresistenten und weniger arbeitsintensiven Rebsorte bepflanzt hat (wir haben berichtet). Die Kategorie Kooperationen gewann das Jungwinzerprojekt „Next Generation“ der Fellbacher Weingärtner, mit dem der Nachwuchs frühzeitig in die Genossenschaft integriert wird.