Fellbach

Gabriele Zull und das Tower-Problem

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Die Rathauschefin vor großformatiger Kunst in ihrem Dienstzimmer: „Ich setze darauf, dass das Bauprojekt im geordneten Insolvenzverfahren fertiggestellt wird.“ © Büttner / ZVW

Gerade zwei Wochen war die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Amt, da kam mit der Insolvenz der Gewa der Paukenschlag. Unverschuldet hat die neue Rathauschefin plötzlich ein turmhohes Problem, das über die Stadtgrenzen hinaus polarisiert. Doch die politischen Einflussmöglichkeiten sind begrenzt.

Im Video:  Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull ist zuversichtlich das der Gewa-Tower fertiggestellt wird

Würde aus dem geplanten Luxus-Tower, wie viele Kritiker glauben, eine Bauruine – es wäre unstrittig eine Katastrophe für Fellbach. Und gewiss nicht schön fürs nur einen Steinwurf entfernte Waiblingen. An diesen schlimmsten Fall glaubt Gabriele Zull indes nicht, zuversichtlich macht sie dabei das jüngst erfolgte Gespräch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli.

"Je länger es dauert, desto teurer wird es“

Demnach will die Firma Baresel als Generalunternehmer den Vertrag erfüllen und den Tower fertig bauen. Weiter berichtete der Rechtsanwalt der renommierten Kanzlei Pluta von mehreren Interessenten, die das Projekt übernehmen wollen. Und er habe betont, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Interesse an einer schnellen Lösung hätten. „Klar ist auch, je länger es dauert, desto teurer wird es.“

Angespannt ist die Stimmung in der Stadt und im Gemeinderat, wenn es um den Tower geht. Dessen Befürworter und diejenigen, die schon immer dagegen waren, beharken sich. Zumal das Hochhaus schon immer umstritten war, bleiben Schuldzuweisungen nicht aus. Doch solches Rühren in der Vergangenheit interessiert die bisherige Erste Bürgermeisterin der Stadt Göppingen herzlich wenig, ihr Blick richtet sich auf die Gegenwart: Eine städtische Bürgschaft, das stellte sie öffentlich klar, werde es nicht geben.

"Unser Part ist fast erledigt"

Die Gewa habe alle städtischen Rechnungen wie die Baugenehmigungsgebühr oder den Abwasserbeitrag fristgerecht bezahlt. Auch der Infrastrukturkostenbeitrag in Höhe von 400 000 Euro sei fristgerecht überwiesen worden. Die Möglichkeiten der Stadt, zu einer positiven Entwicklung beizutragen, sind begrenzt. „Unser Part ist fast erledigt“, sagt die 49-Jährige mit Blick auf die Erschließung Eberhardstraße. Der Insolvenzverwalter und – wie zu hoffen steht – der Investor treten „1:1“ in die städtebaulichen Verträge mit Fellbach ein.

Um ihre Heizzentrale müssten die Stadtwerke nicht bangen. Das Wärme-Contracting gehe auf den Rechtsnachfolger über und sei mit Grunddienstbarkeiten abgesichert. Die Heizzentrale selbst befinde sich in Gebäudeteilen, die nicht von der Insolvenz betroffen sind. So bleiben die Wärme-Hausanschlüsse und Wärme-Übergabestationen: Im Fall, dass Tower eine Bauruine bleibt, könnten die Stadtwerke diese Übergabestationen ausbauen und in andere Gebäude installieren. Ausgelastet werden könnte die zunächst überdimensionierte Heizzentrale dann mit Wärmeanschlüssen in der Umgebung.

Streitpunkt mit Waiblingen: Der Nordostring

Während der Waiblinger OB Andreas Hesky neulich bei einer Regionalkonferenz der Freien Wähler für einen Ringschluss um Stuttgart und mithin für einen Nordostring eintrat, bleibt die Fellbacher Kollegin zu 100 Prozent bei der ablehnenden Haltung ihres Vorgängers Christoph Palm, will für „kleinräumige Lösungen“ kämpfen und hält an der Idee der Billinger-Variante als prüfenswertem Vorschlag fest. Ein nur zweispuriger Nordostring erscheint ihr unrealistisch, ein vierspuriger würde neuen, überregionalen Verkehr anziehen.

Was vielen erklärten Zielen wie Umweltschutz und Erhalt der Lebensqualität aufs Irrwitzigste widerspräche: „Da macht man erst eine interkommunale Gartenschau – und dann baut man eine Autobahn durch das Schmidener Feld.“ Und eine rasche Lösung für die aktuellen Probleme hätte man dann immer noch nicht. Dieser Tage macht Gabriele Zull ihren Antrittsbesuch bei Andreas Hesky – der Nordostring dürfte Thema sein.

Aber die beiden Nachbarstädte können sich auch mal einig sein. Beide hatten sich gegen das vom Regierungspräsidium geplante, auf ein Jahr befristete LKW-Verbot für Remseck gewehrt, weil massive Mehrbelastungen für die eigenen Kommunen zu befürchten waren. Nun warf das RP die mit viel gutachterlichem Getöse untermauerte Maßnahme doch wieder über den Haufen. Wunderlich kann man’s finden, doch diesmal freuen sich Waiblingen und Fellbach.

Gabriele Zull

  • Am 18. September 2016 wurde Gabriele Zull im ersten Wahlgang mit 61,2 Prozent der Stimmen zur Oberbürgermeisterin der Stadt Fellbach gewählt. Sie wurde im Wahlkampf von CDU, Freien Wählern und FDP unterstützt und setzte sich gegen Carsten Hansen (SPD) durch.
  • Sie wurde 1967 in Tübingen geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn.
  • Die Juristin war seit 2011 Erste Bürgermeisterin der Stadt Göppingen. Seit 2014 war sie außerdem für die Freien Wähler Mitglied des dortigen Kreistags (Verwaltungs- und Sozialausschuss).