Fellbach

Ein Rest Optimismus

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107 Meter misst der Gewa-Tower in Fellbach. © Sarah Utz

Fellbach. Um die Verhandlungen zum Verkauf des Towers zu beschleunigen, soll der gemeinsame Vertreter der Gewa-Gläubiger weitere Vollmachten bekommen. Mehrere „in der Branche bekannte Immobilienentwickler“ stünden dafür bereit. Derweil mehren sich Stimmen, die Anleger sollten den Turm in eigener Regie weiterbauen.

Mehrere Investoren sind im Rennen um den Kauf des Hochhaus-Rohbaus in Fellbach. Darunter ein längere Zeit favorisierter Bieter, der aber eine seine Exklusivfrist verstreichen ließ. „Es sollen rein interne Gründe sein, weswegen er sein Angebot (noch) nicht verbindlich abgegeben hat“, sagte der Gläubigervertreter, der Düsseldorfer Anwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen diese Woche im Interview mit dem Portal „Anleihefinder“.

Mit Blick auf weitere Interessenten äußert er sich immer noch optimistisch: „Ich würde mich wundern, wenn wir nicht zum Abschluss kämen. (...) Ich halte es für so gut wie ausgeschlossen, dass der Tower eine Ruine bleibt.“

Verhandlungen vereinfachen

Für die Tage vom 9. bis zum 11. Juli ist eine Anleger-„Versammlung“ anberaumt, die zunächst im schriftlichen Verfahren abgewickelt wurde. Nur im Fall, dass weniger als die Hälfte des Anleihevermögens dabei vertreten wird, soll es vor Ort zu einer echten Versammlung kommen – und zwar im Foyer des Gewa-Towers.

Hautsächlich geht es darum, die Befugnisse von Gustav Meyer zu Schwabedissen zu erweitern – mit dem Ziel, die Verhandlungen zu vereinfachen. „Es ist von unschätzbarem Vorteil, wenn die Bieter mit jemanden verhandeln können, der auch entscheiden kann.“

Ansonsten müsste jeweils eine Versammlung einberufen und abgestimmt werden. Als Gegenwicht gegen die verschiedenen Ermächtigungen soll ein Anlegerbeirat geschaffen werden, mit dem Gustav Meyer zu Schwabedissen Rücksprache hält.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kündigt an, nicht in allen Punkten zustimmen zu wollen. Dahinter steht die Sorge, dass Anleihegläubiger nach Gerichtsverfahren zur Durchsetzung ihrer Ansprüche auf den Gerichtskosten sitzenbleiben könnten, falls ein Prozess verloren geht.

Tower-Webseite aus Spargründen abgeschaltet

Derzeit liegt der Kurs der Anleihe leicht verbessert bei 22 Prozent ihres Ursprungswerts. Sicher ist, die Anleger können nur auf einen Bruchteil ihres investierten Geldes hoffen. Daher mehren sich laut dem Gläubigervertreter die Stimmen, dass die Gläubiger den Turm in eigener Regie fertigstellen lassen und dann die Wohnungen erst einmal vermieten, um sie dann sukzessive abzuverkaufen.

Das Hotel müsste dann für etwa zehn Millionen Euro sofort verkauft werden, um Liquidität für den Weiterbau zu generieren. Schon 2017 war der Käufer des Hotels von dem mit den Bauherren abgeschlossenen „Forward Deal“ zurückgetreten.

Die Stimmung unter den Anlegern bewertet er als von Rationalität geprägt. Alle Betroffenen wüssten, dass sie im Grundbuch gesichert seien und der gesamte Verkaufserlös erstrangig den Anleihegläubigern zustehe. Bezüglich der Arbeit des vorläufigen Insolvenzverwalters bestehe ein „hohes Maß an Zustimmung“.

Rückblickend auf die Ursachen der Insolvenz bestätigt Gustav Meyer zu Schwabedissen die These vom eingebauten Risiko: „Meines Erachtens war das Projekt einfach zu knapp kalkuliert: prospektierte Investitionskosten von 60 Millionen Euro gegen einen Immobilienwert von 67 Millionen.

Da können schon leichte Verschiebungen im einstelligen Prozentbereich das Projekt in Schieflage bringen.“ Besonders schlimm habe sich aber ausgewirkt, dass Verkäufe unter Wert vorgenommen wurden, um Liquidität zu schaffen. Der Bau an sich sei gut ausgeführt worden. Das bestätigten die eingeholten TÜV-Gutachten.

Jüngst ließ der vorläufige Insolvenzverwalter die Webseite www.gewa-tower.de abschalten. Als Grund nennt er Kosten, die nicht zuletzt wegen der Datenschutzverordnung entstünden.


Rückblick

Die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG, die Projektgesellschaft zum Bau des Gewa-Towers, musste Ende 2016 Insolvenz anmelden. Seither ist Ilkin Bananyarli von den Pluta Rechtsanwälten als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig.

Im November 2017 sprang überraschend ein monatelang favorisierter Kaufinteressent aus ungeklärten Gründen ab. Im Frühjahr ließ ein zweiter Bieter die ihm eingeräumte Exklusivfrist verstreichen, ist aber weiter im Gespräch. Über Namen von Investoren wurde Stillschweigen vereinbart.