Fellbach

Er findet das Haar in der Suppe: Unterwegs mit Lebensmittelkontrolleur Gerhard Holzwarth in Fellbach

Gerhard Holzwarth von der Lebensmittelüberwachung überprüft die Küche eines Supermarkts.
Hier gibt es nichts zu beanstanden. Gerhard Holzwarth von der Lebensmittelüberwachung im Landratsamt ist bei einer Kontrolle mit den Gegebenheiten einer Supermarkt-Küche zufrieden. © ZVW/Diana Feuerstein

Das schlimmste, an das sich Gerhard Holzwarth in seinem Job als Lebensmittelkontrolleur erinnert, ist, dass in einer Gaststätte von deutschen Betreibern „total verschimmeltes Fleisch kleingeschnitten wurde, um daraus Geschnetzeltes zu machen – man denkt, man ist im falschen Film“, sagt der Teamleiter im Amt für Veterinäres und Lebensmittelüberwachung Rems-Murr. Er habe es in Betrieben auch mit Rattenbefall, Mäusen und Kakerlaken zu tun gehabt. Angefangen bei einer Ordnungswidrigkeitenanzeige bis hin zur Strafanzeige und der kompletten Betriebsschließung habe er alles schon erlebt. Mit einer Mappe unter dem Arm steht er nun vor einem Supermarkt in Fellbach und ist gespannt, was ihn erwartet.

Es ist ein schöner Markt, hier in der Stuttgarter Straße in Fellbach. Der erste Eindruck ist gut, alles wirkt sauber, übersichtlich geordnet. Es sind Kleinigkeiten, auf die Gerhard Holzwarth achtet. Auch ein Blick an die Decke könne manchmal aufschlussreich sein, aber dazu später mehr.

Zielstrebig läuft Holzwarth mit einer Mitarbeiterin des Supermarktes im Schlepptau zur offenen Salattheke. Er überprüft die Temperatur mit einem Messgerät und lässt den Blick über die Zutatenliste gleiten, erkennt, dass der weiße Käse als Hirtenkäse gekennzeichnet ist und nicht etwa als Schafskäse. Allergene sind als solche deklariert. Er nickt zufrieden. Doch einen Kritikpunkt hat er: Hier könnte noch eine weitere Flasche mit Desinfektionsmittel aufgestellt werden. Sebastian Aupperle, einer von drei Inhabern der regionalen Supermarktkette, nickt zustimmend.

Viren verbreiten sich nicht über Lebensmittel

Rechtliche Vorschriften in Zeiten der Pandemie gebe es keine, so Holzwarth. Es sei auch nicht bekannt, dass sich Viren auf Lebensmitteln abgelagert hätten und auf den Menschen übertragen wurden. Supermärkte beugen dennoch vor, stellen Desinfektionsmittel auf oder legen gar Einmalhandschuhe aus. Eine gesetzliche Vorschrift gebe es aber nicht, so Holzwarth. Es handle sich hierbei um Empfehlungen an die Supermarkt-Betreiber.

Viele Märkte bieten gerade keine Salattheke an

Viele Märkte hätten dennoch eine offene Salattheke eingestellt, weiß Holzwarth. Auch im Fellbacher Supermarkt in der Stuttgarter Straße sei die Salattheke lange geschlossen gewesen und erst seit 1. Juli jedoch mit reduziertem Angebot wieder offen, nachdem die Nachfrage wieder gestiegen war, erklärt Aupperle.

Die verschiedenen Salate werden im Supermarkt in der hauseigenen Küche zubereitet. Lebensmittelkontrolleur Gerhard Holzwarth zieht einen weißen Einmal-Kittel über, bevor er den Raum betritt. Er ist sehr routiniert, in dem was er tut. Jeder Blick wirkt gezielt. So würde ihm auffallen, wenn etwa die Wände oder die Decke nicht sauber wären. „Hier wird großflächig gearbeitet“, sagt er. Aber nach Schmutzspritzern sucht er vergeblich. Behälter, die für die Salatzubereitung verwendet werden, werden nach dem Abwasch leicht schräg angeordnet, so dass sich dort keine Mikroflora bilden kann. „Die Grundhygiene stimmt“, sagt er zufrieden.

Die Angst vor der Pandemie bleibt

Ein Blick in den Kühlschrank offenbart ihm, dass auch hier alles den Hygiene-Vorgaben entspricht: Die Gefäße sind abgedeckt, die Temperatur stimmt. In der Küche liegen Nudeln und Kartoffeln für die Zubereitung bereit. Sechs Stunden am Tag ist damit eine Mitarbeiterin beschäftigt – auch ein Indiz für Frische und Hygiene, so Holzwarth. Sebastian Aupperle beobachtet das Tun des Lebensmittelkontrolleurs, wirkt aber dennoch gelassen. Seine Mitarbeiter werden regelmäßig in Sachen Infektionsschutzgesetz belehrt, wie es Vorschrift ist. Sie wissen, was erlaubt ist und was nicht. Angst habe Aupperle dennoch – der Pandemie geschuldet: „Was passiert, wenn Mitarbeiter an dem Coronavirus erkranken und der Betrieb im Supermarkt weiterlaufen muss? Was passiert, wenn die halbe Belegschaft in Quarantäne geschickt wird?“

180 Kunden dürfen gleichzeitig in den Markt

Um gewappnet zu sein und sich und seine Mitarbeiter zu schützen, habe er schon im März die Belegschaft angehalten eine Maske zu tragen, bevor überhaupt von einer Maskenpflicht die Rede war, wie er sagt. Außerdem habe er schon damals die Kunden zur Kartenzahlung animiert. Das Personal wurde aufgestockt. Er hat zusätzliches Reinigungspersonal eingestellt, das „zweimal täglich alle wichtigen Kontaktflächen desinfiziert“. Dazu zählen beispielsweise auch die Ablagefläche rund um die Salatbar, Einkaufswagen und Kartenzahlgeräte. Am Eingang des Supermarktes wurde eine teure Zählanlage eingebaut, welche registriert, wie viele Kunden den Markt betreten. Bei 180 ist Schluss. So ist genug Platz für den vorgeschriebenen Abstand, der nun mit Einführung der Pandemie-Stufe drei in Märkten wieder gilt. „ So hoffen wir“, sagt er, „dass wir gut durch die Zeit kommen!“

 

 

Das schlimmste, an das sich Gerhard Holzwarth in seinem Job als Lebensmittelkontrolleur erinnert, ist, dass in einer Gaststätte von deutschen Betreibern „total verschimmeltes Fleisch kleingeschnitten wurde, um daraus Geschnetzeltes zu machen – man denkt, man ist im falschen Film“, sagt der Teamleiter im Amt für Veterinäres und Lebensmittelüberwachung Rems-Murr. Er habe es in Betrieben auch mit Rattenbefall, Mäusen und Kakerlaken zu tun gehabt. Angefangen bei einer Ordnungswidrigkeitenanzeige

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper